![Kreditwürdigkeit: USA verlieren an Reputation 3202706]()
 | ![Kreditwürdigkeit: USA verlieren an Reputation 3202706]() |
Länderbonität für 2007. Grafik: Handelsblatt |
BERLIN. Damit sind die Vereinigten Staaten erstmals aus der Spitzengruppe der viel beachteten Länderbonitätsliste abgerutscht. Das Wall-Street-Magazin veröffentlicht die Rangliste seit 1979 zweimal im Jahr. Die Grundlage liefert die Einschätzung von 100 Bankvolkswirten und Länderanalysten, die das Magazin jeweils im März und September befragt. Diese Fachleute taxieren die Bonität der einzelnen Staaten auf einer Skala von null bis 100.
Auch Großbritannien, das wie die USA in den letzten Jahren die Binnenkonjunktur durch einen Immobilienboom stützen konnte, fiel nach dem Auslaufen dieses Booms zurück, und zwar vom 6. auf den 9. Platz. Demgegenüber setzte Deutschland – das vor einem halben Jahr noch mit 94,3 Bonitätspunkten auf den 10. Platz vorgerückt war – seinen Aufstieg auf den 7. Platz fort. Dort hat es Dänemark auf der Bonitätsskala vor sich, das mit Großbritannien den 6. Platz tauschte. Mit der Schweiz als Spitzenreiter, gefolgt von Finnland, den Niederlanden, Luxemburg und Norwegen, haben die Top Five auf der Liste ihre Positionen im letzten halben Jahr halten können.
Die befragten Fachleute bleiben insgesamt zuversichtlich. Sie setzten bei 163 von 174 erfassten Ländern die Kreditwürdigkeit herauf, im Schnitt um 2,2 auf nunmehr 46,1 Punkte, davon bei 132 Ländern um mindestens einen vollen Punkt.
Die befragten Bankökonomen und Länderanalysten weisen auf die heute nicht mehr so große Abhängigkeit mancher Länder und Regionen vom US-Wirtschaftswachstum hin. Der frühere Leitsatz „Wenn die Amerikaner husten, bekommt der Rest der Welt eine Lungenentzündung“ gelte nicht mehr. So sind die deutlichen Bonitätsverbesserungen unter den afrikanischen Ländern nicht zuletzt auf den boomenden Handel mit China zurückzuführen. Dessen Volumen hat sich seit 2002 auf 55 Mrd. Dollar vervierfacht. Nicht nur auf dem schwarzen Kontinent, sondern auch in Lateinamerika profitieren vor allem die Rohstoffe exportierenden Länder vom China-Boom.
Harvey Shapiro, der für die Erstellung der Länderbonitätsliste des Bankenmagazins verantwortlich ist, führt die besseren Bonitätsnoten vor allem auf den Umstand zurück, dass China mit seiner ungebrochenen Wachstums – und Exportdynamik und seinen immer riesigeren Finanzüberschüssen „die schwindende Kreditwürdigkeit der USA ausgleichen kann“. Wenn Chinas Präsident Hu Jintao in Afrika oder in anderen Teilen der Dritten Welt zur Beschaffung und Sicherung von Rohstoffen Finanzüberschüsse verteile, die gegenüber den USA entstanden seien, müsse das „seismische Verschiebungen in der globalen Kreditwürdigkeit zur Folge haben“. Allerdings hat China, das vom 36. auf den 34. Platz auf der Länderliste vorrückte, bis zur Spitzengruppe auf der Bonitätsskala noch einen weiten Weg vor sich.
Gegenüber September letzten Jahres stehen Albanien (mit einer Verbesserung um 6,3 Punkte), Argentinien (6,2), Nigeria (6,2), Kasachstan (6,1), Angola (5,8) und Russland (5,8) ganz oben auf der Gewinnerliste.
Größte Verlierer sind Belize (-3,5 Punkte), Jemen (-2,1), Libanon (-1,4), die USA (-0,5) und die Bahamas (-0,4).