KÄUFERSTREIK: Anleger in der Sackgasse


Thema
abonnieren
Beitrag: 1
Zugriffe: 243 / Heute: 1
Happy End:

KÄUFERSTREIK: Anleger in der Sackgasse

 
08.05.02 08:45
Nach einer kurzen Erholung fallen die Aktienindizes in Europa und den USA wieder in sich zusammen. Experten zufolge leiden die Märkte unter einem Käuferstreik, der noch lange dauern wird.

New York/Frankfurt am Main - Schon wieder ein neues Allzeittief. Die Telekom-Aktie  fiel am Dienstagmorgen auf 12,38 Euro. Damit lag die Volksaktie weit unter ihrem ersten Ausgabepreis von 14,52 Euro. Auch bei der Konkurrenz sieht es nicht besser aus: Vodafone sackten nach negativen Analystenkommentaren nochmals weg und notierten erstmals seit vier Jahren wieder unter 100 Cent. Kein Stück besser ergeht es France Télécom, die seit Jahresbeginn rund 50 Prozent ihres Wertes verloren hatten und derzeit bei Kursen unter 22 Euro auf historischen Tiefständen notieren.
Noch schlimmer als der kontinuierliche Kursverfall sind die Kommentare der Analysten. Sie haben alle freundlichen Worte für Telekommunikationstitel - aus ihrem Vokabular gestrichen. "Die Aktien des Telekommunikationssektors zählen zu den Titeln, die man in den nächsten ein bis zwei Jahren nicht haben muss", sagt beispielsweise Analyst Ralph Breßler vom Bankhaus Lampe. Mit dieser Aussage, die noch vor ein paar Monaten nichts als Empörung ausgelöst hätte, ist er nicht allein. Richard Falle beispielsweise, Anlagemanager bei American Express  , will auch angesichts der Allzeittiefs noch nicht zuschlagen. "Es besteht keine Eile, sich mit den Werte einzudecken", sagt er.

Auch in anderen Branchen ist die Zeit des Märchenerzählens definitiv vorbei - vor allem in den USA. Die spektakuläre Pleite des Energieriesen Enron, der seine Anleger mit gefälschten Zahlen bei der Stange hielt, hat das Vertrauen aller Aktionäre erschüttert. Und das Gewitter über Buchhaltern und Wirtschaftsprüfern hat sich noch längst nicht verzogen. Erst am Montag kündigte Software-Produzent Peregrine den Rücktritt der Unternehmensspitze an. Grund dafür waren wieder einmal Bilanzierungsprobleme. Die Prüfer von KPMG, die das Unternehmen unter die Lupe nahmen, entdeckten nämlich, dass der Umsatz rund 100 Millionen Dollar zu hoch angesetzt war. Zuvor hatte sich das Unternehmen - auch das gehört mittlerweile fast schon zum Alltag - von seinem bisherigen Wirtschaftsprüfer Arthur Andersen getrennt.

Investmentguru Warren Buffet sparte bei der Hauptversammlung seiner Firma Berkshire Hathaway denn auch nicht mit Kritik an unseriösen Bilanzierungsmethoden und an den daran beteiligten Prüfern, Bankern und Analysten: "Sie sehen aus wie Gauner und sie sind Gauner", sagte der Mann, der mit seiner konservativen Anlagestrategie Milliarden verdient hat. Sein Prinzip: "Kaufe keine Aktie, die du nicht auch zehn Jahre halten würdest."

Und genau mit hier liegt nach Meinung vieler Experten der Grund für die derzeitige Zurückhaltung der Anleger. "Investoren folgen nicht einfach der Wirtschaftsentwicklung", sagt beispielsweise Hans Stoll, der das Financial Market Resarch Center der Vanderbilt Universität in Nashville leitet. "Sie folgen der erwarteten Wirtschaftsentwicklung und achten dabei besonders auf die Gewinnschätzungen der Unternehmen." Laut Stoll steht die Qualität und Nachhaltigkeit dieser zukünftigen Gewinne momentan stark in Frage.

Die letzten Äußerungen amerikanischer Topmanager stützen diese Einschätzung. So sagte Intel-Chef Craig Barrett auf einer Taiwan-Reise: "Ich glaube nicht, dass Sie bald eine substanzielle Verbesserung sehen werden, wenn sich die Gewinne der anderen Unternehmen nicht verbessern und damit die IT-Investitionen steigen. Ich hätte Ihnen gerne etwas Erfreulicheres erzählt." Auch beim Chef von IBM, Samuel Palmisano, ist von dem sonst üblichen Optimismus nichts mehr zu spüren. "Es ist klar, dass die Branche in diesem Jahr nicht mehr in Fahrt kommt", sagte er dem "Wall Street Journal". Die Erfolgsmeldungen von Cisco-Chef John Chambers, der seinen Quartalsgewinn mehr als verdreifachen konnte, bilden da offenbar nur die Ausnahme, die die Regel bestätigt.

David Tice, Manager des Fonds "Prudent Bear" führt noch andere Gründe dafür ins Feld, dass in absehbarer Zeit keine Besserung an den Aktienmärkten zu erwarten ist. Seiner Ansicht nach sind sowohl die Standardwerte im S&P-500-Index, als auch die Technologiewerte im Nasdaq immer noch viel zu hoch bewertet. "Die S&P-Aktien werden mit dem 25fachen der erwarteten Gewinne gehandelt. Ein Bullenmarkt wird auf so einem Niveau nicht beginnen. Dazu muss es noch sehr viel weiter abwärts gehen. Im Nasdaq 100 werden die Aktien noch für das Acht- bis Zehnfache des Umsatzes gehandelt, und die Umsätze gehen zurück." Nach Ansicht von Tice könnte der Dow sogar wieder bis auf 3000 Punkte abrutschen, der Nasdaq sogar unter 500 Punkte.

Und da ist - last but not least - die Konjunktur. Auch hier überwiegt immer noch die Unsicherheit. Zwar sprechen die US-Wachstumsrate von 5,8 Prozent und eine Steigerung der Arbeitsproduktivitätssteigerung um 8,6 Prozent für einen stabilen Aufwärtstrend, aber das reicht vielen Marktbeobachtern noch nicht. Sie wollen erst sehen, dass Unternehmen wieder Gewinne machen. Im ersten Quartal 2002 sind diese allerdings im Vergleich zum Vorjahr um 11,5 Prozent gefallen. Für Chris Bonavico, Fondsmanager von TransAmerica, genügt schon diese Unsicherheit als Grund zur Vorsicht: "Ich werde doch nicht auf irgendwelche Unternehmen wetten, wenn ich noch auf die Wirtschaftsentwicklung wetten muss." Auch US-Notenbank-Chef Alan Greenspan traut dem Wachstum noch nicht so recht. Er belies die Leitzinsen auf dem niedrigsten Stand seit vier Jahrzehnten.

spiegel.de

Gruß    
Happy End
KÄUFERSTREIK: Anleger in der Sackgasse 657989
Antworten
Auf neue Beiträge prüfen
Es gibt keine neuen Beiträge.


Börsen-Forum - Gesamtforum - Antwort einfügen - zum ersten Beitrag springen
--button_text--