Das norwegische Solarunternehmen REC schockte am Freitag ihre Aktionäre mit einer riesigen Kapitalerhöhung über eine Privatplatzierung und mit sehr hohen Abschreibungen, die in Q2 anfallen werden.
REC hat 867 Mio. neue Aktien ausgegeben. Damit verdoppelt REC fast ihre Aktien von 997 Mio. auf 1,86 Mrd. Aktien. Die Kapitalerhöhung generierte 170 Mio. € an Cash und mit dem wird eine 100 Mio. € schwere Unternehmensanleihe, die in 2014 ausgelaufen wäre, refinanziert und der Rest soll zur Stärkung der Bilanz und für Investitionen dienen.
Mit dieser massiven Kapitalerhöhung macht REC Tabulerasa und räumt komplett ihre Bilanz auf. Insgesamt schreibt REC in Q2 570 Mio. € ab, davon entfallen alleine für ihre Norwegen- und Singapurproduktion (wurde erst Anfang 2011 komplett fertig !!) schon 470 Mio. € und der Rest entfällt auf Lagerabschreibungen, teure Lieferverträge und Vorauszahlungen.
Ich glaube, dass REC ein Beispiel dafür sein wird was wir in diesem Jahr noch bei vielen/einigen Solarunternehmen erleben werden. Viele Solarunternehmen sind ganz einfach mittlerweile viel zu hoch verschuldet. Das heißt ganz einfach und lapidar, dass Aktionäre verwässert werden. Mal mehr, mal weniger.
REC kann man einigermaßen gut mit Solarworld vergleichen. So verfügt REC über Wafer/Zell/Modulfertigungskapazitäten von jeweils 700 MW und Polysiliziumkapazitäten von 15.000 t (entspricht rd. 2,2 GW) und hat somit auch in der Größenordnung ein sehr ähnliches Geschäftsmodell wie Solarworld.
REC erzielte im letzten Jahr einen Umsatz von 1,78 Mrd. € (Solarworld: 1 Mrd. €), ein positives EBITA von 390 Mio. € (Solarworld: 219 Mio. €), eine EBITA-Marge von 22% (Solarworld: 21%) und hatte Ende Q1 2012 eine Nettoverschuldung von 560 Mio. € (Solarworld: 757 Mio. €).
Die Verschuldungsquote zum EBITA betrug bei REC in 2011 1,6 (Solarworld: 3,3) und für 2012 werden 4,4 von den Analysten geschätzt (Solarworld: 5,2 bei einem EBITA von 131 Mio. €). Diese 4,4 sind dann schon recht hoch, die von Solarworld ist dann noch ein gutes Stück höher und dazu kommt ja noch, dass die Aussichten auf Gewinne in der Solarbranche als vertikal integriertes Solarunternehmen in den nächsten Quartalen alles andere als rosig sind. Deshalb auch die Entscheidung von REC eine solch riesige Kapitalerhöhung durchzuziehen.
Übrigens hatte REC Ende Q1 noch eine Liquidität von 270 Mio. € (Solarworld 468 Mio. €) und REC konnte ihre Nettoverschuldung seit Anfang 2011 bis Ende Q1 2012 um 330 Mio. € auf 560 Mio. € deutlich verringern (bei Solarworld ist sie in diesem Zeitraum um 230 Mio. € auf 757 Mio. € deutllich gestiegen !!).
Wie Solarworld fertigt REC ihre Wafer aufgrund des massiven Preisverfalls seit diesem Jahr nur noch für sich selbst und hat durch Auflösung von alten Waferlieferverträge in den letzten Quartale schönes Geld eingenommen wie Solarworld auch. Nur sind solche Abstandszahlungen auf alte Lieferverträge nicht nachhaltig. Das wird man dann spätestens im 2.Halbjahr bei Solarworld super erkennen können, denn dann ist es Aus mit positiven Sondereffekten und es kann nichts mehr mit irgenwelchen positven Sondereffekten übertüncht werden.
Bei Solarworld gibt es durchaus ein hohes Risiko einer eventuellen Kapitalerhöhung wie die massive Kapitalerhöhung von REC belegt.
Wie gesagt, die norwegische REC und Solarworld kann man schon recht gut miteinander vergleichen. Nicht nur die sehr große Ähnlichkeit beim Geschäftsmodell, sondern auch bei der Unternehmensfinanzierung. So ist/war REC über Anleihen (570 Mio. €), die in 2014 (510 Mio. €) und 2018 (60 Mio. €) ausbezahlt werden müssen, eigentlich ordentlich finanziert. Jedoch ist eine Verschuldungsquote zum EBITA von über 4 alles andere als ordentlich und da müssen Banken dann zwangsläufig Druck ausüben, dass sich solch hoch verschuldete Unternehmen frisches Geld über irgendwelche Kapitalmaßnahmen rein holen, denn ohne Bankkredite geht natürlich gar nichts.
Hier der Link zur Kapitalerhöhung von REC:
www.pv-magazine.com/news/details/beitrag/...461/#axzz1y897I3NV
("REC issues shares, restructures debt and writes down inventory")