Der berüchtigte September Happy End 09.09.02 10:48
An der Börse gibt es gute und schlechte Monate. Die größten Kursabschläge werden traditionell im September verbucht. Dennoch sollten Anleger jetzt nicht überstürzt ihr Depot räumen.
Der berüchtigte September hat sich in diesem Jahr bereits drehbuchgerecht in Szene gesetzt: Am ersten Handelstag in den USA fielen die Kurse fast aller Aktien, so dass die Indizes nahezu weltweit mit Tagesverlusten von drei bis zu fast fünf Prozent schlossen. Die Börse in Tokio fiel sogar auf den Stand von 1983 zurück.
Wie früher im wilden Westen waren auch diesmal die üblichen Verdächtigen schuld: Der September hat ohnehin einen schlechten Ruf als schwacher Börsenmonat. Der Oktober hat auch einen schlechten Ruf, aber zu Unrecht. Dazu kommen diesmal einige psychologische, aber auch konjunktur- und unternehmensspezifische Faktoren.
Der 11. September 2001 hat sich tief in das Bewusstsein vor allem der Amerikaner eingegraben als das Datum einer zuvor unvorstellbaren Katastrophe. Nun fürchtet jeder, dass am 11. September 2002 auch wieder ein Unglück über die Welt hereinbricht. Dies könnte eine Verschärfung der Spannungen im Nahen Osten sein oder auch ein aufziehender Krieg gegen den Irak mit unabsehbaren Folgen für das zerbrechliche Gleichgewicht der Kräfte im Nahen Osten und deshalb die Ölversorgung der Industrieländer.
Auch die Konjunktur lahmt
Konjunkturell geht es auch nicht so voran, wie man es aus früheren Aufschwungphasen gewohnt war; ein Wirtschaftswachstum von einem Prozent im zweiten Quartal in den USA und noch weniger in Europa ist nicht hausseträchtig. Die Berichte der Unternehmen über das erste Halbjahr liegen jetzt alle vor und bestätigen zwar die Erholung der Weltwirtschaft, lassen aber wenig Euphorie für die nähere Zukunft erkennen.
Georg Thilenius, Vermögensverwalter aus Stuttgart, analysiert regelmäßig ausgewählte Wertpapiere bei manager-magazin.de. Einen Überblick über seine Kolumnen finden Sie hier.
In dieser Lage ist es angebracht, einmal die Zahlen genau anzusehen. Trost und Rat aus der Statistik können ja auch Wegweiser für die Zukunft sein. Die in Statistik versierten Amerikaner haben nun genau nachgerechnet und herausgefunden, dass die Indizes in den letzten 50 Jahren (seit 1971 für die Nasdaq) im September einen Rückgang um durchschnittlich 0,8 Prozent brachten.
Wer jetzt nicht investiert ist, sollte warten
Damit ist der September tatsächlich der schlechteste Monat. Die besten Monate sind November mit einem Plus von 1,64 Prozent, Dezember mit einem Plus von 1,82 Prozent und Januar mit einem Plus von 1,52 Prozent. Die anderen Monate, auch der berüchtigte Oktober, sind ohne klare Richtung. Die oft angeführten Gründe, wie Bilanzkosmetik zum Jahresende, geben wenig Aufschluss über die Gründe der Bewegungen.
Das bedeutet für den Investor, in Aktien engagiert zu bleiben in der Hoffnung, dass der Verlust des September 2002 nur so hoch ausfällt wie in der Statistik. Denn dann lohnt sich das Verkaufen in der Hoffnung eines billigeren Rückkaufes schon wegen der Transaktionskosten nicht.
Wer nicht investiert ist, sollte aus Sicherheitsgründen bis zum Monatsende oder lieber bis Ende Oktober mit einem Einstieg warten. Dann hat er jedenfalls die Statistik auf seiner Seite, die Gewinne bis Ende Januar verheißt.