Schwierige Woche, aber nicht negativ
Hans Bernecker: Schwierige Woche, aber nicht negativ
Mails/Nachrichten vom 15.07.2002, Bernecker & Cie.
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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
wir starten in eine schwierige Woche, doch dies ist keineswegs negativ zu verstehen, sondern eher im Sinne von ungewöhnlich interessant. Jeweils ein Drittel aller Firmen, deren Aktien im S&P 500 bzw. im Nasdaq geführt werden, legen die Halbjahresergebnisse vor. Die Liste aller Schätzungen der Analysten liegt vor mir. Wenn ich mir einen ersten Überblick erlaube: Besser als erwartet und von vielen vorausgesagt. Bitte, es sind Schätzungen, aber sie sind auch eine Orientierung. Ich komme in den nächsten Tagen darauf noch zurück. Wichtig für Sie:
Gibt es eine massive oder groß angelegte Schockmeldung? Danach sieht es im Moment nicht aus. Ich rechne gleichwohl damit, daß der eine oder andere CEO größten Wert darauf legt, in diese Halbjahreszahlen alles hineinzupacken, was irgendwie verdächtig erscheint. Das wiederum ist nicht zu unterschätzen. Anschließend ist die Luft rein oder wenigstens gesäubert. Die Vorausschätzungen für das 3. und 4. Quartal hatte ich in der letzten AB schon in der Grafik dargestellt.
Das eingeknickte Verbrauchervertrauen (Universität Michigan) von 92,4 auf 86,5 Punkte ist störend. Hier beginnt sich der Vermögensverlust in Wertpapieren auf das Konsumverhalten abzufärben. Eine Zahl für einen Monat akzeptiere ich dafür natürlich nicht. Jedenfalls empfehle ich, diesen Sachverhalt jetzt sorgfältiger zu verfolgen. Denn auch darin liegt wieder eine Irritation in der Meinungsbildung. Meine kennen Sie: Das sehr robuste amerikanische Konsumverhalten läßt wesentliche Steigerungen einfach nicht zu. Dies auf die US-Konjunktur zu übertragen, ist deshalb nur mit Einschränkung möglich. Entscheidender für die amerikanische Konjunkturtendenz ist die Dynamik der Investitionen, obwohl deren Anteil am BIP viel kleiner ist. Darauf komme ich demnächst in der AB noch zurück.
Gehen Sie in diese Woche mit einiger Zuversicht. Ein paar Beispiele: EATON wird voraussichtlich 1,20 nach 0,94 $ je Aktie melden. EATON kennen Sie von meinen Empfehlungen. APPLE schneidet mit 9 Cents gegenüber 17 Cents je Aktie relativ gut ab. MOTOROLA hat nur noch 4 Cents Verlust nach 11 Cents gemacht. FORD wird übrigens mit 26 Cents Gewinn abschließen gegenüber 30 Cents Verlust. DANA kommt mit 43 nach 17 Cents Gewinn und DELPHI mit 39 nach 29 Cents. GENERAL DYNAMICS meldet 1,27 nach 1,12 $ und NORTHROP GRUMMAN 1,46 nach 1,28 $. Das gleiche gilt für UNITED TECH mit 1,20 nach 1,16 $, COCA-COLA mit 52 nach 45 Cents je Aktie, aber IBM wird auf 0,84 nach 1,15 $ je Aktie absinken. Dafür ist diese Aktie aber schon „bestraft“.
Aus dem Nasdaq können Sie mit Folgendem rechnen: Eine gravierende Verschlechterung der Erträge registriere ich nicht. Eigentlich sind es nur noch Marginalien. So ATMEL mit 5 Cents Verlust je Aktie nach 0 Cents oder PMC-SIERRA mit unverändert 8 Cents Verlust. SUN MICROSYSTEMS wird 1 Cent Gewinn je Aktie ausweisen nach 4 Cents vorher. Also auch hier: Kleinere Korrekturen, die im Wesentlichen darauf hinauslaufen, daß die Firmen ihre Hausaufgaben gemacht haben: Reduzierung der Kosten und Anpassung an das durchweg kleinere Geschäftsvolumen. Dem haben die Kurse schon weitgehend entsprochen.
