Fünf Fragen an Ken Fisher
„Wir haben überhaupt keine Kreditkrise“
Investmentbanker und Milliardär Ken Fisher
19. September 2007
Ken Fisher ist einer der ungewöhnlichsten Vermögensverwalter in Amerika. Wer lässt sich schon gerne im Finanzgewerbe für „verrückt“ erklären? Der Amerikaner hat sogar seinen Spaß daran. Dann weiß er, dass er womöglich richtig tippt und mit einer Anlagestrategie noch Geld verdienen kann. Erst wenn alle verinnerlicht haben, was er früh entdeckt hat, muss er sich etwas Neues ausdenken. So redet er jedenfalls.
Natürlich irrt sich auch ein Ken Fisher gelegentlich mal. Doch unter dem Strich war das in den vergangenen 35 Jahren offenbar nicht so gravierend. Schließlich managt seine Vermögensverwaltung inzwischen 36 Milliarden Dollar, er selbst gehört zu den 300 reichsten Amerikanern und seit mehr als zwei Jahrzehnten zu den anerkanntesten Börsenkolumnisten in Amerika.
Fisher ist ein notorischer Börsenbulle - jüngst gab er die Prognose ab, der Dax habe ein Potential bis zu 12.000 Punkten. Was die Zinssenkung in Amerika bedeutet und was von der aktuellen Finanzkrise zu halten ist, sagt er im Gespräch mit FAZ.NET.
Was bedeutet die Zinssenkung der amerikanischen Notenbank für die Aktienmärkte?
Nicht viel. Wenn nun die Kosten für kurzfristiges Geld sinken, sollte das so oder so mit der gegenwärtigen Situation nicht viel zu tun haben. Es geht doch viel mehr um die Verfügbarkeit von langfristigen Krediten.
Ist die Krise bald vorbei und ist es überhaupt eine?
Wir haben überhaupt keine Kreditkrise. Die Renditedifferenzen zwischen Schulden hoher und niedriger Qualität sind nicht einmal ein Bruchteil dessen gestiegen, wie wir das in richtigen Kreditverknappungen erlebt haben. Zudem ist die Renditedifferenz zwischen Tagesgeld (Fed Funds) und 30-Tagesgeld gewaltig. Das zeigt, dass Bargeld gehortet wird. Dies sind Mittel, die in Erwartung einer Kreditverknappung gehalten werden. Tatsächlich immunisiert dies jedoch die Gesellschaft gegen eine richtige Kreditverknappung. Derzeit sind die Leute ängstlich um der Angst willen. Das wirkt längerfristig kurstreibend.
Was passiert am Geldmarkt, wo es gerade hoch her geht?
Es gibt keinen wirklichen Druck auf die Zinssätze am Geldmarkt, dass sie sich sehr weit in die eine oder andere Richtung bewegen.
Klappt noch die eine oder andere Bank zusammen? Oder zumindest deren Gewinne?
Ja, wahrscheinlich, aber die Wirkungen werden nicht sehr ausgeprägt sein. Man kann das heute in London sehen. Wahrscheinlich schlägt dies auf andere Länder über, aber dies hat kaum den Effekt einer Seuche.
Senkt die EZB nächstes Jahr auch die Zinsen?
Dafür gibt es in diesem Jahr keinen besonderen Grund. Und bis zu einer Zinssenkung werden noch viele Monate ins Land gehen, derzeit ist die Wirtschaft jedenfalls ziemlich stark.
Die Fragen stellte Thomas Schmitt.
„Wir haben überhaupt keine Kreditkrise“
Investmentbanker und Milliardär Ken Fisher
19. September 2007
Ken Fisher ist einer der ungewöhnlichsten Vermögensverwalter in Amerika. Wer lässt sich schon gerne im Finanzgewerbe für „verrückt“ erklären? Der Amerikaner hat sogar seinen Spaß daran. Dann weiß er, dass er womöglich richtig tippt und mit einer Anlagestrategie noch Geld verdienen kann. Erst wenn alle verinnerlicht haben, was er früh entdeckt hat, muss er sich etwas Neues ausdenken. So redet er jedenfalls.
Natürlich irrt sich auch ein Ken Fisher gelegentlich mal. Doch unter dem Strich war das in den vergangenen 35 Jahren offenbar nicht so gravierend. Schließlich managt seine Vermögensverwaltung inzwischen 36 Milliarden Dollar, er selbst gehört zu den 300 reichsten Amerikanern und seit mehr als zwei Jahrzehnten zu den anerkanntesten Börsenkolumnisten in Amerika.
Fisher ist ein notorischer Börsenbulle - jüngst gab er die Prognose ab, der Dax habe ein Potential bis zu 12.000 Punkten. Was die Zinssenkung in Amerika bedeutet und was von der aktuellen Finanzkrise zu halten ist, sagt er im Gespräch mit FAZ.NET.
Was bedeutet die Zinssenkung der amerikanischen Notenbank für die Aktienmärkte?
Nicht viel. Wenn nun die Kosten für kurzfristiges Geld sinken, sollte das so oder so mit der gegenwärtigen Situation nicht viel zu tun haben. Es geht doch viel mehr um die Verfügbarkeit von langfristigen Krediten.
Ist die Krise bald vorbei und ist es überhaupt eine?
Wir haben überhaupt keine Kreditkrise. Die Renditedifferenzen zwischen Schulden hoher und niedriger Qualität sind nicht einmal ein Bruchteil dessen gestiegen, wie wir das in richtigen Kreditverknappungen erlebt haben. Zudem ist die Renditedifferenz zwischen Tagesgeld (Fed Funds) und 30-Tagesgeld gewaltig. Das zeigt, dass Bargeld gehortet wird. Dies sind Mittel, die in Erwartung einer Kreditverknappung gehalten werden. Tatsächlich immunisiert dies jedoch die Gesellschaft gegen eine richtige Kreditverknappung. Derzeit sind die Leute ängstlich um der Angst willen. Das wirkt längerfristig kurstreibend.
Was passiert am Geldmarkt, wo es gerade hoch her geht?
Es gibt keinen wirklichen Druck auf die Zinssätze am Geldmarkt, dass sie sich sehr weit in die eine oder andere Richtung bewegen.
Klappt noch die eine oder andere Bank zusammen? Oder zumindest deren Gewinne?
Ja, wahrscheinlich, aber die Wirkungen werden nicht sehr ausgeprägt sein. Man kann das heute in London sehen. Wahrscheinlich schlägt dies auf andere Länder über, aber dies hat kaum den Effekt einer Seuche.
Senkt die EZB nächstes Jahr auch die Zinsen?
Dafür gibt es in diesem Jahr keinen besonderen Grund. Und bis zu einer Zinssenkung werden noch viele Monate ins Land gehen, derzeit ist die Wirtschaft jedenfalls ziemlich stark.
Die Fragen stellte Thomas Schmitt.