Das Kapital: Für Aktien sieht es erst mal gar nicht schlecht aus
Der Aktienmarkt mutet so merkwürdig an, dass einem Angst und Bange werden kann. US-Aktien sind sogar gut ein Jahr nach der ersten Zinssenkung durch die Fed noch deutlich im Minus - und fallen per saldo weiter. Das gibt es nicht so oft.
Äußerst ungewöhnlich ist auch, dass die Börsen die Frühindikatoren ignorieren, die seit Monaten fast rund um die Erde anziehen. Die US-Frühindikatoren sind im Januar zum vierten Mal in Folge gestiegen, kräftig. Sie liegen um drei Prozent über dem Vorjahr. Das hat es zum letzten Mal im Januar 2000 gegeben. Die Produktion wird früher oder später nachziehen. Solange der Konsum nicht einbricht, würde die Wirtschaft schon einen massiven Impuls erhalten, wenn die Firmen nur aufhören, ihre Läger abzubauen.
Die Verbraucher sehen den Lauf der Dinge erstaunlich gelassen. Der Index der Universität Michigan ist zuletzt auf ein 12-Monatshoch gestiegen, vor allem wegen optimistischerer Erwartungen. Auch die Liquidität bleibt überall reichlich. In Japan ist die monetäre Basis im Januar saisonbereinigt um 6,2 Prozent explodiert, im Monatsvergleich.
All das scheint im Moment keine Rolle zu spielen. Vor dem Hintergrund der zu hohen Bewertung, der Sorgen um die Buchführungspraktiken, der makroökonomischen Ungleichgewichte und der Furcht vor einem doppelten Konjunkturrückschlag ist der Verdruss nur allzu verständlich. Es bleibt dabei, dass Aktien auf Sicht der nächsten Jahre ausgesprochen schwache Perspektiven bieten.
Aber das heißt ja nicht, dass der Markt nur fällt. Wie die letzten zwei Jahre zeigen, schöpfen die Anleger zwischendurch immer wieder Hoffnung - auch weil viele das schwache Fundament der Börse nicht wahrhaben wollen. Für die kommenden Monate sind die Aussichten deshalb nicht so schlecht.
Die Zuversicht jedenfalls dürfte mit jedem weiteren verbesserten Konjunkturindikator steigen. Die US-Firmen haben so massiv auf den Abschwung reagiert, dass die Arbeitsproduktivität noch mitten in der Rezession gewachsen ist. Aufs Jahr hochgerechnet ist sie seit März 2001 im Schnitt um 2,3 Prozent gestiegen. Da der Lohnkostendruck gleichzeitig nachlässt - und mit steigender Arbeitslosigkeit weiter sinkt - werden die Margen anziehen, zumindest vorübergehend. Sollte die - eher überverkaufte - Börse unter diesen Umständen nicht wenigstens für eine Weile zu ihren alten Mustern zurückfinden, kann einem tatsächlich Angst und Bange werden.
Diageo
Dem Alkoholriesen Diageo liegt Burger King schwer im Magen. Hohe Marketingausgaben sollen den Verkauf der Fastfood-Tochter erleichtern. Das ist teuer und hat Diageos Ertragswachstum auf 2,4 Prozent gedrückt.
Dabei konnte Diageo mit Edel-Getränken kräftig punkten. Die Spartengewinne sind um 17 Prozent gestiegen, großteils durch Absatzzuwächse. Das Umsatzwachstum war bei Bailey und Malibu zweistellig, bei Smirnoff lag es dank Smirnoff Ice bei 59 Prozent.
Der einstige Gemischtwarenladen Diageo hatte mit der Ausrichtung auf Spirituosen-Topmarken den richtigen Riecher. Auch die Umsetzung stimmt, wie man zuletzt beim Verkauf der Fertiggericht-Firma Pillsbury und der Übernahme von Seagrams Getränkeimperium gesehen hat. Die breitere Produktpallete sollte in Amerika günstigere Bedingungen im Großhandel bringen.