Die Liste der Shortpositionen zeigt in die gleiche Richtung. Ich registriere deutlich abnehmende Shortpositionen bei CATERPILLAR, MERCK, PHILIP MORRIS, GENERAL ELECTRIC (um 25 %), COCA-COLA um 27,8 %, AMERICAN EXPRESS um 32 % und HEWLETT PACKARD um 33 %. Neu aufgebaut wurden solche in IBM um 27 % und DUPONT um 23 %, jeweils im Monatsvergleich. Fast verdoppelt haben sich die Shortpositionen übrigens in EXXON, und zwar um 106 %.
Im Nasdaq nahmen sie um 47 % bei MOTOROLA und NATIONAL SEMICONDUCTORS zu, soweit es die Werte betrifft, die ich gewöhnlich kommentiere. Auch TEXAS INSTRUMENTS zeigt + 27 %. Dies lediglich als kleiner Ausschnitt. Insgesamt jedoch: Die Summe aller Shortpositionen hat sich um etwa 8 % reduziert.
In Deutschland läuft das Sommertheater bei DEUTSCHE TELEKOM weiter. In der Tat: Dem Kanzler ist alles zuzutrauen. Seine Art, schnell und überraschend aus der Hüfte zu schießen, imponiert so manchem. Ob dies der richtige Weg ist, die Problematik bei DT. TELEKOM zu lösen, lasse ich offen. Gleiches gilt für den rechtlich völlig offenen versuchten Eingriff bei DT. POST in Sachen Porto. Beides sind höchst durchsichtige Wahlmanöver, die an Unseriosität grenzen. Das muß festgestellt werden. Natürlich hat das längerfristig mit beiden Kursen nicht viel zu tun, aber bis zum 22.9. sehr wohl. Anschließend kehren wir zur Realität zurück. Ich wage sogar eine noch frechere Vermutung: Ich wäre nicht überrascht, wenn von interessierter Seite daran gearbeitet wird, den TELEKOM-Kurs bis zum Wahltag noch um einige Euro hochzuziehen. Dazu besteht jederzeit Spielraum und Masse. Natürlich begründe ich darauf keine Empfehlung, aber so ganz aus der hohlen Hand schreibe ich Ihnen dies hier nicht.
Achten Sie in dieser Woche auf DAIMLERCHRYSLER. Die ersten Studien/Empfehlungen für neue Käufe registriere ich nicht nur in Deutschland, sondern auch im Ausland. UBS Warburg ist ebenso dabei wie zwei amerikanische Adressen. Am letzten Freitag bereits plus 3,4 %. Dabei im Gleichschritt mit BMW. Ich wäre nicht überrascht, wenn beide Aktien und möglicherweise VW in dessen Sog die Tendenz der nächsten Tage definieren.
Gehen Sie in diese Woche mit folgender Leitlinie: Der Donnerstag/Freitag hat eine untere Spitze für die Marktlage geschaffen, also eine sog. überverkaufte Konstellation. Dabei wirkte wohl auch der Einbruch bei SAP mit, die sich am Freitag allerdings schon wieder erholen konnten. In dieser Aktie beginne ich im übrigen langsam zu rechnen. Zu bemerken ist allerdings: Die Shortpositionen in SAP, die insbesondere in London lanciert wurden, sind umfangreicher geworden und noch nicht eingedeckt. Das höre ich zuverlässig direkt von der Quelle, die mir diese SAP-Attacke vor drei Wochen avisiert hatte. Ich hatte sie in der AB angekündigt. Also bitte nicht zu schnell handeln. Siehe dazu auch die nächste AB. Umgekehrt:
Der Kursrutsch von SCHERING hängt sachlich in der Luft. 53/54 E. sind ein Kauf, vielleicht sind auch 50/52 E. möglich, was ich nicht ausschließe. So ähnlich lief es in den letzten vier Wochen bei FMC mit Tief bei 42,90 E. und inzwischen 48,80 E. Ich habe mehrfach darauf Bezug genommen.
Mithin: Gehen Sie gelassen in diese Woche und prüfen Sie die Zahlen. Orientieren Sie sich nicht an neuen Einstufungen und unqualifizierten „Meinungen“, wie sie zur Zeit gern in einigen Medien verkauft werden. Wenn Magazine über 1929 schwatzen, ist das eine schöne Unterhaltung und ein wenig gruselig, aber von den Realitäten weit entfernt. Der DAX kann kurzfristig eine 3 als erste Zahl ausweisen. Die Range bleibt 3.850/4.000 als letzte Markierung.
