Micron: Gute Nachrichten reißen nicht ab – gehören die Zahlen heute Abend auch dazu?

Markus Weingran Markus Weingran
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Markus Weingran ist seit mehr als 20 Jahren als Kapitalmarkt-Stratege und Aktien-Experte aktiv. Geprägt durch die langjährige Zusammenarbeit mit dem Finanzexperten Hans A. Bernecker verfolgt er einen klaren Anspruch: in jeder Börsenphase das Beste für Anleger herauszuholen. Weitere Einschätzungen und Trading-Ideen teilt er auch täglich in der wallstreetONLINE Börsenlounge auf YouTube.

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Micron vor Zahlen
KI-generiert mit DALL-E
Mehr als 290 Prozent Kursplus seit Jahresbeginn, neue KI-Fantasie durch Anthropic und Rückenwind von explodierenden Speicherpreisen: Micron Technology ist einer der heißesten Halbleiterwerte des Jahres. Jetzt richtet sich der Blick auf die Zahlen. Kann der Speicherchip-Konzern noch einen draufsetzen oder ist die Erwartung inzwischen zu hoch?
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Der Boom um Künstliche Intelligenz hat viele Gewinner hervorgebracht. Nvidia liefert die Rechenpower, Microsoft und Amazon bauen die Cloud-Infrastruktur aus, und Micron liefert einen Baustein, ohne den der KI-Hype ins Stocken geraten könnte: Speicher.

HBM, DRAM, NAND und SSDs sind längst keine austauschbaren Komponenten mehr, sondern strategische Infrastruktur. Je größer KI-Modelle werden, desto wichtiger werden Geschwindigkeit, Energieeffizienz und Datendurchsatz. Genau hier setzt Micron an – und genau deshalb ist die Aktie in diesem Jahr regelrecht explodiert.

Am Montag kamen weitere gute Nachrichten hinzu. Micron und Anthropic haben eine Zusammenarbeit angekündigt, um Speicher- und Speicherinfrastruktur gezielt für KI-Workloads weiterzuentwickeln. Für Anleger ist das mehr als eine gewöhnliche Partnerschaft. Es ist ein weiteres Signal, dass Micron direkt im Zentrum des KI-Infrastrukturbooms angekommen ist.

Anthropic wird zum starken Signalgeber

Werte aus dem Artikel:
Micron Technology Aktie 1.186,6 $ -2,22%

Anthropic, bekannt für die Claude-Modellfamilie, braucht für Training und Betrieb seiner KI-Systeme enorme Rechenkapazität. Dabei geht es nicht nur um Grafikprozessoren, sondern um den gesamten technischen Unterbau. Speicher und Datenspeicher entscheiden mit darüber, wie effizient Modelle trainiert und bereitgestellt werden können.

Tom Brown, Mitgründer und Chief Compute Officer von Anthropic, bringt die Bedeutung auf den Punkt: "Unsere Rechenstrategie hängt davon ab, dass jede Ebene des Stacks optimal funktioniert. Speicher und Datenspeicher sind dabei zentral für die Effizienz, mit der wir Claude trainieren und bereitstellen können."

Die Zusammenarbeit soll untersuchen, wie sich Speicher- und Speichersubsysteme unter verschiedenen KI-Workloads verhalten. Genutzt werden soll Microns Portfolio aus HBM-, DRAM- und SSD-Lösungen. Ziel sind Verbesserungen bei Leistung, Energieeffizienz, Gesamtbetriebskosten und Token-Ökonomie.

Für Micron ist das gleich mehrfach wichtig. Der Konzern wird enger an einen der prominentesten KI-Entwickler gebunden, sichert sich Sichtbarkeit im Infrastrukturmarkt und festigt seine Rolle als wichtiger Lieferant für speicherintensive KI-Systeme. Zusätzlich hat sich Micron an Anthropics Series-H-Finanzierungsrunde beteiligt.

