27. November 2002 Schwache Konjunkturdaten verhagelten am Dienstag den Börsianern die Laune. Nachdem die Wall Street den Handel am Vortag auf dem Tagestief beendet hat, geben sich Marktteilnehmer auch für die Aussichten am deutschen Aktienmarkt zur Wochenmitte zunächst zurückhaltend. Der Dax, der am Dienstag 3,26 Prozent auf 3.191,63 Punkte verlor, dürfte zunächst weiter nachgeben, so die Einschätzung. Später werde über die Tagestendenz dann über den Ausfall der zahlreichen US-Konjunkturdaten entschieden, die am Nachmittag zur Veröffentlichung anstehen.
Anleihenmarkt von Konjunkturdaten gestützt
Die mit Enttäuschung aufgenommenen neuen Konjunkturdaten sorgten am Rentenmarkt anders als am Aktienmarkt am Dienstag für Kursgewinne. Dieser Impuls, der dem Bund-Future ein Plus von 51 Basispunkten auf 111,51 Prozent bescherte, dürfte auch am Mittwoch dank guter Vorgaben vom US-Anleihenmarkt noch anhalten, so die Einschätzung. Am Nachmittag komme es dann für die weitere Kursrichtung darauf an, wie der US-Einkaufsmanagerindex ausfällt.
Euro wenig verändert
Wenig verändert präsentiert sich der Euro am Mittwoch im asiatischen Handel. Gegen 7.25 Uhr kostet ein Euro 0,9937 Dollar nach 0,9925 Dollar am Dienstagabend in New York. Zum Yen notiert die US-Währung mit 121,68 Yen nach 121,69 Yen. Händler berichten von fehlenden neuen Impulsen und dass sich die Marktteilnehmer zur Wochenmitte auf einen Handel in der zuletzt gültigen Kursregion einstellten.
Japanische Aktien legen zu
Mit einer freundlichen Tendenz haben die Kurse am Mittwoch am japanischen Aktienmarkt den Handel beendet. Der Nikkei-225-Index stieg um 0,6 Prozent auf 8.876 Yen. Der Topix-Index rückte um ebenfalls 0,6 Prozent auf 869 Punkte vor. Zu den Gewinnern gehörten vor allem defensive Werte, berichteten Händler. Technologietitel orientierten sich an den Vorgaben aus den USA und gaben nach. Berichte, wonach die Regierung über eine Änderung der Wertpapiersteuer nachdenke, würden als positive Nachricht gewertet.
Aktien Hongkong am Mittag knapp behauptet
Knapp behauptet zeigen sich die Kurse an der Börse in Hongkong am Mittwochmittag (Ortszeit). Zum Ende der ersten Sitzungshälfte büßt der Hang-Seng-Index (HSI) 0,1 Prozent auf 9.982 Punkten ein. Der Index habe sich nur kurz über der Marke von 10.000 Zählern halten können, berichten Beobachter. Die Stimmung sei trotz der Einbußen im Grunde weiter positiv, sagen Händler und beurteilen die Verluste als “gesunde Korrektur“. Sie sehen für den Berichtstag nur wenig weiteres Abwärtspotenzial. Die Umsätze sind gering. Entgegen der Tendenz konnten Werte des Versorgungssektors Gewinne verbuchen.
USA: Neuigkeiten und Kursbewegungen nach Börsenschluss
Im nachbörslichen US-Handel am Dienstag zeigten sich die US-Aktien wenig verändert. Der Nasdaq-100 After Hours Indicator stieg um 0,22 Prozent auf 1.089,88 Punkte. Enttäuschende Quartalszahlen haben den Kurs von Comverse Technology unter Druck gesetzt. Nach einem Verlust von fünf Prozent im regulären Handel büßten die Titel auf Island ECN weitere 1,9 Prozent ein. Das Unternehmen hatte für das dritte Quartal einen Verlust von 0,43 Dollar ausgewiesen. Im vergleichbaren Vorjahreszeitraum war ein Gewinn von 0,01 Dollar erzielt worden. Chartered Semiconductor Manufacturing rückten um 15,8 Prozent auf 5,79 Dollar vor. Die reguläre Sitzung hatten die Titel mit einem Minus von knapp vier Prozent auf 5,00 Dollar beendet. IBM hatte mitgeteilt, dass man gemeinsam mit Chartered Prozessoren entwickeln werde. H&R Block, die im regulären Handel 0,3 Prozent hinzugewonnen hatten, stiegen um 1,8 Prozent auf 39,22 Dollar . Die Quartalszahlen hatten die Erwartungen getroffen. Das Unternehmen hat für 2003 ein Umsatzwachstum von zehn bis 15 Prozent in Aussicht gestellt.
Verbraucherdaten ziehen Wall Street deutlich ins Minus
Die unerwartet geringe Zunahme des US-Verbrauchervertrauens hat am Dienstag an den US-Börsen Gewinnmitnahmen ausgelöst und die Kurse deutlich ins Minus gedrückt. Angesichts des Feiertages Thanksgiving am Donnerstag und der verkürzten Handelszeit am Freitag wollten die Investoren keine großen Risiken eingehen, sagten Händler.
