Fluggesellschaften
Jetblue-Aktie in heftigen Turbulenzen
24. Oktober 2003 Die Geschichte von Jetblue sucht selbst in Amerika ihresgleichen: Der Billigflieger mit Sitz in New York, der seine Maschinen vollständig mit Ledersitzen einschließlich Fernsehbildschirmen ausstattet und ein Flugzeugpaket nach dem anderen ordert, hat selbst in diesen schwierigen Zeiten seit dem „11. September“ einträglich gewirtschaftet. Während namhaften Branchengrößen wie American Airlines, Delta und Lufthansa-Partner United nur mühsam aus den roten Zahlen fliegen, steht Jetblue glänzend da.
Dies belegen die Daten zum dritten Geschäftsquartal: Der Umsatz der „low-cost-airline“ ist im Vergleich zum Vorjahr um gut zwei Drittel gestiegen. Und den Gewinn hat Jetblue mehr als verdoppelt. Doch die Börsianer ist manchmal undankbar und schütteln selbst ob solch grandioser Zahlen noch die Köpfe. Zwar hat die Fluggesellschaft die Prognosen von Analysten getroffen. Aber manche Anleger hatten noch bessere Zahlen erwartet. Und das schlägt in diesem Fall übel durch.
Seit Wochenmitte hat Jetblue an der Nasdaq in New York heftige Turbulenzen erlebt und fast 20 Prozent an Wert eingebüßt. Aktuell notiert das Papier mit 56,39 Dollar, das sind 8,75 Prozent weniger als am Donnerstag.
Analystenkritik an Investorenreaktion
Zu den Zahlen, die sich sehen lassen können: Die Umsätze der seit dem Jahr 2000 fliegenden Jetblue Airways Corporation stiegen im dritten Quartal auf 273,6 Millionen Dollar nach 165,3 Millionen Dollar vor Jahresfrist. Der Nettogewinn stieg auf 29 Millionen Dollar nach 12,2 Millionen Dollar, also auf das mehr als doppelte. Das Ergebnis je Aktie verbesserte sich auf 39 Cents nach 18 Cents sowie auf 1,19 Dollar nach 62 Cents auf Sicht von neun Monaten. Analysten hatten nach Angaben von Bloomberg News im Durchschnitt 38 Cents erwartet. Angesichts dieser Daten muß der stramme Kurssturz verwundern.
Doch Analyst James Corridore von Standard&Poor´s versucht ihn zu erklären: „Manche Anleger haben wohl gedacht, Jetblue würde die Prognosen meilenweit übertreffen, wenn selbst andere Fluggesellschaften ihre Ziele übertreffen und ein starkes Sommergeschäft hatten. So haben die Zahlen den Erwartungen praktisch entsprochen, was manche Investoren überrascht haben mag“, wird Corridore bei Bloomberg zitiert. Zudem sei einigen Anlegern wohl entgangen, daß Jetblue stark wache und sein Passagieraufkommen zu Lasten anderer Airlines um 75 Prozent gesteigert habe - obwohl die Nachfrage nach Flugscheinen schwächer sei als im Jahr, fügte er mit kritischem Unterton hinzu.
Auch bei den Kosten fliegt Jetblue der Konkurrenz voraus
Anleger haben sich offenbar an der Aussage von Jetblue gestoßen, im September einen kleinen Verlust im Tagesgeschäft eingeflogen zu haben. Der Vorstand hält aber dagegen: „Der September war so lausig, wie wir ihn immer erwarten.“ Trotz dieser Schwäche hat Jetblue im dritten Quartal 72 Prozent mehr Passagiere befördert als vor Jahresfrist. Die Kosten je Sitz und Meile sind trotz gestiegener Spritpreise um 7,7 Prozent auf 5,92 Cents gefallen. Zum Vergleich: Billigflieger Southwest zahlt 7,51 Cents je Sitz und Meile, Branchenriese American 9,43 Cents und Delta sogar 10,21 Cents.