Die Zahlen werden zum nächsten Härtetest

Die große Frage lautet nun: Gehören die Zahlen auch zu dieser Serie guter Nachrichten? Die Erwartungen sind hoch. Micron hatte für das laufende Quartal einen Umsatz von 33,5 Milliarden US-Dollar plus/minus 750 Millionen US-Dollar in Aussicht gestellt. Der bereinigte Gewinn je Aktie soll bei 19,15 US-Dollar plus/minus 0,40 US-Dollar liegen. Nach 23,86 Milliarden US-Dollar Umsatz im Vorquartal wäre das ein weiterer gewaltiger Sprung.

Genau darin liegt aber auch das Risiko. Der Markt erwartet von Micron inzwischen nicht nur starke Zahlen. Er erwartet sehr starke Zahlen, einen überzeugenden Ausblick und Hinweise, dass die Knappheit bei Speicherchips länger anhält als bislang gedacht. Nur ein solides Quartal könnte bei einer derart heiß gelaufenen Aktie zu wenig sein.

Wedbush sieht weiter keinen Grund zum Zweifeln

Rückenwind kommt von Analystenseite. Wedbush bleibt optimistisch und hat das Outperform-Rating bestätigt. Besonders auffällig ist die massive Anhebung des Kursziels von 550 auf 1.300 US-Dollar.

Die Begründung ist klar: Die Preise für Speicherchips entwickeln sich offenbar noch besser als erwartet. Laut dem Bericht legten die Branchenpreise im 2. Quartal sowohl bei NAND- als auch bei DRAM-Chips im hohen zweistelligen bis teilweise dreistelligen Prozentbereich zu. Das verbessert die Ausgangslage für Micron deutlich.

Wedbush sieht deshalb weiter Spielraum für positive Überraschungen. Die Nachfrage nach KI-Infrastruktur dürfte bis 2027, möglicherweise sogar bis 2028, robust bleiben. Gleichzeitig erscheint die Gefahr eines Überangebots in den kommenden 18 Monaten begrenzt. Für einen zyklischen Speicherchip-Hersteller ist genau das die entscheidende Kombination: starke Nachfrage, knappes Angebot, steigende Preise.

Anleger könnten trotzdem Gewinne sichern

Trotzdem sollten Anleger nicht übersehen, wie hoch die Messlatte inzwischen liegt. Micron kann die Erwartungen schlagen – und die Aktie könnte trotzdem unter Druck geraten. Nach einem Kursanstieg von mehr als 290 Prozent seit Jahresbeginn wäre es nicht überraschend, wenn Investoren Gewinne sichern.

Das wäre kein Bruch der langfristigen Story. Es wäre eher typisch für eine Aktie, die in kurzer Zeit sehr viel Zukunft eingepreist hat. Entscheidend ist daher nicht nur, ob Micron die Erwartungen übertrifft. Entscheidend ist, ob Micron so deutlich darüber springt, dass Anleger weiter bereit sind, die Aktie noch höher zu bewerten.

Micron liefert derzeit fast alles, was Anleger sehen wollen: KI-Fantasie, starke Nachfrage, steigende Speicherpreise, eine strategische Partnerschaft mit Anthropic und Rückenwind von Analysten. Operativ spricht vieles dafür, dass der Konzern bei den Zahlen erneut stark abschneidet.

Die Messlatte liegt aber extrem hoch. Dass Micron sie überspringt, wird kaum bezweifelt. Die eigentliche Frage lautet: Springt Micron hoch genug darüber, um die Anleger weiter zu begeistern?

Kurzfristig ist die Gefahr von Gewinnmitnahmen nicht klein – selbst bei starken Zahlen. Langfristig bleibt Micron aber einer der spannendsten Profiteure des KI-Infrastrukturbooms. Rücksetzer nach den Zahlen könnten deshalb weniger ein Warnsignal als vielmehr eine neue Chance für geduldige Anleger sein.

Redaktion Ariva/MW


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