Man kann den Text jetzt positiv oder negativ interpretieren.
Tele Atlas ist sicherlich der Konkurrenz ein wenig voraus,
aber ob die Investionen sich lohnen ?
Mobilfunker wollen 160 DM, Aktionäre bessere Kurse
Auf der GSM-World-Messe in Cannes feierten sich die Mobilfunker zuletzt selbst. Ihre Aktionäre leiden derweil. Und Analysten zweifeln, wie die Telefonfirmen demnächst so viel Inhalt anbieten können, dass die Kunden 160 DM im Monat dafür bezahlen.
Kein Mensch braucht die schnellen UMTS-Handys wirklich. Aber die Unternehmen brauchen 160 DM Umsatz pro Monat und Kunde, um auf ihre Kosten zu kommen.
Mittlerweile nerven die Mobilfunkgeräte mit ihrer permanenten Erreichbarkeit derart, dass man in guten Restaurants die Dinger schon abstellen oder gar abgeben muss. Die Milliarden-Ausgaben für die Lizenzen und die Technik werden aber nur in die Kassen der Mobilfunkunternehmen zurückfließen, wenn die Telefonierer bereit sind, sehr viel Geld für oder über das Handy auszugeben.
Mobilcom, besonders ehrgeiziger UMTS-Planer, geht bisher von 160 DM aus, die der Kunde pro Monat einbringen muss. Das geht nicht nur über Telefongebühren; der mobile Commerz (M-Commerce) ist das, worauf die Branche setzt. Um das Handy attraktiv zu machen, braucht es die Killer-Applikationen, die den Nutzer wie selbstverständlich dazu zwingen, sein Handy zu nutzen. Für Gerhard Schmidt, Chef der umtriebigen Mobilcom, ist die erste Killer-Applikation die virtuelle Bank, die über das Handy erreichbar ist. Viel mehr ist Schmidt allerdings bis jetzt nicht eingefallen. Doch auf der Cebit will er nachbessern: Bilder versenden und Einkaufen gehen soll die Menschen begeistern.
Weitere Ideen kommen aus Cannes: Zum Beispiel die Eingabe von Textnachrichten mittels der Sprache. Der Short Messaging Service (SMS) ist schon jetzt eine Anwendung, die den Mobilfunkern viel Geld in die Kasse spült; für Kiddys ist es eine Kulturtechnik. Denkbar sind Plattformen, über die man weltweit Spiele spielen kann; jeder Zugriff kosten und viele Start Up Unternehmen arbeiten an der Software für die vielfältigen Ideen.
Möglich sind dann auch neue Möglichkeiten der Kommunikation: Die neuen Handys können auch Bilder aufnehmen, die dann weltweit versandt werden. An der Front sind aber auch die Dienstleister der Boombranche Telematik, am Neuen Markt beispielsweise Comroad oder Tele Atlas : Kunden wie der Automobilclub ADAC wären bereit, viel Geld für den mobilen Zugriff auf die Services zu zahlen. Dabei denkt man im Hause Teleatlas an Services, die zum Beispiel freien Parkraum suchen oder aber den Weg zum nächsten Restaurant auf dem Handy-Display weisen können.
Damit wird klar, dass die Lösung auf einer möglich breiten Basis gefunden werden muss: Das Handy ist nach übereinstimmenden Studien emotionaler aufgeladen, als das Auto. Die Anwendung, die ein Jeder unbedingt haben muss, wird es nicht geben – umgekehrt aber immer eine Anwendung, die den individuellen Homo Telefonicus zum Geld ausgeben inspiriert; je individueller, desto einfacher wird der Kunde das Portemonaie zücken.
Doch wenn auch die schöne neue Mobilfunkwelt in bunten Farben gemalt wird. Den teueren UMTS-Standart braucht es dazu nicht, wenn man Martin Bouygues, Verwaltungsrats-Vorsitzender des französischen Mobilfunkbetreibers Bouygues Telekom S.A. Glauben schenkt. Das Unternehmen geht davon aus, die Dienste bis hin zum Live-Video auch mit einer verbesserten heutigen GSM-Technik anbieten zu können. Die Unternehmensberatung Arthur D. Little schätzt, das 80% der Anwendungen, die mit UMTS möglich werden sollen, auch mit einem erweiterten GSM-Standard erbracht werden können