Internationaler Finanzmarktbericht
Großinvestoren fürchten Korrektur an den Aktienbörsen
Jetzt ist es mit den Sommerferien vorbei, und die Realität holt die Aktienmärkte wieder ein. Die ersten Großinvestoren warnen bereits, daß den Börsenkursen eine mehrmonatige Korrektur bevorstehen könnte. Am Freitag gaben mit Ausnahme des Nikkei in Japan fast alle Aktienindizes nach, darunter auch der Dax, der um 1,5 Prozent auf 4784 Punkte fiel.
Damit hat er die Linie von 4830 Punkten nach unten durchbrochen, warnen technische Analysten von Merrill Lynch. Die Linie stellt ihrer Meinung nach die Nackenlinie einer Schulter-Kopf-Schulter-Formation dar. Ein Rückfall unter diese Linie gilt bei technischen Analysten als Verkaufssignal.
Investoren setzen jetzt auf die Wahlen
Auch andere Warnhinweise aus der Charttechnik mehren sich. Wieviel man von technischer Analyse auch halten mag, so scheinen immer mehr Großinvestoren zu fürchten, daß die Börsen zu lange den steigenden Ölpreis als Negativfaktor für das Weltwirtschaftswachstum ignoriert haben und dies über eine Korrektur jetzt nachgeholt werden könnte.
Seit mehr als einem Jahr folgen die Börsen dem Argument, daß unsere Wirtschaft heute weniger ölintensiv produziert als früher, daß der Ölpreis real nicht so stark gestiegen sei wie in vorherigen Krisen und daß die Opec an den westlichen Märkten kräftig investiere - mithin daß alles halb so schlimm sei. Das Schreckgespenst der Inflation schien niemand mehr zu fürchten. Zudem setzen die Investoren jetzt auch auf die Wahlen, die die notwendigen Reformen bringen sollen (nicht nur in Japan, sondern vor allem auch in Deutschland). Da waren die Kurssteigerungen an den Börsen offenbar mehr als gerechtfertigt.
Ölpreis: Zusatzsteuer auf das Einkommen
Aber jetzt drückt der Schuh - oder eher der Ölpreis, dessen Richtung immer nur nach oben zeigt. Mitte vergangenen Jahres beruhigten die Analysten die Finanzmärkte damit, daß der Anstieg des Ölpreises kein Problem sei, weil er nur eine vorübergehende Erscheinung sei. Schlecht wäre es, wenn der Ölpreis dauerhaft auf dieser Höhe verharren würde. Damals lag der Ölpreis bei 40 Dollar. Wäre man konsequent, bedeutete dies, daß die Wirtschaft jetzt die Nachteile spüren müßte. Schließlich liegt der Ölpreis nicht mehr nur bei 40, sondern ist vergangene Woche auf stolze 68 Dollar gestiegen.
Und das ist es wohl auch, was die jüngsten Stimmungsbarometer anzeigen - gleichgültig, ob der enttäuschende Ifo-Index in Deutschland, der historisch erstaunlich mit dem Ölpreis korreliert, oder der Verbraucherindex der Universität von Michigan. Dieses Stimmungsbarometer war am Freitag so stark gefallen wie seit Februar 2004 nicht und signalisiert, daß den Amerikanern der hohe Öl- beziehungsweise Benzinpreis doch zu schaffen macht. Der Ölpreis wirkt über den hohen Benzinpreis wie eine Zusatzsteuer auf das Einkommen. Das schmerzt die Verbraucher vor allem in den angelsächsischen Ländern, in denen die Zentralbanken kontinuierlich die Zinsen angehoben haben wie in den Vereinigten Staaten und Großbritannien. Am Freitag betonte der amerikanische Notenbank-Gouverneur Alan Greenspan zudem, daß sich die Geldpolitik immer mehr an der extrem hohen Bewertung der Vermögenswerte ausrichten müsse. Dieser Punkt beschäftigt die Bank von England schon seit zwei Jahren.
Einstieg in die Sommerhausse verpaßt
Ein Beispiel: Eine Familie verschuldet sich und kauft ein Haus, dessen Wert über die Jahre stark steigt. Dieses hohe Vermögen und der höhere Lebensstandard verleiten die Familie bei niedrigen Zinsen dazu, sich höher und außerdem zu variablen Zinsen zu verschulden. Das Geld wird ausgegeben, der Konsum steigt. Um die Hauspreisinflation einzufangen, erhöhen die Notenbanken die Zinsen - wie in Großbritannien und Amerika geschehen. Plötzlich müssen die Familien höhere Zinsen zahlen - zusätzlich zu gestiegenen Benzin- und Heizölpreisen. In der Folge schränken sie den Konsum ein. Das ist in Großbritannien schon geschehen und dürfte in den Vereinigten Staaten folgen, mit entsprechenden negativen Auswirkungen auf die Gewinnmargen der Unternehmen und damit die Aktienkurse.
Skeptiker fürchten, daß dies und der hohe Ölpreis mittelfristig die Börsen belasten. Davon wird sich auch der deutsche Aktienmarkt nicht abkoppeln, zumal die deutsche Konjunktur exportgetrieben ist und der relativ starke Wechselkurs des Euro der Exportwirtschaft nicht hilft. Aber vielleicht sagen einige Marktteilnehmer dies nur, weil sie den Einstieg in die Sommerhausse verpaßt haben. Der betont optimistische Blick der meisten Analysten ist allerdings der beste Indikator dafür, daß in diesem Herbst die Aktienkurse nicht reibungslos weiter steigen dürften.
