Früher richtete sich der Kalender nach dem Mond. Auch die Wochentage waren auf den Lauf des Mondes abgestimmt. Bei Neumond, zunehmendem Halbmond, Vollmond und abnehmendem Halbmond war immer ein Sonntag. Ein- bis zweimal im Monat gab es dann, meist in der Vollmondzeit, noch zusätzliche Feiertage, um den Lauf der Woche in Einklang mit dem Lauf des Mondes zu bringen. Immer wenn der Mond in eine neue Phase trat, war Montag (Mond-Tag). In der alten Zeit waren die Feiertage, die freien Tage, im Einklang mit dem Mondlauf – auch die Erfahrungen von Empfänglichkeit und Zeugung waren ausschlaggebend für die zeitliche Festlegung der Feiertage. So feiern die Inder ihr Holifest im Monat Caltra – am gleichen Tag wie die Juden ihr Passahfest, am 14. des Monats Nissan, dem Vollmond nach Frühlingsanfang, am Frühlingsvollmond im März oder im April. Da steht die Sonne im Zeichen des Widders und der Mond im Zeichen Waage.
Das höchste Fest der Christenheit, das Fest der Auferstehung, Ostern, wird jedoch in der römisch-katholischen Kirche wie auch bei den reformierten und protestantischen Christen stets bei abnehmendem Mond gefeiert, denn im Jahre 325 auf dem Konzil von Nikäa wurde beschlossen, daß Ostern am ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond (erster Vollmond nach dem 21. März) zu feiern sei. Fällt also der Vollmond auf den 20. März – der Frühling beginnt öfters auch schon am 20. und nicht erst am 21. März – so wird Ostern erst Ende April gefeiert, das heißt, über einen Monat zu spät.
Weiter wurde auf dem Konzil beschlossen: Wenn der Frühlings-Vollmond auf einen Sonntag falle, dann sei Ostern eine Woche später zu feiern, damit man nicht am gleichen Tag wie die Juden feiern muß, denn die Juden feiern ihr Passahfest am Frühlingsvollmond. Diese Regel gilt bis zum heutigen Tag. Hiermit zeigt die „Führung“ der christlichen Kirchen jedem, der sehen kann, daß die offizielle Kirche seit Langem nicht mehr im Einklang mit dem Lauf der Dinge ist.
Die bedeutendste christliche Meditation ist das Fest der Auferstehung – Ostern. Durch die Regel des Konzils zu Nikäa wird dieses Fest jedoch stets bei abnehmendem Mond gefeiert, astrologisch zu einer Zeit der Minderung der sexuellen und vitalen Energien. Auf Dauer hat das seine zwingenden Folgen: das Zölibat (Ehelosigkeit für Priester und Nonnen) – denn die natürlichen Sternenrhythmen prägten auch weiterhin die Zeremonien und ihre Auswirkungen auf die katholische Kirche, ungeachtet ihrer eigenwilligen Beschlüsse auf dem Konzil. Der katholische Klerus darf sich nicht mehr vermählen und keine Kinder mehr zeugen und ist damit vom schönsten Ritual, dem lebensspendenden Fest der Liebe, ausgeschlossen. Die Geschichte hat gezeigt, in welch widerliche und grausame Richtungen das ausarten kann – man denke nur an die Inquisition! Wie weit ist die Kirche da von den biblischen Geboten abgekommen, heißt es doch: „Seid fruchtbar und mehret euch!“ und auch „Du sollst nicht töten!“
Dies ist ein abschreckendes Beispiel dafür, wohin die Wege führen, wenn man die kosmischen Gesetze missachtet. Darum ist es ratsamer, sich an der Natur als an irgendwelchen Dogmen oder Paragraphen zu orientieren. So heißt es in dem Buch der Sitte des Li Gi : „Die Musik ist die Harmonie von Himmel und Erde. Die Sitte ist die Stufenfolge von Himmel und Erde. Durch Harmonie verwandeln sich alle Dinge. Die Musik hat ihren schöpferischen Ursprung im Himmel, die Sitten formen sich nach der Erde. Wenn der Formungen zuviel werden, so entsteht Verwirrung; wenn des Schöpferischen zuviel wird, so entsteht Gewalt. Nur wenn man Himmel und Erde klar erkennt, dann vermag man Sitte und Musik zur Blüte zu bringen.“
Zitat aus: Hans Cousto: Die Oktave – das Urgesetz der Harmonie; Planeten, Moleküle, Atome, Töne und Farben; Kräte innerer Schwingungen, Simon + Leutner, erweiterte Neuausgabe, Berlin 2007, S. 74 f.