Zudem äußert sich der Vorstand zuversichtlich über das weitere Wachstum, zu dem auch ein Ausbau der Flüge von Boston aus helfen soll; bisher nutzt Jetblue nur den Heimatflughafen John F. Kennedy (JFK) in New York als Drehkreuz. Die Buchungen für die nächsten beiden Monaten zeigten eine „bescheidene Verbesserung“ gegenüber der gleichen Zeit vor einem Jahr. Manche Investoren mögen diese Äußerung als Hinweis sehen, daß das Wachstum von Jetblue sich abschwächen könnte.
Kurzfristiger Aufwärtstrend beschädigt
S&P-Analyst Corridore merkt an, der Preis der Aktie von Jetblue habe in der jüngeren Vergangenheit für „erstaunliche Dinge“ gesorgt. Anders gesagt: Er ist so steil gestiegen wie der Gewinn des Unternehmens. Binnen Jahresfrist ist er um 132 Prozent geklettert, vor dem jüngsten Absturz waren es sogar 191 Prozent gewesen. Infolge dessen bewegt sich Jetblue in einem langfristigen Aufwärtstrend. Der mittelfristige Aufwärtstrend wäre erst bei einem Kurs von 45,50 Dollar unterschritten. Doch kurzfristig, also auf drei Monate gesehen hat die Aktie einen technischen Schaden erlitten.
Dies könnte ein Grund für die heftigen Kursreaktionen sein. Falls es so ist, stellt sich die, wie lange dieser nachwirkt. Offen ist auch, ob sich Anleger auf einmal an dem ambitionierten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 41 stören, da zumindest bis Wochenmitte keine Bremsfunktion auf den Kurshöhenflug hatte. Nicht vergessen werden sollte, daß bei anderen Fluggesellschaften das KGV mangels Gewinnen negativ ist, was als Argument für Jetblue gedreht werden kann. Doch sich gegen den Markt zu stellen, ist riskant bis sinnlos. Insofern sollten Anleger, die mit diesem Titel geliebäugelt, ihn aber nicht erworben haben, die weiteren Kursreaktionen abwarten. Dann läßt sich auch die Frage beantworten, ob der Kurs ausreichend abgestürzt ist, um als richtige Einstiegshöhe gelten zu können.
faz.de
Jetblue-Aktie in heftigen Turbulenzen
24. Oktober 2003 Die Geschichte von Jetblue sucht selbst in Amerika ihresgleichen: Der Billigflieger mit Sitz in New York, der seine Maschinen vollständig mit Ledersitzen einschließlich Fernsehbildschirmen ausstattet und ein Flugzeugpaket nach dem anderen ordert, hat selbst in diesen schwierigen Zeiten seit dem „11. September“ einträglich gewirtschaftet. Während namhaften Branchengrößen wie American Airlines, Delta und Lufthansa-Partner United nur mühsam aus den roten Zahlen fliegen, steht Jetblue glänzend da.
Dies belegen die Daten zum dritten Geschäftsquartal: Der Umsatz der „low-cost-airline“ ist im Vergleich zum Vorjahr um gut zwei Drittel gestiegen. Und den Gewinn hat Jetblue mehr als verdoppelt. Doch die Börsianer ist manchmal undankbar und schütteln selbst ob solch grandioser Zahlen noch die Köpfe. Zwar hat die Fluggesellschaft die Prognosen von Analysten getroffen. Aber manche Anleger hatten noch bessere Zahlen erwartet. Und das schlägt in diesem Fall übel durch.
Seit Wochenmitte hat Jetblue an der Nasdaq in New York heftige Turbulenzen erlebt und fast 20 Prozent an Wert eingebüßt. Aktuell notiert das Papier mit 56,39 Dollar, das sind 8,75 Prozent weniger als am Donnerstag.
Analystenkritik an Investorenreaktion
Zu den Zahlen, die sich sehen lassen können: Die Umsätze der seit dem Jahr 2000 fliegenden Jetblue Airways Corporation stiegen im dritten Quartal auf 273,6 Millionen Dollar nach 165,3 Millionen Dollar vor Jahresfrist. Der Nettogewinn stieg auf 29 Millionen Dollar nach 12,2 Millionen Dollar, also auf das mehr als doppelte. Das Ergebnis je Aktie verbesserte sich auf 39 Cents nach 18 Cents sowie auf 1,19 Dollar nach 62 Cents auf Sicht von neun Monaten. Analysten hatten nach Angaben von Bloomberg News im Durchschnitt 38 Cents erwartet. Angesichts dieser Daten muß der stramme Kurssturz verwundern.