Quelle: faz.net
...be invested
Der Einsame Samariter
Großinvestoren fürchten Korrektur an den Aktienbörsen
Jetzt ist es mit den Sommerferien vorbei, und die Realität holt die Aktienmärkte wieder ein. Die ersten Großinvestoren warnen bereits, daß den Börsenkursen eine mehrmonatige Korrektur bevorstehen könnte. Am Freitag gaben mit Ausnahme des Nikkei in Japan fast alle Aktienindizes nach, darunter auch der Dax, der um 1,5 Prozent auf 4784 Punkte fiel.
Damit hat er die Linie von 4830 Punkten nach unten durchbrochen, warnen technische Analysten von Merrill Lynch. Die Linie stellt ihrer Meinung nach die Nackenlinie einer Schulter-Kopf-Schulter-Formation dar. Ein Rückfall unter diese Linie gilt bei technischen Analysten als Verkaufssignal.
Investoren setzen jetzt auf die Wahlen
Auch andere Warnhinweise aus der Charttechnik mehren sich. Wieviel man von technischer Analyse auch halten mag, so scheinen immer mehr Großinvestoren zu fürchten, daß die Börsen zu lange den steigenden Ölpreis als Negativfaktor für das Weltwirtschaftswachstum ignoriert haben und dies über eine Korrektur jetzt nachgeholt werden könnte.
Seit mehr als einem Jahr folgen die Börsen dem Argument, daß unsere Wirtschaft heute weniger ölintensiv produziert als früher, daß der Ölpreis real nicht so stark gestiegen sei wie in vorherigen Krisen und daß die Opec an den westlichen Märkten kräftig investiere - mithin daß alles halb so schlimm sei. Das Schreckgespenst der Inflation schien niemand mehr zu fürchten. Zudem setzen die Investoren jetzt auch auf die Wahlen, die die notwendigen Reformen bringen sollen (nicht nur in Japan, sondern vor allem auch in Deutschland). Da waren die Kurssteigerungen an den Börsen offenbar mehr als gerechtfertigt.
Ölpreis: Zusatzsteuer auf das Einkommen
Aber jetzt drückt der Schuh - oder eher der Ölpreis, dessen Richtung immer nur nach oben zeigt. Mitte vergangenen Jahres beruhigten die Analysten die Finanzmärkte damit, daß der Anstieg des Ölpreises kein Problem sei, weil er nur eine vorübergehende Erscheinung sei. Schlecht wäre es, wenn der Ölpreis dauerhaft auf dieser Höhe verharren würde. Damals lag der Ölpreis bei 40 Dollar. Wäre man konsequent, bedeutete dies, daß die Wirtschaft jetzt die Nachteile spüren müßte. Schließlich liegt der Ölpreis nicht mehr nur bei 40, sondern ist vergangene Woche auf stolze 68 Dollar gestiegen.
Und das ist es wohl auch, was die jüngsten Stimmungsbarometer anzeigen - gleichgültig, ob der enttäuschende Ifo-Index in Deutschland, der historisch erstaunlich mit dem Ölpreis korreliert, oder der Verbraucherindex der Universität von Michigan. Dieses Stimmungsbarometer war am Freitag so stark gefallen wie seit Februar 2004 nicht und signalisiert, daß den Amerikanern der hohe Öl- beziehungsweise Benzinpreis doch zu schaffen macht. Der Ölpreis wirkt über den hohen Benzinpreis wie eine Zusatzsteuer auf das Einkommen. Das schmerzt die Verbraucher vor allem in den angelsächsischen Ländern, in denen die Zentralbanken kontinuierlich die Zinsen angehoben haben wie in den Vereinigten Staaten und Großbritannien. Am Freitag betonte der amerikanische Notenbank-Gouverneur Alan Greenspan zudem, daß sich die Geldpolitik immer mehr an der extrem hohen Bewertung der Vermögenswerte ausrichten müsse. Dieser Punkt beschäftigt die Bank von England schon seit zwei Jahren.
Einstieg in die Sommerhausse verpaßt
Ein Beispiel: Eine Familie verschuldet sich und kauft ein Haus, dessen Wert über die Jahre stark steigt. Dieses hohe Vermögen und der höhere Lebensstandard verleiten die Familie bei niedrigen Zinsen dazu, sich höher und außerdem zu variablen Zinsen zu verschulden. Das Geld wird ausgegeben, der Konsum steigt. Um die Hauspreisinflation einzufangen, erhöhen die Notenbanken die Zinsen - wie in Großbritannien und Amerika geschehen. Plötzlich müssen die Familien höhere Zinsen zahlen - zusätzlich zu gestiegenen Benzin- und Heizölpreisen. In der Folge schränken sie den Konsum ein. Das ist in Großbritannien schon geschehen und dürfte in den Vereinigten Staaten folgen, mit entsprechenden negativen Auswirkungen auf die Gewinnmargen der Unternehmen und damit die Aktienkurse.
Skeptiker fürchten, daß dies und der hohe Ölpreis mittelfristig die Börsen belasten. Davon wird sich auch der deutsche Aktienmarkt nicht abkoppeln, zumal die deutsche Konjunktur exportgetrieben ist und der relativ starke Wechselkurs des Euro der Exportwirtschaft nicht hilft. Aber vielleicht sagen einige Marktteilnehmer dies nur, weil sie den Einstieg in die Sommerhausse verpaßt haben. Der betont optimistische Blick der meisten Analysten ist allerdings der beste Indikator dafür, daß in diesem Herbst die Aktienkurse nicht reibungslos weiter steigen dürften.
Quelle: faz.net
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Der Einsame Samariter