"sehr niedrigen Diskontierungszinssatz unterstellt" - das genau hat aber mit der Liquidiätserwartung zu tun, denn ist die hoch sind die Leitzinsen gering. Demnach auch der Diskontierungszins. Gerade deshalb sag ich schon länger, dass die DCF in niedrigen Zinsniveaus extrem anfällig sind. Das Modell unterstellt einen zu hohen Run auf die Märkte, insofern der Leitzins klein ist. Das mag in gewisser Weise schon stimmen. Aber sicher nicht in dem Ausmaß, das prognostiziert wird. Deshalb ist das Modell für mich auch so zweifelhaft. Es liefert zu hohe Werte, hab ich hingegen eins, dass niedrige liefert fühl ich mich dabei wohler.
Ich hab dazu auch was im Internet gefunden, falls es jemanden interessiert:
www.mmwarburg.de/de/firmenkunden/offen-gesprochen/2012-11.html
Hier insbesondere der Auszug:
"Die Auswirkungen dieses erhöhten Prognoserisikos steigen mit sinkenden Abzinsungsfaktoren. Je niedriger der für die Abzinsung gewählte Eigenkapitalzins oder WACC (weighted average cost of capital) ist, desto höher wirken sich zukünftige Planungsfehler auf den Unternehmenswert aus. Diese Abzinsungsfaktoren werden regelmäßig analytisch aus dem langfristigen Zins risikofreier Alternativanlagen, einer Marktrisikoprämie für die Anlageklasse Equity sowie für das spezifische Geschäftsmodell (β-Faktor) ermittelt. Und hierbei ergibt sich heute eine weitere Schwierigkeit für Ertragswert- und DCF-Methode: Durch das extrem niedrige Zinsniveau errechnet sich ein sehr niedriger langfristiger Basiszinssatz und damit ein insgesamt niedriger Abzinsungsfaktor. Spätere Planungsjahre mit erhöhter Unsicherheit finden damit eine vergleichsweise hohe Berücksichtigung im Unternehmenswert. Als eine Folge lässt sich feststellen, dass die „systematischen“ Bewerter der Wirtschaftsprüfungsgesellschaften heute regelmäßig zu höheren Unternehmenswerten kommen als die marktorientierten Investmentbanken. Das war vor einigen Jahren noch umgekehrt."
Graham ist ein wirklich toller Denker - keine Frage. Aber mit Niedrigzinsniveaus hatte er sich weniger rumzuschlagen als wir heute. Deshalb sollte man auch wissen was man in welche Formeln einsetzt und welche Auswirkungen das ganze hat. Darin sind die BWL'er - ohne Kritik üben zu wollen - gefährlich. Denn für sie sind Formeln immer dazu da Werte einzusetzen. Was wirklich dahintersteckt und woher das ganze kommt (oder vielmehr welche Veränderungen die Substitutionsvariablen mit sich bringen) wird oft nicht hinterfragt.