Herzlichst Ihr
Hans A. Bernecker
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Hans Bernecker: Schwierige Woche, aber nicht negativ
Mails/Nachrichten vom 15.07.2002, Bernecker & Cie.
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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
wir starten in eine schwierige Woche, doch dies ist keineswegs negativ zu verstehen, sondern eher im Sinne von ungewöhnlich interessant. Jeweils ein Drittel aller Firmen, deren Aktien im S&P 500 bzw. im Nasdaq geführt werden, legen die Halbjahresergebnisse vor. Die Liste aller Schätzungen der Analysten liegt vor mir. Wenn ich mir einen ersten Überblick erlaube: Besser als erwartet und von vielen vorausgesagt. Bitte, es sind Schätzungen, aber sie sind auch eine Orientierung. Ich komme in den nächsten Tagen darauf noch zurück. Wichtig für Sie:
Gibt es eine massive oder groß angelegte Schockmeldung? Danach sieht es im Moment nicht aus. Ich rechne gleichwohl damit, daß der eine oder andere CEO größten Wert darauf legt, in diese Halbjahreszahlen alles hineinzupacken, was irgendwie verdächtig erscheint. Das wiederum ist nicht zu unterschätzen. Anschließend ist die Luft rein oder wenigstens gesäubert. Die Vorausschätzungen für das 3. und 4. Quartal hatte ich in der letzten AB schon in der Grafik dargestellt.
Das eingeknickte Verbrauchervertrauen (Universität Michigan) von 92,4 auf 86,5 Punkte ist störend. Hier beginnt sich der Vermögensverlust in Wertpapieren auf das Konsumverhalten abzufärben. Eine Zahl für einen Monat akzeptiere ich dafür natürlich nicht. Jedenfalls empfehle ich, diesen Sachverhalt jetzt sorgfältiger zu verfolgen. Denn auch darin liegt wieder eine Irritation in der Meinungsbildung. Meine kennen Sie: Das sehr robuste amerikanische Konsumverhalten läßt wesentliche Steigerungen einfach nicht zu. Dies auf die US-Konjunktur zu übertragen, ist deshalb nur mit Einschränkung möglich. Entscheidender für die amerikanische Konjunkturtendenz ist die Dynamik der Investitionen, obwohl deren Anteil am BIP viel kleiner ist. Darauf komme ich demnächst in der AB noch zurück.
Gehen Sie in diese Woche mit einiger Zuversicht. Ein paar Beispiele: EATON wird voraussichtlich 1,20 nach 0,94 $ je Aktie melden. EATON kennen Sie von meinen Empfehlungen. APPLE schneidet mit 9 Cents gegenüber 17 Cents je Aktie relativ gut ab. MOTOROLA hat nur noch 4 Cents Verlust nach 11 Cents gemacht. FORD wird übrigens mit 26 Cents Gewinn abschließen gegenüber 30 Cents Verlust. DANA kommt mit 43 nach 17 Cents Gewinn und DELPHI mit 39 nach 29 Cents. GENERAL DYNAMICS meldet 1,27 nach 1,12 $ und NORTHROP GRUMMAN 1,46 nach 1,28 $. Das gleiche gilt für UNITED TECH mit 1,20 nach 1,16 $, COCA-COLA mit 52 nach 45 Cents je Aktie, aber IBM wird auf 0,84 nach 1,15 $ je Aktie absinken. Dafür ist diese Aktie aber schon „bestraft“.
Aus dem Nasdaq können Sie mit Folgendem rechnen: Eine gravierende Verschlechterung der Erträge registriere ich nicht. Eigentlich sind es nur noch Marginalien. So ATMEL mit 5 Cents Verlust je Aktie nach 0 Cents oder PMC-SIERRA mit unverändert 8 Cents Verlust. SUN MICROSYSTEMS wird 1 Cent Gewinn je Aktie ausweisen nach 4 Cents vorher. Also auch hier: Kleinere Korrekturen, die im Wesentlichen darauf hinauslaufen, daß die Firmen ihre Hausaufgaben gemacht haben: Reduzierung der Kosten und Anpassung an das durchweg kleinere Geschäftsvolumen. Dem haben die Kurse schon weitgehend entsprochen.
