Keine Euphorie, aber auch keine Angst
Hans Bernecker: Keine Euphorie, aber auch keine Angst
Mails/Nachrichten vom 25.07.2002, Bernecker & Cie.
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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
der 24.07.2002 war der Schlüsseltag des Jahres. Daran werden Sie sich noch lange erinnern. Da dieser Bericht telefonisch übertragen ist, formuliere ich in Kurzform:
1. Jetzt wissen Sie, wie eine Hedge-Baisse, ein Derivatenkollaps und eine Angst-Psychose zusammenwirken. Das ergab Weltrekorde: a) im Intraday-Swing, b) in den technischen Relationen und c) den exemplarischen Beleg für einen Ausverkauf statt eines Crashs.
2. Ohne FED-Interventionen hätte das Ganze wohl nicht funktioniert. Sie war gestern zum vierten Mal indirekt im Markt, und zwar über die Termine. Damit gelang der Intraday-Reversal, der ein guter Ansatz ist. Ich komme darauf noch zurück.
3. Die Gerüchte um einige Finanz-Adressen, die gestern die Runde machten, waren die Bestätigung meiner Vermutungen. Diese sind aber noch nicht 100%ig vom Tisch. Ich erwarte Folge-Informationen.
4. Die Rolle der Aufsichtsbehörden ist denkbar schlecht. Sie sind verantwortlich für geordnete Marktverhältnisse, aber erfüllen diese Aufgabe bislang in keiner Weise. Ohne Transparenz wird es auch in den kommenden Wochen nicht ganz einfach sein. Ich halte das für einen gefährlichen Strickfehler des ganzen Systems. Erschreckend naiv verhalten sich in dieser Sache die Medien. Zur Sache:
Was tun? Operieren Sie jetzt mit Augenmaß. Bitte keine Euphorie, aber auch keine Angst. Die wichtigsten Eckwerte sind:
1. Die Spitze des VDAX lag gestern bei 55,90 und damit exakt auf dem Intraday-Level vom September letzten Jahres. Faszinierend, obwohl ich kaum daran geglaubt habe. Aber es hat geklappt. Schauen Sie auch auf den amerikanischen Short Range Oscillator als Spiegelbild dazu. Siehe nächste AB.
2. Wie wird die Bodenbildung verlaufen? Anders als nach einem Crash in der Form hoher Volatilität über mehrere Wochen, woraus sich dann ein Boden bildet. Ich bemühe das alte Wort Tennisball-Effekt.
3. Kaufen Sie den Markttrend. Wenn möglich an einem schwächeren Tag, also die bekannten Zertifikate. Ein Ersteinstieg hatte ich am Montag letzter Woche angeraten, der zweite ist heute möglich. Ich verweise auf die entsprechenden Varianten. Das gilt sowohl für Frankfurt als auch für New York.
4. Die total abgestürzten Titel wie Allianz oder HypoVereinsbank rechtfertigen sofortige Käufe. Letztere bringen heute um 10.30 Uhr die Halbjahreszahlen. Es wird wichtig sein, in solchen Titeln mit mehreren Limits zu arbeiten. Damit fangen Sie die Volatilität auf.
5. Alte Positionen verbilligen? Durchweg ja, konzentrieren Sie sich auf die Titel, die Sie schon im Depot führen.
In New York gilt das gleiche. Ihr Augenmerk liegt bei 3 Sektoren: 1.) Chiptitel wie schon beschrieben. 2.) Hochkapitalisierte Titel wie IBM, GE, Microsoft und Intel, die gestern alle ein neues Tief erreicht hatten, welches ich als Restrisiko eingeschätzt hatte. Das müßte es gewesen sein. Also Intel bei knapp 17 Dollar, GE bei 23,77 Dollar und Microsoft bei 41,41 Dollar. Dazu bitte die früheren AB nachlesen. Wenn diese Kurse halten, wirkt das wie eine Korsettstange für alle anderen.
3.) In Banken investieren? Der Absturz von Citigroup auf 24,50 rechtfertigt Käufe bis 26. Gewinntaxe von 3,70 Dollar je Aktie per 2003 sind die Meßlatte. J.P. Morgan würde ich bei 19/21 ebenfalls akzeptieren. Die Anschuldigungen in Sachen Enron sind überzogen.
Gesamtmeinung: Operieren Sie jetzt mit Augenmaß, wie oben gesagt. Wegen der anhaltenden Volatilität rate ich zu schrittweisen Investments in den nächsten Tagen/Wochen. Maßstab bleibt stets, was ich unterstreiche: Die Zahlen müssen stimmen. Folgen Sie keinen Stories und sonstigen Sprüchen der Manager. Bis morgen.
