Die Benzinpreise steigen rasant
Mineralölverband erwartet wegen Irak-Krise weitere Verteuerung - Opec will Öl nicht als Waffe einsetzen
Berlin - Nach den Luftangriffen in Irak sind die Preise für Benzin am Rotterdamer Markt nach oben geschossen. Am Freitagnachmittag wurden für eine Tonne Super-Benzin 293 Dollar (295 Euro) gezahlt, wie eine Sprecherin des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV) in Hamburg sagte. Dies seien 21 Dollar mehr als noch am Donnerstag und 30 Dollar mehr als noch zu Wochenbeginn.
Da es sich nicht um Rohöl-Preise handele, sondern um das fertige Produkt könne dies bedeuten, dass die Preise an den Tankstellen schon in Kürze ebenfalls steigen. Dies liege aber in der Entscheidung der einzelnen Konzerne. Rechnerisch würde der Anstieg um 21 Dollar pro Tonne (rund 1300 Liter) am Rotterdamer Markt eine Preissteigerung von 1,6 Euro-Cent an der Tankstelle bedeuten. Würden die 30 Dollar seit Wochenanfang umgesetzt, wären es sogar 2,3 Cent. MWV-Sprecherin Barbara Meyer-Bukow sagte, es gebe "keine vernünftige Erklärung" für den starken Preisanstieg in Rotterdam seit Donnerstag. Die bisherigen Drohungen Washingtons gegenüber Irak hätten keine starken Auswirkungen auf die Benzinpreise gehabt.
Möglicherweise werde an den Märkten die Kriegsgefahr angesichts der jüngsten Angriffe britischer und amerikanischer Kampfflugzeuge auf Abwehrstellungen in Irak "nun realistischer gesehen".
Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) will im Falle eines neuen Irak-Krieges keine Position für eine der Konfliktparteien beziehen. Das Kartell werde Öl nicht als "wirtschaftliche Waffe" einsetzen, sagte Opec-Generalsekretär Alvaro Calderon zum Abschluss des 17. Öl-Kongresses im brasilianischen Rio de Janeiro. Die Opec werde sich "ähnlich wie das Rote Kreuz" verhalten, das bei Konflikten unabhängig bleibe, betonte der aus Venezuela stammende Vertreter der Opec, unter deren elf Mitgliedern sich auch Irak befindet. Zusammen mit anderen großen Öl-Produzenten verpflichtete sich die Opec auf dem Treffen, für "gerechte und vernünftige Öl-Preise" zu sorgen. Für das Kartell bedeute dies ein Preis innerhalb des vereinbarten Preisbandes zwischen 22 und 28 Dollar pro Barrel (159 Liter). Diese Zusage gilt laut Calderon aber nur für Friedenszeiten. "Destabilisierende Ereignisse wie ein Krieg liegen sich außerhalb unserer Kontrolle", sagte der Opec-Generalsekretär. "Wir wissen nicht, was für Folgen ein bewaffneter Konflikt haben könnte." DW
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