Ich würde meine Finger von Suntech lassen beatthedealer. Suntech leidet schon seit über einem Jahr an äußerst schwachen Bruttomargen und das ist ihr Kernproblem. Dazu hat dann noch Suntech doppelt so hohe operative Kosten (rd. 120 Mio. $) wie z.B. eine Yingli oder Trina Solar. Mit einer solchen katastrohalen Kostenstruktur kann man eigentlich kein Geld verdienen.
In Q1 hatte Suntech nur eine bereinigte Bruttomarge von 4,6% (z.B. Trina Solar 13,5%) und in Q2 sollen es auch nur 3 bis 6% werden. Dazu noch die riesige Nettofinanzverschuldung von 1,6 Mrd. $ und der Großteil der Schulden sind auch noch kurzfristiger Natur.
Zusammen mit LDK ist Suntech wohl das PV-Unternehmen, das von den Großen die größten Probleme überhaupt hat. In Europa hätten wohl beide schon längst Insolvenz anmelden müssen. Wobei ich aber nicht davon ausgehe, dass die chinesische Regierung Suntech fallen lassen kann, denn die haben über 20.000 Mitarbeiter und technologisch gehören sie sicher zu den Marktführer.
Mal ganz im Ernst, wenn schon in ein Solarwert, dann ist auch sicher Solarworld eine Option auf dem Kursniveau von um die 1,40 €. Auch eine Conergy kann man sich sicher mal etwas genauer anschauen.
Für mich ist aber Trina Solar derzeit die interessanteste Solaraktien, da sie ganz einfach die beste Kostenstruktur von allen PV-Unternehmen hat (Produktionskosten, Finanzierungskosten, US-Dollar-Hedging bei 1,25) meiner Einschätzung nach hat. Bei den operativen Kosten muss aber Trina noch etwas arbeiten, denn 17% operative Kosten von Umsatz sind dann doch ein wenig zu viel. Wird aber in Q2 sicher besser werden.
Jedoch könnte es für die China-Solaris schon kurstechnisch sehr eng werden, sobald in der EU über Dumpingzölle beraten wird und es sieht ja fast danach aus, als ob der Altmaier zumindest ein Diskussion darüber führen möchte. So hat er das gestern im ZDF (Sendung "Perter Hahne") anklingen lassen.
Deshalb und weil auch Solarworld mit fast allen Chinesen kostentechnisch mithalten kann ist Solarworld bei einem Kurs von 1,40 € durchaus eine sehr interessante Option, wenn man denn wirklich in Solaraktien rein gehen will.
Problem sind die hohen Schulden von Solarworld und zwar ohne Wenn und Aber. Weiteres Problem das ich bei Solarworld sehe ist der Asbeck. Der war eh und je ein Selbstdarsteller und so was kann längerfristig einem Unternehmen eigentlich nicht gut tun. Zumal ich auch keine großartige Weiterentwicklung des Unternehmens erkennen kann seit Anfang 2010. Eine Sunpower z.B. hat sich sehr stark in Richtung Downstreamgeschäft entwickelt, die Japaner wie Sharp, Kyochera, Panasonic, aber auch eine Bosch Solar, bauen ihr Geschäft mit Energiemanagmentsysteme (Wechselrichter und Batterien) sehr rasch aus. Heute hat z.B. Panasonic angekündigt, dass man noch im Juni mit der Massenproduktion von Li-Batterien für den europäischen Markt beginnen wird.
Die Ausrichtung auf ein vertikal integriertes Unternehmen haben de Großen abgeschlossen und jetzt kommt die nächste Stufe der Unternehmensweiterentwicklung. Aubau des Geschäftes in Richtung Downstream (großes Projektgeschäft) oder/und Ausbau in die Breite (Entwicklung von Energiemanagmentsysteme). Shrap macht z.B. beides.
Bei Solarworld sehe ich momentan kein richtiges Unternehmenskonzept wohin man sich entwickeln will. Es wird nur reagiert und nicht agiert. Wobei aber Solarworld das große Problem hat, dass man mittlerweile doch über einen sehr kleinen finanziellen Spielraum verfügt und so ist es halt verdammt schwer sich fit für die Zukunft zu machen. Man kann nur hoffen für unser Deutschland, dass Bosch Solar sich ein gutes, solides Zukunftskonzept zurecht legt, denn die dürften wohl von den Deutschen PV-Unternehmen die einzigsten sein, die mit der internationalen Konkurrenz da mithalten können.
Sunpower, Sharp, Kyochera, Panasonic oder eine Bosch Solar sind schon wesentlich besser dran als Solarworld, denn entweder hat man einen sehr großzügigen Großaktionär oder man verdient in anderen Branchen sehr gutes Geld, so dass man die Solarsparte unternehmensintern quer subventionieren kann.