EPIGENOMICS
Die ungenierte Werbeaktion von Morgan Stanley
Von Harald Grimm
Die Praktiken rufen Erinnerungen an die wilden New-Economy-Zeiten wach: Zuerst hatte Konsortialführer Morgan Stanley die Aktie des Börsenneulings Epigenomics durch massive Aufkäufe zu stützen versucht. Kurz danach überraschte der Morgan-Stanley-Analyst Daniel Mahony die Fachwelt mit einer euphorischen Studie.
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| Epigenomics: Stützungskäufe als Verlustgeschäft |
Hamburg/London - Mahony hatte das Papier in einer Erstbewertung mit dem Rating "Overweight" empfohlen und das Kursziel für Ende 2005 auf 18 Euro heraufgesetzt. Zum allgemeinen Erstaunen hatte er damit auch noch Erfolg: Viele Investoren ließen sich von Mahonys Optimismus anstecken. Die Epigenonics-Aktie
konnte den Abwärtstrend durchbrechen und deutlich zulegen. Das Papier kletterte innerhalb von einer Handelswoche um mehr als zehn Prozent. Auch heute notiert das Papier mit einem Plus von rund fünfeinhalb Prozent bei 6,65 Euro.
Angesichts des aktuellen Kursniveaus erscheint das Preisziel nach Ansicht von Börsianern jedoch reichlich "ambitioniert". Im Gespräch mit "manager-magazin.de" kontert Mahony solche Sorgen mit dem Hinweis auf die schwer zu kalkulierende Entwicklung im Biotechnologiebereich erklärt. Aufgrund der langen und kostenintensiven Investitionen bei gleichzeitig unsicheren Profitaussichten seien hohe Schwankungen zwischen dem aktuellen Aktienpreis und den errechneten Kurszielen möglich.
Umfangreiche Stabilisierungskäufe
Pikant daran ist allerdings, dass Epigenomics erst vorgestern in einer Pressemitteilung bekannt gab, dass Morgan Stanley als Konsortialführer seine "Stabilisierungsmaßnahmen" abgeschlossen habe. Die Investmentbank sei "im Rahmen des Börsengangs der Gesellschaft als Stabilisierungsmanager" tätig gewesen, hieß es. Bei Börsengängen ist es erlaubt, dass eine Bank in den ersten Tagen nach der Erstnotiz Kurspflege betreibt und so ein zu schnelles Absinken unter den Ausgabepreis verhindert.
Die von der Bank gewählte Preisspanne betrug 7,58 bis 9,00 Euro. Die letzten Geschäfte, die informierten Kreisen zufolge umfangreich gewesen sein sollen, wurden am 28. Juli getätigt. An dem Handelstag hat die Aktie auch zum letzten Mal auf diesem Niveau notiert. Schon einen Tag später fiel das Papier auf 7,50 Euro und bis Mitte August auf ein Rekordtief von 5,75 Euro. Im Klartext: Bislang waren die Stützungskäufe für Morgan Stanley ein Verlustgeschäft. Die Epigenomics-Aktie war am 19. Juli zu einem Ausgabepreis von 9,00 Euro gestartet und gleich am ersten Handelstag unter dieses Niveau gesunken.
Keine Absprachen
Dass die Epigenomics-Meldung und die Morgan-Stanley-Analyse so kurz nacheinander veröffentlicht wurden, erklären das Unternehmen und die Bank mit den Börsenregeln. Eine Absprache habe es nicht gegeben, sagte Epigenomics-Sprecher Hong Thieu gegenüber "manager-magazin.de". Ob noch andere Analysten derzeit an Epigenomics-Analysen arbeiten, konnte Hong nicht sagen. Allerdings stünden in den kommenden Wochen noch mehrere Treffen an.
In Analystenkreisen heißt es zu der Studie, Morgan Stanley wolle das Unternehmen nach Auslaufen der Stützungskäufe nicht fallen lassen und die Investoren bei Laune halten. Wie lange Morgan Stanley seinen Schützling noch unter die Lupe nehmen wird, konnte Analyst Mahony jedoch nicht genau sagen. Die Researcharbeit werde im Allgemeinen für einen "beträchtlichen Zeitraum" weitergeführt.
Derzeit beobachtet der Branchenspezialist von den am deutschen Markt notierten Biotechs noch Qiagen
und Medigene
, die er jeweils mit "Underweight" und "Overweight" einstuft.
"Wir sind zufrieden"
Epigenomics selbst ist mit der noch kurzen Börsenkarriere nach Angaben von Thieu zufrieden. Zwar habe die Aktie eine "unschöne" Kursentwicklung gezeigt, "aber in Relation zu anderen Biotech-Unternehmen und angesichts des schwierigen Zeitpunkts liegen wir noch im durchschnittlichen Rahmen".
Epigenomics hat sich nach eigenen Angaben das Ziel gesetzt, die Behandlungsmöglichkeiten von Krebs und anderen Erkrankungen zu verbessern. Dafür entwickelt das Unternehmen Testverfahren, mit denen auf Basis von Erbgutuntersuchungen Tumorzellen bereits in einem frühen Stadium festgestellt werden können. Sie sollen den Ärzten bei der Auswahl einer passenden Behandlungsmethode helfen.
Mag Epigenomics mit der Entwicklung seiner Technologie insbesondere im Bereich Darmkrebsuntersuchung auch weit vor der Konkurrenz liegen, so dürften die Diagnostik-Testverfahren aber frühestens 2007/2008 die Marktreife erreichen, schätzen Branchenexperten. Vorher sei mit Gewinnen nicht zu rechnen.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,314865,00.html