Die Liste der Shortpositionen zeigt in die gleiche Richtung. Ich registriere deutlich abnehmende Shortpositionen bei CATERPILLAR, MERCK, PHILIP MORRIS, GENERAL ELECTRIC (um 25 %), COCA-COLA um 27,8 %, AMERICAN EXPRESS um 32 % und HEWLETT PACKARD um 33 %. Neu aufgebaut wurden solche in IBM um 27 % und DUPONT um 23 %, jeweils im Monatsvergleich. Fast verdoppelt haben sich die Shortpositionen übrigens in EXXON, und zwar um 106 %.
Im Nasdaq nahmen sie um 47 % bei MOTOROLA und NATIONAL SEMICONDUCTORS zu, soweit es die Werte betrifft, die ich gewöhnlich kommentiere. Auch TEXAS INSTRUMENTS zeigt + 27 %. Dies lediglich als kleiner Ausschnitt. Insgesamt jedoch: Die Summe aller Shortpositionen hat sich um etwa 8 % reduziert.
In Deutschland läuft das Sommertheater bei DEUTSCHE TELEKOM weiter. In der Tat: Dem Kanzler ist alles zuzutrauen. Seine Art, schnell und überraschend aus der Hüfte zu schießen, imponiert so manchem. Ob dies der richtige Weg ist, die Problematik bei DT. TELEKOM zu lösen, lasse ich offen. Gleiches gilt für den rechtlich völlig offenen versuchten Eingriff bei DT. POST in Sachen Porto. Beides sind höchst durchsichtige Wahlmanöver, die an Unseriosität grenzen. Das muß festgestellt werden. Natürlich hat das längerfristig mit beiden Kursen nicht viel zu tun, aber bis zum 22.9. sehr wohl. Anschließend kehren wir zur Realität zurück. Ich wage sogar eine noch frechere Vermutung: Ich wäre nicht überrascht, wenn von interessierter Seite daran gearbeitet wird, den TELEKOM-Kurs bis zum Wahltag noch um einige Euro hochzuziehen. Dazu besteht jederzeit Spielraum und Masse. Natürlich begründe ich darauf keine Empfehlung, aber so ganz aus der hohlen Hand schreibe ich Ihnen dies hier nicht.
Achten Sie in dieser Woche auf DAIMLERCHRYSLER. Die ersten Studien/Empfehlungen für neue Käufe registriere ich nicht nur in Deutschland, sondern auch im Ausland. UBS Warburg ist ebenso dabei wie zwei amerikanische Adressen. Am letzten Freitag bereits plus 3,4 %. Dabei im Gleichschritt mit BMW. Ich wäre nicht überrascht, wenn beide Aktien und möglicherweise VW in dessen Sog die Tendenz der nächsten Tage definieren.
Gehen Sie in diese Woche mit folgender Leitlinie: Der Donnerstag/Freitag hat eine untere Spitze für die Marktlage geschaffen, also eine sog. überverkaufte Konstellation. Dabei wirkte wohl auch der Einbruch bei SAP mit, die sich am Freitag allerdings schon wieder erholen konnten. In dieser Aktie beginne ich im übrigen langsam zu rechnen. Zu bemerken ist allerdings: Die Shortpositionen in SAP, die insbesondere in London lanciert wurden, sind umfangreicher geworden und noch nicht eingedeckt. Das höre ich zuverlässig direkt von der Quelle, die mir diese SAP-Attacke vor drei Wochen avisiert hatte. Ich hatte sie in der AB angekündigt. Also bitte nicht zu schnell handeln. Siehe dazu auch die nächste AB. Umgekehrt:
Der Kursrutsch von SCHERING hängt sachlich in der Luft. 53/54 E. sind ein Kauf, vielleicht sind auch 50/52 E. möglich, was ich nicht ausschließe. So ähnlich lief es in den letzten vier Wochen bei FMC mit Tief bei 42,90 E. und inzwischen 48,80 E. Ich habe mehrfach darauf Bezug genommen.
Mithin: Gehen Sie gelassen in diese Woche und prüfen Sie die Zahlen. Orientieren Sie sich nicht an neuen Einstufungen und unqualifizierten „Meinungen“, wie sie zur Zeit gern in einigen Medien verkauft werden. Wenn Magazine über 1929 schwatzen, ist das eine schöne Unterhaltung und ein wenig gruselig, aber von den Realitäten weit entfernt. Der DAX kann kurzfristig eine 3 als erste Zahl ausweisen. Die Range bleibt 3.850/4.000 als letzte Markierung.
Herzlichst Ihr
Hans A. Bernecker
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