Heftige Debatten um mögliche Zinssenkungen


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sir charles:

Heftige Debatten um mögliche Zinssenkungen

 
08.08.02 09:48
Heftige Debatten um mögliche Zinssenkungen

Die Furcht vor einem Konjunktureinbruch könnte die Europäische Zentralbank zur geldpolitischen Lockerung zwingen.


FRANKFURT/NEW YORK (ag.). Senkt die US-Notenbank Fed noch in diesem Jahr die Zinsen? Die Meinungen der Aktienstrategen zu diesem Thema gehen nach wie vor weit auseinander. Die meisten erwarten zumindest für die kommende Sitzung am Dienstag, 13. August, noch keinen Zinsschritt: Eher wird davon ausgegangen, das die Fed zwar erstmals wieder von verstärkten Konjunkturgefahren bei der Abwägung der Risiken sprechen - aber noch nicht handeln wird.

Auch in Europa setzen die Finanzmärkte zunehmend auf eine Zinssenkung; unter Volkswirten grassiert die Furcht vor einem Konjunktureinbruch, der die EZB zur geldpolitischen Lockerung zwänge. Doch der Tanker EZB wird nach Einschätzung der Analysten allenfalls langsam den Kurs ändern. Einen kleinen Schwenk erwarten die Analysten für heute, Donnerstag: Im EZB-Monatsbericht werde die Bank von ihrer optimistischen Wachstumserwartung abrücken. Die EZB könne nicht länger dabei bleiben, daß die Wirtschaft des Euroraums im letzten Quartal 2002 mit einer aufs Jahr hochgerechneten Rate von bis zu 2,5 Prozent wächst, so Analysten.


Führende deutsche Ökonomen haben die EZB bereits aufgefordert, die Leitzinsen zu senken. "Dies würde die Nachfrage ankurbeln", sagt etwa Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank. Auch Politiker riefen die EZB laut "Financial Times" zur Konjunkturstützung auf. "Ich sehe einen gewissen Spielraum für die EZB nach unten", sagt Rainer Wend, wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD.

Skeptiker einer Fed-Zinssenkung noch heuer begründen ihre Haltung mit dem Zustand der US-Wirtschaft. "Alan Greenspan wird sein Pulver nicht so leicht verschießen", sagt Christian Stocker von HVB Equity Research. Die realwirtschaftlichen Impulse dürften sich angesichts des bereits niedrigen Zinsniveaus in Grenzen halten. "Ob die Fed Funds Rate nun 1,75 Prozent oder 1,50 Prozent beträgt, der Unterschied wird keinen Unternehmer zu einer Investition bewegen", sagt Günter Dielmann von Gebser & Partner.



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Pichel:

Alan wirds schon richten!

 
08.08.02 19:20
Schon wieder soll es Fed-Chef Alan Greenspan alleine richten
s Wieder einmal wird Amerikas Geldwächter Alan Greenspan großes psychologisches Einfühlungsvermögen in die
Finanzmärkte abverlangt. Nach einer Serie von negativen US-Konjunkturdaten wird die Sitzung des Offenmarktausschusses
der US-Notenbank (FOMC) am kommenden Dienstag alles andere als Routine sein. Waren bisher die meisten
Auguren von einem unveränderten Zinsniveau bei 1,75% für Tagesgeld ausgegangen, so schürten dieser Tage namhafte
US-Brokerhäuser wie Goldman Sachs und Lehman Brothers mit spektakulären Prognosen die Zinsfantasie. Beide
Institute sehen einen Spielraum für Zinssenkungen bis zum Jahresende auf 1,0% für Federal Funds (Tagesgeld). Das
dürfte auch das Maximum sein, mit dem die Fed einer eventuell bevorstehenden Double-Dip-Rezession begegnen kann.
Die Konjunkturzahlen eines Monats werden die amerikanischen Notenbanker sicherlich nicht in eine solche Panikstimmung
versetzen, wie sie zuletzt an den Börsen herrschte. Dennoch wird die Zinsfrage bei der FOMC-Sitzung aggressiv
angegangen werden müssen. Nach dem Platzen der Internet- und Technologieblase scheint jetzt nämlich auch
die Old Economy, insbesondere das verarbeitende Gewerbe, von einem Konjunkturrückschlag getroffen zu werden. Um
so mehr gilt es, den amerikanischen Verbraucher in Konsumlaune zu halten. Dabei schlagen Zinssenkungen der Fed auf
die meist kurzfristig finanzierten Kredite (Kreditkarten, Ratenkredite, Hypotheken) direkt durch.
Eine Zinssenkung wird auch darauf abzielen, die unter Anlegern reichlich vorhandene Liquidität (Geldmarktfonds)
in die Finanzmärkte zurückzuschleusen. Stark verschuldeten US-Unternehmen hilft sie ebenfalls. Dies gilt nicht nur für

den direkten Schuldendienst, sondern erleichtert dem Management auch den Entschluss zu neuen Investitionen. Von
solchen Anreizen sollte die gebeutelte Technologie- und Softwarebranche besonders profitieren.
Die Gelegenheit für einen Zinsschritt besteht durchaus. Denn spätestens seit der Anhörung Greenspans vor dem Bankenausschuss des US-Senats Mitte vergangenen Monats ist klar, dass die Fed intern ihr Bias, mit dem sie künftige
Zinsänderungen vorbereitet, auf fallende Zinsen ausgerichtet hat. Greenspan betonte schon damals, dass die Fed solange
eine lockere Geldpolitik beibehalten werde, bis sich der Wirtschaftsausblick verbessert.
Spätestens seit der Serie von massiven Zinssenkungen in 2000/2001 ist Greenspan als Mann des schnellen und tatkräftigen
Handelns bekannt. Sieht er über Monatsergebnisse hinaus eine negative Trendwende für die US-Wirtschaft, so
würde selbst eine Zinssenkung um einen halben Prozentpunkt auf dann nur noch 1,25% nicht überraschen. Auf jeden
Fall wird der Zinsbeschluss so ausfallen, dass er zweierlei bewirkt: 1. Die Zinsfantasie bleibt den Märkten auch künftig
erhalten. 2. Der labilen Konjunktur wird die sehnlichst erwartete Wende leichter gemacht.

Gruß Heftige Debatten um mögliche Zinssenkungen 745466
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