Komma bei und: Neu ist, dass zwischen Hauptsätzen, die mit und verbunden sind, kein Komma mehr geschrieben werden muss, und dass bei Nebensätzen, die mit und verbunden sind, zusätzlich ein Komma stehen darf. Diese «Regelung» ist keine Regelung. Sie dient hauptsächlich dazu, dem Lehrer bei Schüleraufsätzen den Rotstift zu ersparen, erschwert dem Leser aber das Verstehen. Immerhin ist zu sagen, dass diese neue Kommaregel eine Kann-Formulierung ist - man kann also die Zeichen setzen wie bisher. Die NZZ wird weiterhin bei mit und sowie oder usw. verbundenen vollständigen Hauptsätzen ein Komma setzen.
Bei Infinitiv- und Partizipgruppen (-sätze) muss neu ebenfalls kein Komma mehr gesetzt werden, es kann aber gesetzt werden, «wenn man die Gliederung des Satzes deutlich machen will». Da es uns wichtig ist, der Leserschaft einen klar gegliederten Satz zum Lesen zu unterbreiten, werden wir in der NZZ an der bisherigen Regelung mit Komma festhalten. Entgegen der bisherigen Regelung sind auch vorangehende Infinitive in der Funktion des Subjekts ebenfalls mit Komma vom übrigen Satz zu trennen. Auch die NZZ schreibt also neu: Ruhig zu bleiben, ist ihm nicht leichtgefallen.
Bei der Kombination von Komma und Anführungszeichen geht es um die Kommas in den folgenden Satztypen (dargestellt in der Schreibweise der neuen Regelung): «Hinaus!», schrie er ihm entgegen. «Was willst du hier?», fragte sie ihn freundlich. Sie fragte freundlich: «Was wünschen Sie?», und reichte ihm die Hand. Sie sagte freundlich: «Ich komme gleich wieder», und eilte hinaus. Nach der grammatischen Logik stehen diese Kommas zu Recht. In der früheren Regelung stand in diesen Fällen kein Komma, mit der (typografisch-ästhetischen) Begründung, man solle nicht zu viele Zeichen hintereinander setzen.
Gruß