Bloß hat das der Markt längst mit einer Aufwertung belohnt. Der Unternehmenswert liegt jetzt beim 11fachen des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda). Das entspricht einem Aufschlag von 20 Prozent gegenüber dem Sektor.
Schon richtig, dass die Weltmarktführer in anderen Segmenten noch teurer sind. So unumstritten wie Coca Cola sind Diageos Marken indes noch lange nicht. Smirnoff Ice etwa ist zwar Marktführer bei Mixgetränken. Aber das ist ein junges Segment mit wankelmütigen Kunden. Zumindest die sensationellen Margen der Wodka-Limonade sind kaum zu halten. Dafür sorgt schon die Konkurrenz - nicht zuletzt die Kooperationen des Bierbrauers Miller sowohl mit Allied Domecq als auch mit Camparis Skyy Wodka.
Schon um den aktuellen Kurs zu rechtfertigen, muss Diageo einiges erledigen: die Rechte auf Seagrams Captain Morgan verteidigen, das Sorgenkind Burger King aufpäppeln und beim verordneten Verkauf von Malibu einen günstigen Preis erzielen. Für Malibu müsten 700 Mio. £ zu haben sein. Burger King sollte sich zur Jahresmitte erholen und wäre dann mindestens 1,5 Mrd. £ wert, was dem 7fachen laufenden Ebitda entspräche.
Immerhin scheint Diageo entschlossen, das Geld den Aktionären zurückzugeben. Ein Rückkaufprogramm über 1,6 Mrd. £ läuft bereits. Weitere Rückkäufe von bis zu 4,3 Prozent des Grundkapitals sind genehmigt, was beim aktuellen Kurs 1,2 Mrd. £ entspräche. Die sind aber nur bei einem deutlich höheren Preis für Burger King denkbar. Und der wäre wohl erst nach längerer Wartezeit zu haben. Zu schnelles Essen ohne Genuß gefährdet bekanntlich die Gesundheit.
Quelle: FTD.de
Der Aktienmarkt mutet so merkwürdig an, dass einem Angst und Bange werden kann. US-Aktien sind sogar gut ein Jahr nach der ersten Zinssenkung durch die Fed noch deutlich im Minus - und fallen per saldo weiter. Das gibt es nicht so oft.
Äußerst ungewöhnlich ist auch, dass die Börsen die Frühindikatoren ignorieren, die seit Monaten fast rund um die Erde anziehen. Die US-Frühindikatoren sind im Januar zum vierten Mal in Folge gestiegen, kräftig. Sie liegen um drei Prozent über dem Vorjahr. Das hat es zum letzten Mal im Januar 2000 gegeben. Die Produktion wird früher oder später nachziehen. Solange der Konsum nicht einbricht, würde die Wirtschaft schon einen massiven Impuls erhalten, wenn die Firmen nur aufhören, ihre Läger abzubauen.
Die Verbraucher sehen den Lauf der Dinge erstaunlich gelassen. Der Index der Universität Michigan ist zuletzt auf ein 12-Monatshoch gestiegen, vor allem wegen optimistischerer Erwartungen. Auch die Liquidität bleibt überall reichlich. In Japan ist die monetäre Basis im Januar saisonbereinigt um 6,2 Prozent explodiert, im Monatsvergleich.
All das scheint im Moment keine Rolle zu spielen. Vor dem Hintergrund der zu hohen Bewertung, der Sorgen um die Buchführungspraktiken, der makroökonomischen Ungleichgewichte und der Furcht vor einem doppelten Konjunkturrückschlag ist der Verdruss nur allzu verständlich. Es bleibt dabei, dass Aktien auf Sicht der nächsten Jahre ausgesprochen schwache Perspektiven bieten.
Aber das heißt ja nicht, dass der Markt nur fällt. Wie die letzten zwei Jahre zeigen, schöpfen die Anleger zwischendurch immer wieder Hoffnung - auch weil viele das schwache Fundament der Börse nicht wahrhaben wollen. Für die kommenden Monate sind die Aussichten deshalb nicht so schlecht.