Mit freundlichen Grüßen
Hans A. Bernecker
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Hans Bernecker: Keine Euphorie, aber auch keine Angst
Mails/Nachrichten vom 25.07.2002, Bernecker & Cie.
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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
der 24.07.2002 war der Schlüsseltag des Jahres. Daran werden Sie sich noch lange erinnern. Da dieser Bericht telefonisch übertragen ist, formuliere ich in Kurzform:
1. Jetzt wissen Sie, wie eine Hedge-Baisse, ein Derivatenkollaps und eine Angst-Psychose zusammenwirken. Das ergab Weltrekorde: a) im Intraday-Swing, b) in den technischen Relationen und c) den exemplarischen Beleg für einen Ausverkauf statt eines Crashs.
2. Ohne FED-Interventionen hätte das Ganze wohl nicht funktioniert. Sie war gestern zum vierten Mal indirekt im Markt, und zwar über die Termine. Damit gelang der Intraday-Reversal, der ein guter Ansatz ist. Ich komme darauf noch zurück.
3. Die Gerüchte um einige Finanz-Adressen, die gestern die Runde machten, waren die Bestätigung meiner Vermutungen. Diese sind aber noch nicht 100%ig vom Tisch. Ich erwarte Folge-Informationen.
4. Die Rolle der Aufsichtsbehörden ist denkbar schlecht. Sie sind verantwortlich für geordnete Marktverhältnisse, aber erfüllen diese Aufgabe bislang in keiner Weise. Ohne Transparenz wird es auch in den kommenden Wochen nicht ganz einfach sein. Ich halte das für einen gefährlichen Strickfehler des ganzen Systems. Erschreckend naiv verhalten sich in dieser Sache die Medien. Zur Sache:
Was tun? Operieren Sie jetzt mit Augenmaß. Bitte keine Euphorie, aber auch keine Angst. Die wichtigsten Eckwerte sind:
1. Die Spitze des VDAX lag gestern bei 55,90 und damit exakt auf dem Intraday-Level vom September letzten Jahres. Faszinierend, obwohl ich kaum daran geglaubt habe. Aber es hat geklappt. Schauen Sie auch auf den amerikanischen Short Range Oscillator als Spiegelbild dazu. Siehe nächste AB.
2. Wie wird die Bodenbildung verlaufen? Anders als nach einem Crash in der Form hoher Volatilität über mehrere Wochen, woraus sich dann ein Boden bildet. Ich bemühe das alte Wort Tennisball-Effekt.
3. Kaufen Sie den Markttrend. Wenn möglich an einem schwächeren Tag, also die bekannten Zertifikate. Ein Ersteinstieg hatte ich am Montag letzter Woche angeraten, der zweite ist heute möglich. Ich verweise auf die entsprechenden Varianten. Das gilt sowohl für Frankfurt als auch für New York.
4. Die total abgestürzten Titel wie Allianz oder HypoVereinsbank rechtfertigen sofortige Käufe. Letztere bringen heute um 10.30 Uhr die Halbjahreszahlen. Es wird wichtig sein, in solchen Titeln mit mehreren Limits zu arbeiten. Damit fangen Sie die Volatilität auf.
5. Alte Positionen verbilligen? Durchweg ja, konzentrieren Sie sich auf die Titel, die Sie schon im Depot führen.
In New York gilt das gleiche. Ihr Augenmerk liegt bei 3 Sektoren: 1.) Chiptitel wie schon beschrieben. 2.) Hochkapitalisierte Titel wie IBM, GE, Microsoft und Intel, die gestern alle ein neues Tief erreicht hatten, welches ich als Restrisiko eingeschätzt hatte. Das müßte es gewesen sein. Also Intel bei knapp 17 Dollar, GE bei 23,77 Dollar und Microsoft bei 41,41 Dollar. Dazu bitte die früheren AB nachlesen. Wenn diese Kurse halten, wirkt das wie eine Korsettstange für alle anderen.
3.) In Banken investieren? Der Absturz von Citigroup auf 24,50 rechtfertigt Käufe bis 26. Gewinntaxe von 3,70 Dollar je Aktie per 2003 sind die Meßlatte. J.P. Morgan würde ich bei 19/21 ebenfalls akzeptieren. Die Anschuldigungen in Sachen Enron sind überzogen.
Gesamtmeinung: Operieren Sie jetzt mit Augenmaß, wie oben gesagt. Wegen der anhaltenden Volatilität rate ich zu schrittweisen Investments in den nächsten Tagen/Wochen. Maßstab bleibt stets, was ich unterstreiche: Die Zahlen müssen stimmen. Folgen Sie keinen Stories und sonstigen Sprüchen der Manager. Bis morgen.
Mit freundlichen Grüßen
Hans A. Bernecker
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