wagstefan, deine Euphorie in allen Ehren, aber selbst in den letzten guten Zeiten von Solar (2010) wurden den China-Solaris kein höheres KGV von 7 bis 9 zugestanden. Selbst eine First Solar, damals und noch heute die Solar Cash Cow schlechthin, hatte gerade mal höchstens ein 18er KGV erreicht. Aktuell wird First Solar mit einem 2014er KGV von 15 bewertet.
Dass einem China-Solaris nach dem die Strukturkrise endgültig abgeschlossen ist, wohl in 2015 in den Ergebnissen voll sichtbar, wird es wohl auch keine KGV-Bewetung über 10 geben. So lange Solar auf staatliche Unterstützung angewiesen ist, so lange wird das auch wohl so bleiben. Mal abgesehen davon, dass die Bilanzen der Großteil der China-Solaris mit Eigenkapitalquoten von unter 20% eh schon einen Bewertungsabschlag bekommen und alle chinesischen Unternehmen in der westlichen Welt sehr skeptisch betrachtet werden, was automatisch zu Bewertungsabschlägen führt.
Nicht zu vergssen jede KGV-Betrachtung bzw. Gewinnschätzungen auf Solarunternehmen sind sehr großen Unsicherheiten unterworfen sind. Stichwort: Modulpreisentwicklung und die kann kein Mensch auf Sicht von 6 Monaten richtig einschätzen, aber genau die entscheidet über das Wohl und Wehe der Gewinne. Auch die Fertigungskosten sind ja aktuell nicht sehr leicht abzuschätzen. Der Polysiliziumpreis ist im Dezember auf ein 52-Wochenhoch mit knapp 20 $/kg gestiegen !! Damit liegen sie aktuell 25% höher wie im Juni/Juli. Große Frage ist jetzt, ist das nur temporär oder wirds weiter hochgehen. Zudem kann man wohl davon ausgehen, dass Silber nicht ewig bei Kursen von unter 20 $/Unze bleiben wird.
Es wird meiner Meinung nach für Jinko und Co verdammt schwierig werden ihre Fertigungskosten in diesem Jahr deutlich senken zu können.
Ist halt alles gar nicht so einfach. Auch sollte man nicht vergessen, dass viele China-Solaris deshalb ihre Bruttomragen in Q3 unerwartet gut steigern konnten, weil in China die Modulpreise um rd. 10% gestiegen sind. Sollten in China die Modulpreise wieder unter 0,60 $/W fallen, dann werden auch bei den China-Solaris die Bruttomargen wieder fallen. Wobei aber es derzeit nicht so aussieht, denn Yingli hat in dieser Woche vermeldet, dass in Q1 nur noch mit einem kleinen Nettoverlust zu rechnen ist. Damit scheinen in China die Modulpreise sogar noch leicht gestiegen zu sein.
Noch was zu dem Gewinn VOR Sonderfaktoren in Q3 mit 1,46 $ je Aktie. Nicht nur weil wagstefan das erwähnt hat, sondern weil ich das jetzt schon öfters gelesen habe. Diese 1,46 $ sind halt mal nur die halbe Wahrheit, denn zu dem negativen Sondereffekt, der in diesen 1,46 $ rausgerechnet wurde, gab es in Q3 auch positive Sondereffekte und die sind in den 1,46 $ nicht mit drin. Nur wenn man diese miteinbezieht, dann kommt man auf ein sauber bereinigtes und aussagefähiges Q3-Ergebnis.
Negativer Sondereffekt: Zeitwertverluste bei ihren Call-Capps zur Wandelanleihe von 14,5 Mio. $
Postiver Sondereffekt: 4,6 Mio. $ durch Auflösung von Rückstellungen für Lieferantenforderungen
Positiver Sondereffekt: Hedge-Währungsgewinne von 3,4 Mio. $
Damit haben wir ein Sondereffektsaldo von nur noch 7,5 Mio. $ anstatt den 14,5 Mio. $. Das wäre dann ein bereinigter Nettogewinn von 24,4 Mio. $ (ausgewiesen 16,9 Mio. $) bzw. ein bereinigtes EPS von 1,04 $ (ausgewiesen 0,72 $). Also 0,42 $ weniger als der Gewinn VOR Sonderfaktoren mit 1,46 $ je Aktie bzw. das Non-GAAP Ergebnis. Damit ist aber noch nicht Schluß, denn innerhalb Q3 gab es ja die Kapitalerhöhung. Deshalb wurden in Q3 nur 23,5 Mio. Aktien in die EPS-Berechnung miteinbezogen, da das der gewichtetet Aktienanzahlwert in Q3 war. Ab Q4 werden dann aber alle Jinko-Aktien bei der EPS-Berechnung berücksichtig und das sind halt mal mittlerweile 26,3 Mio. Aktien und keine 23,5 Mio. mehr. Wenn das jetzt miteinbezogen würde, dann würde das bereinigte Q3 EPS-Ergebnis bei nur noch 0,93 $ je Aktie liegen.
Genau wegen diesen Ausführungen ist eine Hochrechnung auf diese 1,46 $ Gewinn je Aktie VOR Sonderfaktoren alles andere als zielführend.
Es ist alles gar nicht so einfach und wenn ich Kursziele von über 160 $ lese, dann muss ich langsam aber doch mein Jinko-Invest hinterfragen. Es scheint ja so zu sein, dass mittlerweile in Jinko verdammt viele drin sind die meinen Jinko sei eine reine Gelddruckmaschine und Risiken gibt es keine ganz nach dem Moto "The Sky ist the Limit". Das kann eigentlich für eine Aktie alles andere als gut sein.
Nicht falsch verstehen, ich bin nach wie vor sehr optimistisch zu Jinko, aber man sollte dann schon auch auf dem Teppich bleiben und nicht alle Risiken komplett ausblenden, denn Risiken gibt es nach wie vor und nicht zu wenige.