Es ist soweit: Mit fadenscheinigen Argumenten hat sich der
maechtigste Mann der Welt ueber das Voelkerrecht hinweggesetzt
und damit begonnen, den Irak zu bombardieren - um das Land im
Alleingang, wie es heisst, „zu befreien“. Die internationalen
Öl-Multies reiben sich die Haende, schliesslich ermoeglicht der
von ihrem Zoegling „George Dabbeljuh“ angezettelte Krieg den
Zugriff auf gigantische Ölreserven.
Der diplomatische Scherbenhaufen jedoch, der im Vorfeld des Krieges
angerichtet wurde, wird die Welt noch lange beschaeftigen. Ein Schweizer
Politiker brachte die Lage kuerzlich auf den Punkt: „Wir werden erleben,
dass der Kriegsbeginn im Irak erst der Anfang ist zu einer neuen grossen
Barbarei“. Schon werden in den islamischen Laendern wuetende Stimmen
laut, die zum heiligen Krieg gegen die USA aufrufen. Auch Russland
und China haben sich bereits zu Wort gemeldet und ein sofortiges
Ende der US-Angriffe gefordert.
Ob die Herrschaften bei ihrer Militaeraktion die Rechnung mit dem
Wirt gemacht haben? Geruechte halber war immer wieder zu hoeren,
Saddam Hussein habe die Ölquellen des Landes mit Sprengstoff
praepariert, um bei einem Einmarsch der US-Truppen das schwarze
Gold in die Luft zu jagen. Da der Diktator ganz genau weiss,
womit er die Vereinigten Staaten am staerksten treffen koennte,
wird er alles tun, um diesen Geruechten Taten folgen zu lassen.
Schlechter Witz?
Und in diesen truebsinnigen Zeiten, da koennen sich die Boersianer
ueber steigende Aktienkurse freuen (na ja, „freuen“ ist sicherlich
der falsche Ausdruck). Was auf den ersten Blick wie ein schlechter
Witz aussieht, ist einfach zu erklaeren: Nach Monaten der Unsicherheit
ist der Kanonendonner ueber Bagdad fuer die Anleger eine befreiende
Nachricht. Denn nichts lastet schwerer auf sensiblen Boersianerseelen
als die latente Unsicherheit der vergangenen Monate und die
staendige Frage, wie es weiter geht.
Da allgemein von einem schnellen Sieg der USA ausgegangen wird,
haben sich viele Investoren in den vergangenen Tagen mit Aktien
eingedeckt. Und zwar, fuer manche ueberraschend, bereits deutlich
vor dem Kriegsbeginn im Irak. Die alte Boersianerregel, man solle
„kaufen, wenn die Kanonen donnern“ wurde also ein wenig umgedeutet.
In der Erwartung, dass die Zeiten schon bald wieder besser sein
werden, wollten viele den anrollenden Zug nicht verpassen und
sind schon eingestiegen, bevor der erste Schuss gefallen ist.
Man kann es den Anlegern nicht verdenken, dass sie nach drei
Jahren Baisse jetzt auf eine dauerhafte Erholung setzen.
Wer glaubt, dass mit dem Kriegsbeginn im Irak die Boersenwelt
schon bald wieder rosig aussehen wird, der sollte sich zuvor ein
paar Fragen stellen:
Etwa diese: Wie werden die Amerikaner reagieren, wenn die ersten
toten US-Soldaten in die Heimat transportiert werden? Mehr als die
Haelfte der irakischen Bevoelkerung sind Kinder und Jugendliche.
Was werden die US-Buerger zu „Kollateralschaeden“ in dieser
Bevoelkerungsgruppe sagen? Oder etwa: Wie wird die arabische Welt
nach einem Sieg der US-Truppen auf die militaerische Dauerpraesenz
der Amerikaner reagieren? Wie will man ein Land ohne demokratische
Traditionen demokratisieren? Wer soll das alles bezahlen?
Und schliesslich: Wird der amerikanische Konsument mehr Haeuser
und Autos kaufen, weil die Vereinigten Staaten ein Land der
Dritten Welt in Schutt und Asche gelegt haben?
Klein aber fein
Vielfach war zuletzt die Meinung zu hoeren, der Kriegsbeginn sei
der Auftakt zu einer nachhaltigen Rallye an den Aktienmaerkten.