Die Zuversicht jedenfalls dürfte mit jedem weiteren verbesserten Konjunkturindikator steigen. Die US-Firmen haben so massiv auf den Abschwung reagiert, dass die Arbeitsproduktivität noch mitten in der Rezession gewachsen ist. Aufs Jahr hochgerechnet ist sie seit März 2001 im Schnitt um 2,3 Prozent gestiegen. Da der Lohnkostendruck gleichzeitig nachlässt - und mit steigender Arbeitslosigkeit weiter sinkt - werden die Margen anziehen, zumindest vorübergehend. Sollte die - eher überverkaufte - Börse unter diesen Umständen nicht wenigstens für eine Weile zu ihren alten Mustern zurückfinden, kann einem tatsächlich Angst und Bange werden.
Diageo
Dem Alkoholriesen Diageo liegt Burger King schwer im Magen. Hohe Marketingausgaben sollen den Verkauf der Fastfood-Tochter erleichtern. Das ist teuer und hat Diageos Ertragswachstum auf 2,4 Prozent gedrückt.
Dabei konnte Diageo mit Edel-Getränken kräftig punkten. Die Spartengewinne sind um 17 Prozent gestiegen, großteils durch Absatzzuwächse. Das Umsatzwachstum war bei Bailey und Malibu zweistellig, bei Smirnoff lag es dank Smirnoff Ice bei 59 Prozent.
Der einstige Gemischtwarenladen Diageo hatte mit der Ausrichtung auf Spirituosen-Topmarken den richtigen Riecher. Auch die Umsetzung stimmt, wie man zuletzt beim Verkauf der Fertiggericht-Firma Pillsbury und der Übernahme von Seagrams Getränkeimperium gesehen hat. Die breitere Produktpallete sollte in Amerika günstigere Bedingungen im Großhandel bringen.
Bloß hat das der Markt längst mit einer Aufwertung belohnt. Der Unternehmenswert liegt jetzt beim 11fachen des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda). Das entspricht einem Aufschlag von 20 Prozent gegenüber dem Sektor.
Schon richtig, dass die Weltmarktführer in anderen Segmenten noch teurer sind. So unumstritten wie Coca Cola sind Diageos Marken indes noch lange nicht. Smirnoff Ice etwa ist zwar Marktführer bei Mixgetränken. Aber das ist ein junges Segment mit wankelmütigen Kunden. Zumindest die sensationellen Margen der Wodka-Limonade sind kaum zu halten. Dafür sorgt schon die Konkurrenz - nicht zuletzt die Kooperationen des Bierbrauers Miller sowohl mit Allied Domecq als auch mit Camparis Skyy Wodka.
Schon um den aktuellen Kurs zu rechtfertigen, muss Diageo einiges erledigen: die Rechte auf Seagrams Captain Morgan verteidigen, das Sorgenkind Burger King aufpäppeln und beim verordneten Verkauf von Malibu einen günstigen Preis erzielen. Für Malibu müsten 700 Mio. £ zu haben sein. Burger King sollte sich zur Jahresmitte erholen und wäre dann mindestens 1,5 Mrd. £ wert, was dem 7fachen laufenden Ebitda entspräche.
Immerhin scheint Diageo entschlossen, das Geld den Aktionären zurückzugeben. Ein Rückkaufprogramm über 1,6 Mrd. £ läuft bereits. Weitere Rückkäufe von bis zu 4,3 Prozent des Grundkapitals sind genehmigt, was beim aktuellen Kurs 1,2 Mrd. £ entspräche. Die sind aber nur bei einem deutlich höheren Preis für Burger King denkbar. Und der wäre wohl erst nach längerer Wartezeit zu haben. Zu schnelles Essen ohne Genuß gefährdet bekanntlich die Gesundheit.
Quelle: FTD.de