Valdis Dombrovskis
Der EU-Kommissionsvize kritisiert die russische Entscheidung, die Gaslieferungen nach Europa zu drosseln, scharf.
„Die Manipulation des Gasmarkts durch Russland unterstreicht, warum wir russische Energieimporte so schnell wie möglich ersetzen müssen.“ Doch selbst im Falle eines kompletten Lieferstopps könnte die EU einer schweren Wirtschaftskrise entgehen. „Wenn es uns gelingt, weiter zu diversifizieren und die Gasspeicher zu füllen, muss es keine Rezession geben.“
Vor dem Hintergrund der angespannten Wirtschaftslage: Schaden uns unsere Sanktionen stärker als Russland?
Schauen wir auf die Fakten. Die russische Wirtschaft wird in diesem Jahr um 8,5 Prozent schrumpfen, so hat es der Internationale Währungsfonds (IWF) errechnet. Das heißt: Russland steht wegen unserer Sanktionen vor einer schweren Rezession. Die europäische Wirtschaft dagegen wächst weiter – und hat im ersten Quartal sogar stärker zugelegt als angenommen. Das zeigt, dass wir die Sanktionen so angelegt haben, dass sie Russland härter treffen als uns.
Aber Moskau schlägt zurück und verringert die Gaslieferungen nach Europa.
Die Manipulation des Gasmarkts durch Russland unterstreicht, warum wir russische Energieimporte so schnell wie möglich ersetzen müssen. Wir müssen unsere Abhängigkeit überwinden. Und genau das tun wir.
Allerdings ist das kurzfristig kaum möglich. In Deutschland wächst die Sorge, dass der Gasstrom aus Russland komplett versiegt.
Ich möchte daran erinnern, dass Gas nicht mit EU-Sanktionen belegt ist.
Schon richtig, nur: Russland drosselt Gaslieferungen ja von sich aus.
Was das Argument unterstreicht, dass wir nicht weiter auf einen Lieferanten setzen können, der fossile Energien als Macht- und Manipulationsinstrument nutzt. Darum diversifizieren wir jetzt. Wir arbeiten mit Norwegen zusammen, dem zweitgrößten Gaslieferanten der EU. Die USA haben zugesagt, noch in diesem Jahr 15 Milliarden Kubikmeter Gas zusätzlich zu liefern und danach bis zu 50 Milliarden Kubikmeter pro Jahr. Das sind bedeutende Mengen, auch wenn man bedenkt, dass Russland bisher 155 Milliarden Kubikmeter pro Jahr geliefert hat.
Droht Europa bei einem abrupten Lieferstopp eine Rezession?
Wir haben schon im Winter, als Russland die Aggression gegen die Ukraine begonnen hat, analysiert, wie sich ein plötzlicher Lieferstopp auswirken würde. Schon damals kamen wir zu der Einschätzung, dass sich eine solche Situation kontrollieren ließe, wenngleich mit Schwierigkeiten. Jetzt liegt der Winter hinter uns. Wir haben einige neue Quellen erschlossen, die Gasspeicher füllen sich. Unser Ziel ist es, im November einen Füllstand von 80 Prozent zu erreichen. Wir sind also in einer besseren Lage als im vergangenen Jahr, als Russland bewusst Lieferungen zurückgehalten und die Speicher nicht befüllt hat.
www.handelsblatt.com/politik/...sparpolitik-ein/28447378.html
Liest sich weit weniger weniger dramatisch als hier im thread.:-)