Gute Zahlen, schlechte Zahlen aus den USA


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EinsamerSam.:

Gute Zahlen, schlechte Zahlen aus den USA

 
10.10.06 13:10
Vereinigte Staaten

Gute Zahlen, schlechte Zahlen

Am Freitag war es erst einmal vorbei mit der Rekordjagd des Dow Jones. Die überraschend schwachen Arbeitsmarktdaten signalisierten ein Abkühlen der Konjunktur in den Vereinigten Staaten, sagten Beobachter. Aktien stark konjunkturabhängiger Unternehmen wie des Baumaschinenherstellers Caterpillar und des Mischkonzerns General Electric gerieten deshalb unter Druck.

Auf den Rentenmärkten dagegen wurden die Arbeitsmarktzahlen ganz anders interpretiert: Die Zahl der neugeschaffenen Stellen sei zwar deutlich hinter den Prognosen zurückgeblieben, doch die leicht gesunkene Arbeitslosenquote und vor allem die Aufwärtsrevision des Vormonats deuteten auf einen robusteren Arbeitsmarkt als erwartet hin, hieß es. Die amerikanischen Anleihen gingen deshalb mit einem deutlichen Minus aus dem Handel. Die Abgaben könnten sich an den kommenden Handelstagen noch weiter fortsetzen, da der Markt nun die Chance einer Zinssenkung im ersten Quartal 2007 auspreise, hieß es weiter.

Deutlich weniger neue Stellen...

Tatsächlich sind die Daten zur Entwicklung des amerikanischen Arbeitsmarktes im September widersprüchlich ausgefallen. Eher enttäuschende Beschäftigungszahlen stehen einem überraschenden Rückgang der Arbeitslosenquote gegenüber, lautet das Fazit der Beobachter.

Wie das Arbeitsministerium berichtete, hat die Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft im September um nur 51.000 Stellen zugenommen. Volkswirte hatten dagegen einen Zuwachs um 125.000 prognostiziert. Zugleich wurde jedoch der Stellenaufbau im August von vorläufig 128.000 auf 188.000 nach oben revidiert. „Dies wiegt den niedrigeren Stellenaufbau im September fast vollständig auf“, sagte Heinrich Bayer von Postbank Research.

... aber die Arbeitslosigkeit sinkt

Ein ähnliches Muster sieht Bayer bei den Stundenlöhnen. Hier blieb der monatliche Anstieg mit 0,2 Prozent hinter den Erwartungen (plus 0,3 Prozent) zurück, der Anstieg im August wurde aber auf 0,4 Prozent (von 0,2 Prozent) nach oben revidiert. „Im Vorjahresvergleich stiegen die Löhne wie erwartet um 4,0 Prozent, und das ist der stärkste Zuwachs seit 2001“, erläuterte Bayer.

Rob Carnell von ING Financial Markets verweist darauf, daß die in der so genannten Haushaltsumfrage ermittelte Beschäftigung um 271.000 Stellen zugenommen hat, nachdem schon im August ein Plus von 250.000 verzeichnet worden war. In der Folge sank die auf dieser Basis berechnete Arbeitslosenquote auf 4,6 Prozent - den niedrigsten Stand im aktuellen Konjunkturzyklus.

Bausektor hält sich erstaunlich gut

Patrick Francke und Gerald Müller von der Commerzbank bewerten die Arbeitsmarktzahlen auf den zweiten Blick als gut. Dabei stellen die Commerzbank-Volkswirte die Entwicklung im Bausektor heraus, wo es trotz der konjunkturellen Abkühlung im Wohnungsbau nicht zu einem Stellenabbau, sondern zu einer Wanderungsbewegung in den gewerblichen Bau und per Saldo zu einem leichten Stellenaufbau gekommen ist. „Der niedrige Beschäftigungszuwachs im September täuscht. Der Arbeitsmarkt ist weiterhin robust“, lautet Frankes und Müllers Fazit.

Richard Iley von BNP Paribas dagegen sieht auch deutlich „bearishe“ Signale. So seien die besonders zyklischen Komponenten zum Teil deutlich gesunken. Im verarbeitenden Gewerbe gingen 19.000 Jobs verloren und im Einzelhandel 18.000. Die Zahl der Aushilfsjobs - ein Frühindikator für die Entwicklung des gesamten Arbeitsmarkts auf Sicht von sechs Monaten - sank um 11.000. Auch Iley räumt aber ein, daß sich die Beschäftigung im Bausektor, dem zyklischsten aller Bereiche, erstaunlich gut hält.

Futter für „Falken“ und „Tauben“

Der Datensatz bietet also sowohl zinspolitischen „Falken“ als auch „Tauben“ der Notenbank Fed Futter. Die Fed-Funds-Futures preisten am Freitag für die Oktober-Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) weiterhin einen unveränderten Leitzins von 5,25 Prozent ein.

Das legt nahe, daß die amerikanische Notenbank den Leitzins erst einmal nicht senkt. Vielleicht ist die unterschiedliche Reaktion der Aktien- und Rentenmärkte auf die Arbeitsmarktzahlen vor diesem Hintergrund doch nicht so erstaunlich, wie sie auf den ersten Blick scheint.

Für Anleger ist in Amerika derzeit wenig zu holen

Die Akteure am Aktienmarkt wünschen sich nämlich durchaus, daß die Konjunktur gebremst wird, denn eine zu hohe Inflation, die Zinserhöhungen bedeuten würde, wollen sie vermeiden. Doch die Bremsspuren dürfen nicht zu deutlich ausfallen, denn das würde die Gewinne der Unternehmen gefährden. Genau diese Angst lösten die Arbeitsmarktdaten offenbar aus. Für die Rentenmärkte dagegen fiel der Tritt auf die Bremse nicht kräftig genug aus. Die Hoffnung auf bald sinkende Zinsen war wohl verfrüht.

Folgt man dieser Logik, wächst die amerikanische Wirtschaft derzeit nur langsam, aber nicht so langsam, daß die Zentralbank eine Leitzinssenkung verantworten könnte. Das freilich läßt die nähere Zukunft nicht besonders rosig erscheinen: Die Zeiten satter Gewinnsteigerungen bei den Unternehmen sind wohl vorbei, was nichts Gutes für die Aktienkurse bedeuten sollte. Und für eine Wette auf steigende Kurse an den amerikanischen Bondmärkten ist es offensichtlich zu früh, weil die Leitzinsen so schnell nicht sinken werden. In den Vereinigten Staaten ist für Anleger derzeit wohl wenig zu holen.


Quelle: faz.net

Euer

   Einsamer Samariter

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