Analogien zum Golfkrieg 1991 wurden hergestellt und behauptet,
dass alles wieder so kommen werde. Seinerzeit waren die ersten
Kanonenschlaege aus Bagdad der Auftakt zu einer mehrmonatigen und
dynamischen Aufwaertsbewegung.
Dabei wird ein kleiner aber feiner Unterschied zwischen heute und
damals gerne uebersehen: Anfang der 90er Jahre befanden sich alle
Weltboersen in einem stabilen Aufwaertstrend. Heute dominiert die
entgegengesetzte Richtung. Auch die Bewertung der wichtigsten
Indizes laesst sich mit der von 1991 nicht vergleichen:
Das Kurs-Gewinn-Verhaeltnis der im S&P 500 notierten Titel
notierte 1991 im Durchschnitt bei etwa 14. Heute sind US-Aktien
trotz der jahrelangen Talfahrt doppelt so teuer. Zu Beginn des
Zweiten Weltkriegs lag der Wert uebrigens bei acht.
Vermutlich werden in den Boersensaelen daher schon bald wieder
die altbekannten Themen den Takt vorgeben. Die Banken in Deutschland
etwa leiden in diesem Jahr unter einer Rekordzahl an Firmenpleiten,
muessen so viele Kredite abschreiben wie nie zuvor. Die Versicherer
haben groesste Probleme, weil sie Aktien besitzen, deren Wert immer
mehr verfaellt - speziell die Bankentitel. Kein Wunder also, dass
die schlechtesten Dax-Werte der vergangenen zwoelf Monate aus der
Finanzbranche kommen: HypoVereinsbank (minus 80 Prozent),
Allianz (minus 80 Prozent) und Muenchener Rueck (minus 75 Prozent).
Nur mit einem kraeftigen Wirtschaftswachstum laesst sich dieser
Teufelskreis durchbrechen. Nur wenn die Wirtschaft wieder anspringt,
steigen die Gewinne der Unternehmen, gehen die Pleiten zurueck,
muessen die Banken weniger faule Kredite abschreiben.
Dann, und nur dann, erholen sich die Gewinne der Geldhaeuser
- und damit steigt der Aktienmarkt insgesamt.
Doch danach sieht es derzeit nicht aus.
So long,
Calexa
www.investorweb.de
maechtigste Mann der Welt ueber das Voelkerrecht hinweggesetzt
und damit begonnen, den Irak zu bombardieren - um das Land im
Alleingang, wie es heisst, „zu befreien“. Die internationalen
Öl-Multies reiben sich die Haende, schliesslich ermoeglicht der
von ihrem Zoegling „George Dabbeljuh“ angezettelte Krieg den
Zugriff auf gigantische Ölreserven.
Der diplomatische Scherbenhaufen jedoch, der im Vorfeld des Krieges
angerichtet wurde, wird die Welt noch lange beschaeftigen. Ein Schweizer
Politiker brachte die Lage kuerzlich auf den Punkt: „Wir werden erleben,
dass der Kriegsbeginn im Irak erst der Anfang ist zu einer neuen grossen
Barbarei“. Schon werden in den islamischen Laendern wuetende Stimmen
laut, die zum heiligen Krieg gegen die USA aufrufen. Auch Russland
und China haben sich bereits zu Wort gemeldet und ein sofortiges
Ende der US-Angriffe gefordert.
Ob die Herrschaften bei ihrer Militaeraktion die Rechnung mit dem
Wirt gemacht haben? Geruechte halber war immer wieder zu hoeren,
Saddam Hussein habe die Ölquellen des Landes mit Sprengstoff
praepariert, um bei einem Einmarsch der US-Truppen das schwarze
Gold in die Luft zu jagen. Da der Diktator ganz genau weiss,
womit er die Vereinigten Staaten am staerksten treffen koennte,
wird er alles tun, um diesen Geruechten Taten folgen zu lassen.
Schlechter Witz?
Und in diesen truebsinnigen Zeiten, da koennen sich die Boersianer
ueber steigende Aktienkurse freuen (na ja, „freuen“ ist sicherlich
der falsche Ausdruck). Was auf den ersten Blick wie ein schlechter
Witz aussieht, ist einfach zu erklaeren: Nach Monaten der Unsicherheit
ist der Kanonendonner ueber Bagdad fuer die Anleger eine befreiende
Nachricht. Denn nichts lastet schwerer auf sensiblen Boersianerseelen
als die latente Unsicherheit der vergangenen Monate und die
staendige Frage, wie es weiter geht.
