Aus der FTD vom 19.7.2001
Das Kapital: Heiner Kamps backt kleinere Brötchen
Backe, backe Kuchen, der Bäcker hat gerufen. Wer will guten Kuchen backen, der muss haben sieben Sachen. An den Anforderungen des Kinderreims gemessen, wird Kamps wohl durchfliegen - zumindest Schmalz und Safran dürften fehlen.
Der Großbäcker wird das verschmerzen, er muss sich spätestens seit Mittwoch um schwerwiegendere Probleme kümmern: Sein Aktienkurs ist bei riesigen Umsätzen um 43 Prozent eingebrochen. Fast ein Viertel von Kamps Streubesitz hat am Mittwoch die Besitzer gewechselt. Die einen verabschiedeten sich nach der Gewinnwarnung verärgert, die anderen witterten günstige Einstiegskurse. Wer hat Recht? Wahrscheinlich erstere.
Der Vertrauensschaden ist groß. Zunächst hätte Kamps früher mit der schlechten Botschaft kommen können. Die Prognose für den laufenden Gewinn wurde um 40 Mio. auf 90 Mio. Euro verringert. Davon sind 9 Mio. Euro auf die höheren Rohstoff- und Energiepreise zurückzuführen. Allerdings sinkt der Ölpreis seit Anfang Juni, und die Versorger erhöhen seit Mai die Strompreise. Wenn die Auswirkungen bis vor kurzem unbekannt waren, wie Vorstand Arent Fock beteuerte, dann sind die internen Informationssysteme unzureichend.
Kamps größtes Problem sind jedoch die unzureichenden Synergien aus seinen Übernahmen. Der riesige Fuhrpark wird nur nachts genutzt. Um ihn auch tagsüber gewinnbringend einzusetzen, muss Kamps jetzt nach einem gescheiterten Kooperationsversuch eine Tochter gründen. Die übernommene holländische Quality Bakers bleibt hinter den Vorgaben zurück. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben, so Kamps.
In der Zwischenzeit werden aber die Fremdkapitalgeber ernste Fragen an den mit netto rund 800 Mio. Euro verschuldeten Bäcker stellen. Der um über ein Fünftel verringerte operative Gewinn im ersten Halbjahr deckt nur noch das 1,6fache der Zinszahlungen ab. Das könnte auf längere Sicht die Tilgung in Frage stellen. Nur mit Gewinnwachstum kann sich Kamps dieser Sorgen entledigen.
Organisch mag der Umsatz ein paar Prozentpunkte wachsen können. Werden die Synergien gehoben, kann vielleicht konzernweit die operative Marge auf die angestrebten zehn Prozent steigen. Hat Heiner Kamps aber seinen Konzern noch im Griff oder droht er ihm nicht nach 19 Übernahmen über den Kopf zu wachsen?
Nach dramatischen Einbrüchen erholen sich Kurse häufig aus technischen Gründen. Für einen nachhaltigen Anstieg reicht das aber nicht. Kamps muss Vertrauen zurückerlangen - zumal das Unternehmen einschließlich der Nettoschuld von rund 800 Mio. Euro auf Basis der reduzierten Vorgaben immerhin das 14,6fache des operativen Gewinns kostet. Die Anleger werden dem Bäcker erst dann wieder vertrauen, wenn er die Kapitalmärkte zeitnaher informiert und durch Gewinnwachstum überzeugt.