von Michael Gassmann (New York)
Traditionell gilt der März als guter Verkaufsmonat auf dem größten Automarkt der Welt, den USA. In diesem Jahr brachte er den US-Herstellern jedoch deutliche Einbußen. Zusammen kommen sie nur noch auf knapp 50 Prozent Marktanteil. Die Japaner holen auf.
Die US-Autokonzerne haben im März weitere herbe Einbußen verkraften müssen. Die Verkaufszahlen von Ford, General Motors und Chrysler sind deutlich gesunken, während Importautos ihren Anteil im stagnierenden Markt steigerten. GM verkaufte erstmals weniger als 350.000 Autos, saisonbereinigt ein Rückgang von 7,7 Prozent im Vergleich zum März 2006. Ford schnitt mit Einbußen von neun Prozent immerhin besser ab als befürchtet - Analysten hatten einen zweistelligen Einbruch prognostiziert.
DaimlerChrysler setzte vier Prozent weniger Fahrzeuge ab als zwölf Monate zuvor. Dabei konnte der nur leichte Anstieg der Mercedes-Zahlen die Schwäche der amerikanischen Chrysler-Gruppe nicht ausgleichen: Der drittgrößte Automobilhersteller der USA mit den Marken Chrysler, Dodge und Jeep verkaufte fast fünf Prozent weniger.
Chrysler ist voraussichtlich bald auf sich selbst gestellt, nachdem Konzernchef Dieter Zetsche einen Verkaufsprozess für den US-Zweig eingeleitet hat. Auf der heutigen Hauptversammlung des Konzerns in Berlin dürfte das Thema im Mittelpunkt der Aktionärsfragen stehen. DaimlerChrysler hat sich bisher nicht offiziell zu Informationen geäußert, wonach mindestens drei Offerten von Beteiligungsfirmen und dem Zulieferer Magna vorliegen.
80.000 Jobs abgebaut
Der März ist traditionell einer der stärksten Monate im amerikanischen Automarkt, der mit jährlich mehr als 16 Millionen abgesetzten Fahrzeugen der größte der Welt ist. Die drei großen US-Konzerne haben schon seit Monaten Mühe, ihre Marktposition zu verteidigen. Zusammen kommen sie nur noch auf einen Anteil von knapp über 50 Prozent, während Importfahrzeuge stark zulegen. Toyota lag vor Nissan mit einem Zuwachs um 11,7 Prozent auf gut 242.000 Verkäufe an der Spitze der größtem Importeure.
Die US-Konzerne haben die Produktion bereits stark eingeschränkt und mehr als 80.000 Stellen gestrichen. Dadurch sei der Bestand an unverkauften Autos deutlich zurückgegangen, erklärte ein Ford-Sprecher am Dienstag. Möglicherweise könne die Produktion in der zweiten Jahreshälfte wieder anziehen.
General Motors begründete den Absatzeinbruch mit dem weitgehenden Verzicht auf margenschwache Verkäufe ganzer Flotten, beispielsweise an Autovermieter oder Behörden. Die Höhe der Rabatte für Privatkunden, die ebenfalls zulasten der Gewinne gehen, ist jedoch im März weiter angestiegen. Durchschnittlich bezuschussten die Autohersteller den Verkauf jedes Autos nach Erhebungen der Marktforschungsfirma Edmunds mit 2512 $, rund 220 $ mehr als im Februar. "Im Vergleich zum Vorjahr ist das immer noch wenig", sagte Edmunds-Analyst Jesse Toprak. Die Rabatte würden jetzt differenzierter vergeben. "Für große Autos und Geländewagen gibt es großzügige Anreize", so Toprak.
Zur Überraschung der Branche hat selbst Toyota begonnen, für seinen in den USA gebauten schweren Geländewagen Tundra bereits wenige Wochen nach dem Verkaufsstart 1000 $ Rabatt zu geben. "Das ist untypisch für die Verkaufsphase und erst recht untypisch für Toyota", sagte Dave Zoia von der Research-Firma Ward's. Die früher populären Wagen verkaufen sich schlechter, seit die Treibstoffpreise stark gestiegen sind.
Gruß
uS