Da allgemein von einem schnellen Sieg der USA ausgegangen wird,
haben sich viele Investoren in den vergangenen Tagen mit Aktien
eingedeckt. Und zwar, fuer manche ueberraschend, bereits deutlich
vor dem Kriegsbeginn im Irak. Die alte Boersianerregel, man solle
„kaufen, wenn die Kanonen donnern“ wurde also ein wenig umgedeutet.
In der Erwartung, dass die Zeiten schon bald wieder besser sein
werden, wollten viele den anrollenden Zug nicht verpassen und
sind schon eingestiegen, bevor der erste Schuss gefallen ist.
Man kann es den Anlegern nicht verdenken, dass sie nach drei
Jahren Baisse jetzt auf eine dauerhafte Erholung setzen.
Wer glaubt, dass mit dem Kriegsbeginn im Irak die Boersenwelt
schon bald wieder rosig aussehen wird, der sollte sich zuvor ein
paar Fragen stellen:
Etwa diese: Wie werden die Amerikaner reagieren, wenn die ersten
toten US-Soldaten in die Heimat transportiert werden? Mehr als die
Haelfte der irakischen Bevoelkerung sind Kinder und Jugendliche.
Was werden die US-Buerger zu „Kollateralschaeden“ in dieser
Bevoelkerungsgruppe sagen? Oder etwa: Wie wird die arabische Welt
nach einem Sieg der US-Truppen auf die militaerische Dauerpraesenz
der Amerikaner reagieren? Wie will man ein Land ohne demokratische
Traditionen demokratisieren? Wer soll das alles bezahlen?
Und schliesslich: Wird der amerikanische Konsument mehr Haeuser
und Autos kaufen, weil die Vereinigten Staaten ein Land der
Dritten Welt in Schutt und Asche gelegt haben?
Klein aber fein
Vielfach war zuletzt die Meinung zu hoeren, der Kriegsbeginn sei
der Auftakt zu einer nachhaltigen Rallye an den Aktienmaerkten.
Analogien zum Golfkrieg 1991 wurden hergestellt und behauptet,
dass alles wieder so kommen werde. Seinerzeit waren die ersten
Kanonenschlaege aus Bagdad der Auftakt zu einer mehrmonatigen und
dynamischen Aufwaertsbewegung.
Dabei wird ein kleiner aber feiner Unterschied zwischen heute und
damals gerne uebersehen: Anfang der 90er Jahre befanden sich alle
Weltboersen in einem stabilen Aufwaertstrend. Heute dominiert die
entgegengesetzte Richtung. Auch die Bewertung der wichtigsten
Indizes laesst sich mit der von 1991 nicht vergleichen:
Das Kurs-Gewinn-Verhaeltnis der im S&P 500 notierten Titel
notierte 1991 im Durchschnitt bei etwa 14. Heute sind US-Aktien
trotz der jahrelangen Talfahrt doppelt so teuer. Zu Beginn des
Zweiten Weltkriegs lag der Wert uebrigens bei acht.
Vermutlich werden in den Boersensaelen daher schon bald wieder
die altbekannten Themen den Takt vorgeben. Die Banken in Deutschland
etwa leiden in diesem Jahr unter einer Rekordzahl an Firmenpleiten,
muessen so viele Kredite abschreiben wie nie zuvor. Die Versicherer
haben groesste Probleme, weil sie Aktien besitzen, deren Wert immer
mehr verfaellt - speziell die Bankentitel. Kein Wunder also, dass
die schlechtesten Dax-Werte der vergangenen zwoelf Monate aus der
Finanzbranche kommen: HypoVereinsbank (minus 80 Prozent),
Allianz (minus 80 Prozent) und Muenchener Rueck (minus 75 Prozent).
Nur mit einem kraeftigen Wirtschaftswachstum laesst sich dieser
Teufelskreis durchbrechen. Nur wenn die Wirtschaft wieder anspringt,
steigen die Gewinne der Unternehmen, gehen die Pleiten zurueck,
muessen die Banken weniger faule Kredite abschreiben.
Dann, und nur dann, erholen sich die Gewinne der Geldhaeuser
- und damit steigt der Aktienmarkt insgesamt.
Doch danach sieht es derzeit nicht aus.
So long,
Calexa
www.investorweb.de