MedImmune - Revolutionär mit Königsambitionen


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Der Bauer:

MedImmune - Revolutionär mit Königsambitionen

 
03.01.03 12:23

von Katja Zacharias, IfVB GmbH

Das US-Biotechunternehmen MedImmune mit Sitz in Gaithersburg, Maryland, wurde 1988 gegründet. Es entwickelt, produziert und vermarktet Medikamente gegen Infektionskrankheiten und Autoimmunerkrankungen. Mit dem Erwerb der U.S. BioScience 1999 wurde die Angebotspalette um Krebstherapeutika erweitert. Der Vertrieb erfolgt weitgehend durch Partnerschaften und Vertriebsorganisationen. Zu den Partnern zählen unter anderem Abbott Laboratories, Schering-Plough und Wyeth.

Derzeit vermarktet MedImmune fünf Medikamente, zehn weitere befinden sich in der klinischen Testphase. Die zwei Top-Präparate, Synagis und Ethyol, machen zurzeit 88 Prozent des Gesamtumsatzes aus.

Wie ist die aktuelle Lage?

Im dritten Quartal setzte MedImmune 73 Millionen Dollar um ? 53 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Der Neunmonatsumsatz wuchs um 43 Prozent auf 466 Millionen Dollar. Vom zurzeit wichtigsten Produkt Synagis wurden im vergangenen Quartal 30 Millionen Dollar, im Geschäftsjahr 2002 bislang 356 Millionen Dollar umgesetzt.

Synagis ist der einzige monoklonale Antikörper, den die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA (Food & Drug Administration) bisher zur Vorbeugung gegen Infektionskrankheiten zuließ. Das Medikament ist seit 1998 auf dem Markt. Es wird zur Immunprophylaxe gegen eine Atemwegserkrankung eingesetzt, die vorwiegend bei Kindern durch den Respiratory Syncytial Virus (RSV)hervorgerufen wird. RSV-Infektionen treten häufig bei Kindern und Jugendlichen mit einem defekten Immunsystem auf. Risikogruppen sind insbesondere Frühgeburten oder Kinder mit chronischer Lungenkrankheit.

In Herbst und Winter ist Synagis gefragt


Die Umsätze von Synagis sind saisonabhängig, da die Erkrankung ähnlich wie bei grippalen Infekten häufiger in den Herbst- und Wintermonaten auftritt. MedImmune erwartet daher für das laufende und für das kommende Quartal wieder wesentlich höhere Erlöse.

Die Umsätze von Ethyol betrugen 20 Millionen Dollar im Quartal sowie 55 Millionen Dollar in den ersten neun Monaten 2002. Ethyol ist ein Medikament zur Reduktion fortschreitender Nierenvergiftung bei Patienten mit Eierstockkrebs oder Lungenkrebs. Zusätzlich wird das Medikament gegen Nebenwirkungen bei der Chemotherapie eingesetzt. Die Vermarktungsrechte erlangte MedImmune im Zuge der Fusion mit U.S. BioScience.

Auf FluMist ruhen Hoffnungen

Der Nettoverlust von MedImmune betrug 36 Millionen Dollar im Quartal. Für die ersten neun Monate des aktuellen Geschäftsjahres verbucht das Unternehmen ein Minus von 1,2 Milliarden Dollar. Der Fehlbetrag ergibt sich
hauptsächlich aus der Abschreibung übernommener Forschungsprojekte von Aviron. Im Januar hatte MedImmune das Biotechunternehmen für 1,5 Milliarden Dollar gekauft. Aviron?s Projekte sind allerdings nur rein buchungstechnisch ?abgeschrieben?. Im Gegenteil - das Hauptprojekt FluMist, ein Grippeimpfstoff, ist sehr aussichtsreich. FluMist wird als Nasenspray verabreicht - das unangenehme und von vielen ?gefürchtete? Pieksen mit einer Injektionsnadel entfällt.

Am 17. Dezember erlangte MedImmune einen Teilerfolg auf dem Weg zur Vermarktung von FluMist. Der FDA-Fachausschuss für Impfstoffe hat das Medikament zur Zulassung empfohlen. Normalerweise folgt die Behörde den Entscheidungen der jeweiligen Ausschüsse, so dass die Markteinführung des Produktes im Frühjahr dieses Jahres sehr wahrscheinlich ist. Allerdings ist die Empfehlung mit einigen Auflagen verbunden. Das Medikament wird für Kinder unter fünf Jahren und für Erwachsene über 50 Jahre nicht zugelassen. Damit werden zwei wichtige Zielgruppen nicht erreicht. Geplant war außerdem eine Zulassung schon in 2002. Deshalb wird MedImmune das zu Jahresbeginn ausgegebene Umsatzziel nicht erreichen. So richtig anlaufen werden
die Verkäufe nun erst in der nächsten ?Grippesaison?, im Herbst/Winter 2003.
Vermarktungspartner ist der Pharmakonzern Wyeth, der auch die Produktionsanlagen stellt.

Die Massenproduktion des Impfstoffes bereitet der FDA allerdings zurzeit ebenfalls noch Bauchschmerzen. Der Grund: Für FluMist wird ein lebender Virus benötigt und muss en gros produziert werden. Das stellt besondere Anforderungen an die Produktionsräume und an den Transport.

Die Bewertung

Wir ermitteln für die Aktie einen neuen inneren Wert von 55,48 Dollar. Der leicht gesunkene Wert ergibt sich aus der verspäteten Zulassung von FluMist im Frühjahr 2003. Aktuell liegt der Kurs bei 26,93 Dollar und damit deutlich
unter unserer Kaufgrenze von 33,29 Dollar. Kaufinteressierte sollten aber in jedem Fall bedenken, dass die von uns prognostizierten Entwicklungen
entscheidend von der tatsächlichen Zulassung des Grippemittels FluMist abhängen.

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