Kosten der Freiheit (1)
5. August, "Tageszeitung":
Einer neuen Umfrage zufolge würden heute 68 Prozent der polnischen Bauern lieber heute als morgen zum Sozialismus zurückkehren. Auch die Gesellschaft insgesamt ist gespalten: 13 Jahre nach der Wende leben nur 42 Prozent der Polen lieber im heutigen Polen denn in dem der Giereks, Kanias und Jaruzelskis. 39 Prozent sehnen sich zurück. 19 Prozent sind unentschieden.
Kosten der Freiheit (2)
8. August, "Zeit",
Das düstere Stimmungstief im früheren Musterland der Wende, das in Bälde der sechstgrößte Staat der EU sein soll, bestätigen alle Meinungsforscher. Die Frage, ob Polen auf dem rechten Weg sei, beantworten drei von vier Bürgern mit Nein. Zwei von drei Polen sind überzeugt, daß sie in der EU nur Bürger zweiter Klasse sein werden ... Die Arbeitslosigkeit steigt gegen 20 Prozent, unter den Jugendlichen erreicht sie schon 40 Prozent. Mit Förderungsmaßnahmen kann diese Generation vorerst nicht rechnen ... Durch die Nation geht ein immer breiterer Riß zwischen den Wendegewinnern der Großstädte und verarmten Provinzen. Bauern und Landarbeiter sind die Parias des neuen Polen - verelendet auf den bankrotten Staatsfarmen im Nordosten, verdrängt aus ihren winzigen privaten Existenzen im Südosten, untergebuttert von subventionierten EU-Produkten ... "Viele Bauern erinnern sich mit Wehmut an die goldenen siebziger Jahre", sagt der Landrat, "als sie ein Haus bauen und sich sogar ein Auto leisten konnten."
Kosten der Freiheit (3)
9. August, "Le Monde diplomatique":
Zehn Jahr nach der Verabschiedung der Agenda 21 (auf dem Umweltgipfel von Rio) hat sich die Lage in vielen Bereichen nicht verbessert ..., die Einkommensunterschiede haben ein seit der zeit der Pharaonen nicht mehr bekanntes Maß erreicht. Das Vermögen der drei reichsten Personen der Welt übersteigt im Wert den kumulierten Besitz der Bevölkerung der 48 ärmsten Länder. Die Verschmutzung der Biosphäre durch die reichen Länder hat weiter zugenommen.
Die etwa 20 Prozent der Weltbevölkerung, die in den 30 höchstentwickelten Ländern leben, produzieren und verbrauchen 85 Prozent der synthetischen Chemieerzeugnisse, 80 Prozent der nicht erneuerbaren Energien und 40 Prozent des weltweit verfügbaren Süßwassers, während sie pro Kopf zehnmal so viel Treibhausgase in die Atmosphäre pusten wie die Menschen in den Entwicklungsländern ... Mehr als eine Milliarde Menschen haben nach wie vor keinen Zugang zu Trinkwasser, und fast drei Milliarden Menschen - die Hälfte der Menschheit - müssen mit qualitativ minderwertigem Wasser auskommen. Verschmutztes Trinkwasser kostet täglich 30.000 Menschen das Leben, Tag für Tag zehnmal mehr, als den verbrecherischen Attentaten vom 11. September 2001 zum Opfer fielen.