Der verlor zum Handelsschluss 1,95 Prozent auf rund 8.676,42 Punkte. Der Nasdaq-Composite gab um 2,53 Prozent auf 1.444,41 Punkte nach, und der S&P-500-Index verlor 2,10 Prozent auf 913,31 Punkte.
Das Vertrauen der US-Verbraucher in die Wirtschaft ihres Landes hatte sich im November erstmals seit rund einem halben Jahr wieder leicht aufgehellt, aber nicht so stark wie von Analysten erhofft. Der vom Forschungsinstitut Conference Board ermittelte Index kletterte im November auf 84,1 von revidiert 79,6 Punkten im Vormonat. Analysten hatten einen Anstieg auf 85,2 Punkte vorausgesagt.
„Die Anleger hatten eine Zahl oberhalb der Prognosen erhofft, vor allem zu dieser Jahreszeit", sagte Art Hogan, Chefmarkt-Analyst bei Jefferies & Co. George Rodriguez von Guzman & Co. fügte hinzu: „Das Verbrauchervertrauen war schwächer als erwartet, aber ausschlaggebend ist, dass wir eine Feiertagswoche haben.“ Viele Anleger wollten bis zum kommenden Montag abwarten. An „Thanksgiving“ bleiben die US-Börsen geschlossen und am Freitag wird die Handelszeit verkürzt. Das Geschäft dürfte in den kommenden Tagen immer weiter ausdünnen, da viele Marktteilnehmer die Gelegenheit zu einem verlängerten Wochenende nutzen wollten, sagten Börsianer.
Einige Marktteilnehmer wollten weitere Konjunkturdaten abwarten, sagte Crit Thomas von National City Investment Management. „Wir steuern auf eine umsatzarme Zeit zu, wenn man also etwas unternehmen will, ist heute die letzte Chance.“ In den kommenden Tagen erwarten die Anleger unter anderem die Daten zu den Erstanträgen auf US-Arbeitslosenunterstützung sowie das Beige Book der US-Notenbank Fed.
Die Aktien des größten US-Pipelineunternehmens El Paso Corp verloren rund 19 Prozent auf 8,63 Dollar und waren der umsatzstärkste Wert an der New York Stock Exchange. Zuvor hatte die Ratingagentur Moody's die Bewertung für die Verbindlichkeiten des Unternehmens auf „Junk Status“ gesenkt und dies mit Sorgen um die hohe Schuldenlast sowie den niedrigen Cashflow begründet.
Die Aktien des Halbleiter-Herstellers Semtech brachen 19,6 Prozent auf 14,55 Dollar ein. Das Unternehmen hatte zwar den Gewinn im dritten Quartal deutlich gesteigert, erwartet aber nach eigenen Angaben für das vierte Quartal in den meisten Produktbereichen gegenüber dem Vorquartal kein Umsatzwachstum. Der Halbleiterindex der Philadelphia Stock Exchange gab 4,4 Prozent auf 358 Punkte nach.
Dagegen stiegen die Titel der UnitedHealth Group gegen den Trend rund 3,5 Prozent auf 79,10 Dollar. Das im Bereich Gesundheitsdienstleistungen tätige Unternehmen hatte mitgeteilt, der Gewinn im kommenden Jahr dürfte am oberen Ende der bisher genannten Spanne ausfallen. Die Titel hatten am Vortag nach einer negativen Analysten-Einschätzung deutlich eingebüßt.
US-Anleihen schließen sehr fest - Konjunktursorgen stützen
Sehr fest haben sich die Kurse der US-Anleihen am Dienstag im späten Geschäft gezeigt. Zehnjährige Titel mit einem Kupon von 4,0 Prozent gewannen 27/32 auf 99-13/32. Die Rendite fiel von 4,183 Prozent auf 4,073 Prozent. Der Longbond mit einer Verzinsung von 5,375 Prozent rückte um 1-11/32 auf 106-18/32 vor. Die Rendite ging von 5,031 auf 4,942 Prozent zurück. Die enttäuschenden Daten zum US-Verbrauchervertrauen im November hätten die Anleger zum Rückzug aus Aktien und zum Kauf von Anleihen bewogen, sagten Händler. Der Index des Verbrauchervertrauens erreichte im November einen Wert von 84,1 Punkten. Volkswirte hatten 85,4 prognostiziert.
Die vergleichsweise dünnen Umsätze erklärten die Händler mit dem Feiertag “Thanksgiving“ am Donnerstag. Am Feiertag bleibt der US-Anleihemarkt geschlossen. Die Sitzungen am Mittwoch und Freitag enden früher als gewöhnlich. Viele Anleger wollten vermutlich auch die für Mittwoch angekündigten Konjunkturdaten sowie die Auktion zweijähriger Titel abwarten, die ebenfalls am Mittwoch stattfinden soll, hieß es.
Quellen: FAZ.NET, vwd, dpa, AP, AFP, Bloomberg, Reuters.
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Text: @jüB