Doch Analyst James Corridore von Standard&Poor´s versucht ihn zu erklären: „Manche Anleger haben wohl gedacht, Jetblue würde die Prognosen meilenweit übertreffen, wenn selbst andere Fluggesellschaften ihre Ziele übertreffen und ein starkes Sommergeschäft hatten. So haben die Zahlen den Erwartungen praktisch entsprochen, was manche Investoren überrascht haben mag“, wird Corridore bei Bloomberg zitiert. Zudem sei einigen Anlegern wohl entgangen, daß Jetblue stark wache und sein Passagieraufkommen zu Lasten anderer Airlines um 75 Prozent gesteigert habe - obwohl die Nachfrage nach Flugscheinen schwächer sei als im Jahr, fügte er mit kritischem Unterton hinzu.
Auch bei den Kosten fliegt Jetblue der Konkurrenz voraus
Anleger haben sich offenbar an der Aussage von Jetblue gestoßen, im September einen kleinen Verlust im Tagesgeschäft eingeflogen zu haben. Der Vorstand hält aber dagegen: „Der September war so lausig, wie wir ihn immer erwarten.“ Trotz dieser Schwäche hat Jetblue im dritten Quartal 72 Prozent mehr Passagiere befördert als vor Jahresfrist. Die Kosten je Sitz und Meile sind trotz gestiegener Spritpreise um 7,7 Prozent auf 5,92 Cents gefallen. Zum Vergleich: Billigflieger Southwest zahlt 7,51 Cents je Sitz und Meile, Branchenriese American 9,43 Cents und Delta sogar 10,21 Cents.
Zudem äußert sich der Vorstand zuversichtlich über das weitere Wachstum, zu dem auch ein Ausbau der Flüge von Boston aus helfen soll; bisher nutzt Jetblue nur den Heimatflughafen John F. Kennedy (JFK) in New York als Drehkreuz. Die Buchungen für die nächsten beiden Monaten zeigten eine „bescheidene Verbesserung“ gegenüber der gleichen Zeit vor einem Jahr. Manche Investoren mögen diese Äußerung als Hinweis sehen, daß das Wachstum von Jetblue sich abschwächen könnte.
Kurzfristiger Aufwärtstrend beschädigt
S&P-Analyst Corridore merkt an, der Preis der Aktie von Jetblue habe in der jüngeren Vergangenheit für „erstaunliche Dinge“ gesorgt. Anders gesagt: Er ist so steil gestiegen wie der Gewinn des Unternehmens. Binnen Jahresfrist ist er um 132 Prozent geklettert, vor dem jüngsten Absturz waren es sogar 191 Prozent gewesen. Infolge dessen bewegt sich Jetblue in einem langfristigen Aufwärtstrend. Der mittelfristige Aufwärtstrend wäre erst bei einem Kurs von 45,50 Dollar unterschritten. Doch kurzfristig, also auf drei Monate gesehen hat die Aktie einen technischen Schaden erlitten.
Dies könnte ein Grund für die heftigen Kursreaktionen sein. Falls es so ist, stellt sich die, wie lange dieser nachwirkt. Offen ist auch, ob sich Anleger auf einmal an dem ambitionierten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 41 stören, da zumindest bis Wochenmitte keine Bremsfunktion auf den Kurshöhenflug hatte. Nicht vergessen werden sollte, daß bei anderen Fluggesellschaften das KGV mangels Gewinnen negativ ist, was als Argument für Jetblue gedreht werden kann. Doch sich gegen den Markt zu stellen, ist riskant bis sinnlos. Insofern sollten Anleger, die mit diesem Titel geliebäugelt, ihn aber nicht erworben haben, die weiteren Kursreaktionen abwarten. Dann läßt sich auch die Frage beantworten, ob der Kurs ausreichend abgestürzt ist, um als richtige Einstiegshöhe gelten zu können.
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