Oh Wunder - der Euro steigt
(gatrixx) Wochenlang konnten Berichte über die schwache US-Konjunkturlage dem Dollar nichts anhaben. Nun hat sich der Wind offenbar gedreht: Der Euro kletterte am Mittwoch auf 0,91 US-Cents und damit auf den höchsten Stand seit fünf Monaten.
Am Dienstag erst hatte die europäische Gemeinschaftswährung die psychologisch wichtige Marke von 0,90 Cents genommen, da folgte einen Tag später die nächste Trend-Untermauerung: Die US-Industrieproduktion sank im Juli zum zehnten Mal in Folge, um 0,1 Prozent. Zuvor hatte auch der Internationale Währungsfonds (IWF) mit seiner Warnung vor Ungleichgewichten in der US-Wirtschaft für Verunsicherung unter den Anlegern gesorgt.
Zittern der Exportbranchen
Dass diese Verunsicherung und nicht die eigene Kraft den Euro stärken, ist nicht von der Hand zu weisen. Auch der Schweizer Franken und sogar der krisengeschüttelte japanische Yen legten ebenfalls zu. Dennoch bleibt die Frage: Was fangen die Europäer eigentlich mit einem starken Euro an?
Das große Zittern bei einer starken Währung bekommen traditionell die exportstarken Firmen, deren Produkte auf den ausländischen Märkten dann teurer werden. Da Unternehmen aber eher langfristig kalkulieren, bleibt erst einmal abzuwarten, ob die Stärke des Euro ein Trend mit Bestand oder doch nur ein kurzfristiger Auftrieb ist. Bleibt der Euro stark, dann könnten die exportorientierten Branchen wie Auto, Chemie und Maschinenbau durchaus Probleme bekommen, sagten Händler in ersten Reaktionen.
Steigende Akzeptanz
Für die Aktienmärkte birgt ein starker Euro indes Chancen: Die Anleger könnten sich verstärkt europäischen Wertpapieren zuwenden, mutmaßen Analysten. Zudem stünden sowohl von der Europäischen Zentralbank (EZB) als auch von der US-Notenbank (FED) Leitzinssenkungen an - glaubt man der einhelligen Meinung der Experten. Diese würden wiederum die Investitionsbereitschaft stimulieren, heißt es.
Nicht zu vernachlässigen ist der psychologische Aspekt einer starken Währung: In Europa, zumal im historisch gesehen inflationsgeschädigten Deutschland, ist der Euro alles andere als populär. Steigende Werte könnten da auch die bitter notwendige Akzeptanz des Euro erhöhen. Schließlich sind es nur noch ganze 138 Tage, bis die virtuelle Währung wirklich in die Taschen der Verbraucher wandert. (th)