”vielen Dank, Johannes, ...... aber betreffend der Aussagen von User3 möchte ich gerne nachfragen und bitte dich, Johannes, um Hilfe.
Es geht mir nicht darum, wie viele Stimmrechte die IB hält, es geht mir darum, dass in einem sehr kurzen Zeitraum von der IB 4,35% verliehen wurden. Es muss also folglich ein oder mehrere Geschäftspartner in kürzester Zeit das Erfordernis gehabt haben, diese Aktien von der IB zu leihen. Selbst wenn der Leihende die Aktien wiederum weiter verleiht, so muss es am Ende der Kette Investoren geben, die sich die geliehenen Aktien auf das Depot mit Gewinnerzielungsabsicht gelegt haben, weil sie dafür auch eine Gebühr zahlen.
Ich wiederhole daher meine Frage: Wie kann ich mit einer geliehenen Aktie Gewinne erzielen, wenn ich diese nicht in Erwartung eines Kursverfalles verkaufe und später wieder zu einem niedrigeren Preis zurück kaufen möchte?
Eine andere Idee wäre, dass ich als letzter in der Kette der die Aktie leihenden Institutionen die Stimmrechte haben möchte, ohne die Aktie selbst kaufen zu müssen. Ganz konkret ergibt das für mich aber keinen Sinn, weil keine HV ante portas steht.
Wie gesagt, lieber Johannes, bitte um deine Gedanken, welche (realistischen) Alternativen es noch gibt.
stksat|229778598, 08.10.25 12:20
Hallo stksat,
Die Aktien könnten auch zum Hedging von Derivategeschäften dienen
Wie funktioniert das in der Praxis?
Investmentbanken wie Goldman Sachs (GS) verkaufen ihren Kunden eine breite Palette von Finanzprodukten (z.B. Swaps, Zertifikate, Optionen), mit denen diese an der Kursentwicklung von Kontron partizipieren können, ohne die Aktie direkt besitzen zu müssen.
Szenario: Ein großer Fonds möchte an der Kursentwicklung von Kontron-Aktien teilhaben und schließt dafür einen sogenannten Total Return Swap mit GS ab. Der Fonds erhält von GS die gesamte Wertentwicklung dieser Aktien (Kursgewinne + Dividenden).
Die Rolle von GS: Für GS entsteht dadurch ein enormes Risiko. Steigt die Kontron-Aktie, muss GS dem Fonds Geld zahlen. Um dieses Risiko zu neutralisieren (zu "hedgen"), muss GS die exakte Gegenposition eingehen. Die einfachste und perfekteste Methode dafür ist, sich die entsprechende Menge an Kontron-Aktien zu beschaffen und zu halten. Wenn sie die Aktien nicht schon besitzen, leihen sie sich diese.
Das Ergebnis: Die geliehenen Aktien liegen nun im Depot von GS. Steigt der Kurs, macht GS mit den Aktien einen Gewinn, der exakt den Verlust aus dem Swap-Geschäft mit dem Kunden ausgleicht. Fällt der Kurs, macht GS mit den Aktien einen Verlust, der aber durch den Gewinn aus dem Swap ausgeglichen wird. Für GS ist dies ein nahezu risikoloses Geschäft, an dem sie über Gebühren verdienen.
Die Stimmrechtsmeldung über verliehene Wertpapiere zeigt also nicht zwingend, dass jemand auf fallende Kurse wettet. Sie zeigt vielmehr an, dass ein oder mehrere Kunden von GS über Derivate auf die Aktie setzen und GS diese Wetten im Hintergrund durch das Halten der echten Aktie absichert.