Ausschlaggebend für den erneuten Preisanstieg war die Meldung, wonach die US-Erdölvorräte auf dem niedrigsten Niveau seit 1975 liegen. Grund dafür ist der strenge Winter in den USA. Auch in anderen Industriestaaten sind die Ölreserven auf Tiefstände gesunken. Darüber hinaus befürchten Öl-Händler, dass ein Irak-Krieg den Nachschub aus dem Mittleren Osten reduzieren könnte. Zu geringe Öllieferungen aus Venezuela nach dem Generalstreik im Land verknappen das Angebot weiter.
An der New Yorker Terminbörse verteuerte sich der April-Kontrakt um fast fünf Prozent auf fast 38 Dollar. Das ist der höchste Stand seit zwölf Jahren. In den vergangenen zwei Tagen war der Ölpreis um gut sieben Prozent in die Höhe geschossen. In den letzten zwölf Monaten waren es 81 Prozent.
Die Ölreserven der USA fielen den jüngsten Daten zufolge auf 271,9 Mio. Barrel (ein Barrel = 159 Liter). Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sind dies 14 Prozent weniger. Damit sind die Lagerbestände nahe dem Minimum, das erforderlich ist um die Raffinerien der weltgrößten Volkswirtschaft in Betrieb zu halten. Die USA, in denen weniger als drei Prozent der Weltbevölkerung leben, verbrauchen ein Viertel der jährlichen Fördermenge. In den Industriestaaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), liegen die Ölreserven nach Angaben der Internationalen Energie-Agentur 125 Mio. Barrel unter dem „Normalstand“. Während des Golfkriegs 1991 hatten sie um die gleiche Menge darüber gelegen.
Der Anstieg der Ölpreise sei in erster Linie politisch getrieben, sagte der Rohstoffexperte der Dresdner Bank, Wolfgang Wilke. „Die Märkte sind zurzeit paralysiert.“ Es seien weitere Höchststände denkbar. Zugleich zeigten die Terminmärkte, dass die Marktteilnehmer auf Sicht von einem Jahr mit einem Zusammenbrechen des Ölpreises rechnen. Direkt nach Beginn des letzten Irak-Kriegs 1991 war der Ölpreis binnen Minuten um 20 Dollar gefallen.
Opec-Generalsekretär Alvaro Silva-Calderon sagte in Wien, das Kartell könne bei Bedarf bis zu vier Mio. Barrel täglich zusätzlich auf den Markt bringen.