IM INTERVIEW: THOMAS TAAPKEN:
Marktpotenzial von fast 1 Mrd. Dollar
Epigenomics-Chef deutet Kapitalerhöhung zur Eroberung des US-Markts an
Börsen-Zeitung, 14.4.2016
- Herr Taapken, Gratulation für die FDA-Zulassung Ihres Mittels zur Darmkrebsfrüherkennung. Wie lange arbeiten Sie schon daran?
Vom Tag der Einreichung bei der FDA bis zur Zulassung waren es drei Jahre, drei Monate und drei Tage. Die ersten Patente gehen aber schon auf das Jahr 2006 zurück.
- Wie viele Kapitalerhöhungen wurden über all die Jahre benötigt?
Das kann ich Ihnen gar nicht sagen. Aber um die 70 Mill. Euro dürften da schon zusammengekommen sein.
- Wie geht es jetzt weiter? Mit viel Power und Kapitalbedarf für eine schnelle Entwicklung? Oder den arg überschaubaren Mitteln entsprechend eher gemächlich?
Wir müssen jetzt erst einmal sehen, wie sich die Aktie entwickelt. Wir haben noch nichts Konkretes festgelegt. Aber im Prinzip haben Sie schon recht: Wir haben die Möglichkeit, sehr vorsichtig vorzugehen oder kräftiger zu investieren. Wir hätten natürlich gerne eine schnelle Marktpenetration. Das heißt: Es wäre angemessen, hier noch mehr zu investieren. Andererseits wollen wir aber auch nicht nur als ein Einproduktunternehmen wahrgenommen werden. Wir haben schließlich noch andere sehr interessante Produkte in der Pipeline. Aber auch das kostet Geld.
- Mit dem gestrigen Kurssprung Ihrer Aktie ist eine Kapitalerhöhung näher gekommen?
Wir müssen sehen. Wir gehen aber davon aus, dass das eine Option ist, die wir sehr ernsthaft prüfen.
- Sie sind jetzt nach der FDA-Zulassung im US-Markt unterwegs. Wo sonst noch?
Wir haben eine europäische Zulassung. Und auch eine in China, wo wir mit einem Partner zusammenarbeiten. Wir glauben, dass die US-Zulassung Strahlkraft auf andere Märkte haben könnte.
- Was heißt das für den Umsatz?
Unsere Prognose für 2016 noch vor den genauen Zulassungsdetails hieß: 3 bis 7 Mill. Euro, nach 2 Mill. zuvor.
- Was für ein Marktvolumen sehen Sie für Epiprocolon?
Das Ziel der American Cancer Society bedeutet ein Potenzial von jährlich 2 Mrd. Dollar. Eine knappe Hälfte entfällt davon auf uns. Ein hoher dreistelliger Millionenbetrag ist das mittelfristige Potenzial.
- Was kommt nach der Darmkrebsfrüherkennung?
Wir haben in diesem Jahr erste klinische Studien für unser Lungenkrebsmittel geplant.
- Wann könnten diese bei der FDA eingereicht werden?
Sicher nicht vor der zweiten Hälfte 2017.
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Das Interview führte Ulli Gericke.