Aus der FTD vom 20.12.2001
Die Handyrechnung wird zur Geldquelle
Von Oliver Wihofszki, Hamburg
UMTS lässt den Markt für Mobilfunk-Abrechnungssoftware rasant wachsen, jedoch können viele kleine Anbieter nicht mithalten.
Mobilfunkkonzerne wie T-Mobil, Viag Interkom oder Vodafone würden ohne spezielle Abrechnungssoftware keine müde Mark sehen. Erst dank der so genannten Billing-Programme wird beispielsweise bei Talkline aus einem 59 Sekunden langen Inlandsgespräch ins Festnetz ein Posten von 13 Pfennig auf der Rechnung.
Der Markt für derartige Abrechnungssoftware wird in den kommenden Jahren stark wachsen. Laut der Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein profitieren die Hersteller von Billing-Programmen zum einen vom Aufbau der neuen Mobilfunkgeneration UMTS - die neuen Anwendungen machen die Abrechnung der Leistungen immer komplizierter. Zum anderen gewinnen sie Aufträge durch den allgemein zunehmenden Telekommunikationsverkehr.
Das Beratungs- und Marktforschungsunternehmen Meta Group rechnet damit, dass die Anbieter von Abrechnungssoftware im Jahr 2005 weltweit Software für 2,7 Mrd. $ verkaufen. In diesem Jahr sind nach Schätzungen der Meta Group lediglich Programme für 726 Mio. $ über den Ladentisch gegangen. Der Umsatz mit neuer Software werde aber bis 2005 jedes Jahr durchschnittlich um 44,2 Prozent wachsen.
Viele Anbieter
Von solchen in der IT-Industrie selten gewordenen Wachstumsraten profitieren Anbieter wie Amdocs, Convergys oder Portal Software. Neben den Großen der Branche gibt es zudem unzählige kleinere Hersteller wie etwa das Kölner Unternehmen Telesens KSCL, das am Neuen Markt notiert ist.
All diese Firmen stellen hoch komplizierte Software her, die jedes Telefongespräch sekundengenau abrechnen und dem jeweiligen Tarif zuordnen kann. Darüber hinaus müssen Billing-Programme auch in der Lage sein, Gespräche zwischen zwei verschiedenen Mobilfunknetzen - beispielsweise zwischen dem D1- und D2-Netz - abrechnen können. Dieses so genannte Roaming stellte die Anbieter lange Zeit vor erhebliche technische Probleme und verzögerte sogar die Einführung solcher netzübergreifenden Gespräche. Mittlerweile ist das Problem zwar gelöst, aber auf die Branche wartet bereits die nächste Herausforderung: der neue Mobilfunkstandard UMTS.
Wenn nämlich mit dem Handy zukünftig nicht mehr nur telefoniert, sondern auch im Internet gesurft wird, dann müssen die Anbieter von Billing-Software ihre Programme auf noch kompliziertere Rechenvorgänge einstellen. Daten, Filme und Musik aus dem Internet werden dabei nicht nach Zeittakten abgerechnet, sondern nach der übertragenen Datenmenge oder sogar der Qualität der jeweiligen Datenübertragung - eine Chance für Billing-Anbieter.
Marktbereinigung durch UMTS
Doch nur für die, die gut gerüstet sind. Denn die Software auf den neuen Stand zu bringen kostet viel Geld. Gerade kleine Firmen werden bei der Umstellung auf die UMTS-Dienste auf der Strecke bleiben. "Der Markt ist jung. Es gibt sehr viele Firmen, von denen nur die wenigsten überleben werden. Die Konsolidierung ist bereits in vollem Gange", beschreibt Meta-Group-Berater Frank Naujoks die Situation der Branche.
Moritz Gerke, Chef der Kölner Telesens KSCL geht davon aus, "dass vielleicht zwei oder drei Große übrig bleiben". Der Rest werde geschluckt, gehe Bankrott oder könnte vielleicht als kleiner Nischenanbieter überleben. Auch sein eigenes Unternehmen, das nach Gerkes Angaben weltweit einen Marktanteil von etwa zwei Prozent hat, sieht der Telesens-Chef als Übernahmekandidaten: "Wenn jemand mit dem richtigen Angebot kommt, werden wir das prüfen." Konkrete Angaben machte er nicht, doch fügt Gerke süffisant hinzu: "Zurzeit spricht in der Branche sowieso jeder mit jedem."
Am Ende bleiben wohl die Großen der Branche wie Amdocs mit einem Jahresumsatz von 1,53 Mrd. $ oder Convergys mit 2,16 Mrd. $ Umsatz übrig. Amdocs-Software ist beispielsweise bei Talkline, D2 Vodafone, E-Plus oder T-Mobil im Einsatz. Convergys hat nach eigenen Angaben am US-Markt einen Anteil von 41 Prozent und Kunden wie AT&T Wireless, Sprint oder Verizon Wireless.
© 2001 Financial Times Deutschland
Die Handyrechnung wird zur Geldquelle
Von Oliver Wihofszki, Hamburg
UMTS lässt den Markt für Mobilfunk-Abrechnungssoftware rasant wachsen, jedoch können viele kleine Anbieter nicht mithalten.
Mobilfunkkonzerne wie T-Mobil, Viag Interkom oder Vodafone würden ohne spezielle Abrechnungssoftware keine müde Mark sehen. Erst dank der so genannten Billing-Programme wird beispielsweise bei Talkline aus einem 59 Sekunden langen Inlandsgespräch ins Festnetz ein Posten von 13 Pfennig auf der Rechnung.
Der Markt für derartige Abrechnungssoftware wird in den kommenden Jahren stark wachsen. Laut der Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein profitieren die Hersteller von Billing-Programmen zum einen vom Aufbau der neuen Mobilfunkgeneration UMTS - die neuen Anwendungen machen die Abrechnung der Leistungen immer komplizierter. Zum anderen gewinnen sie Aufträge durch den allgemein zunehmenden Telekommunikationsverkehr.
Das Beratungs- und Marktforschungsunternehmen Meta Group rechnet damit, dass die Anbieter von Abrechnungssoftware im Jahr 2005 weltweit Software für 2,7 Mrd. $ verkaufen. In diesem Jahr sind nach Schätzungen der Meta Group lediglich Programme für 726 Mio. $ über den Ladentisch gegangen. Der Umsatz mit neuer Software werde aber bis 2005 jedes Jahr durchschnittlich um 44,2 Prozent wachsen.
Viele Anbieter
Von solchen in der IT-Industrie selten gewordenen Wachstumsraten profitieren Anbieter wie Amdocs, Convergys oder Portal Software. Neben den Großen der Branche gibt es zudem unzählige kleinere Hersteller wie etwa das Kölner Unternehmen Telesens KSCL, das am Neuen Markt notiert ist.
All diese Firmen stellen hoch komplizierte Software her, die jedes Telefongespräch sekundengenau abrechnen und dem jeweiligen Tarif zuordnen kann. Darüber hinaus müssen Billing-Programme auch in der Lage sein, Gespräche zwischen zwei verschiedenen Mobilfunknetzen - beispielsweise zwischen dem D1- und D2-Netz - abrechnen können. Dieses so genannte Roaming stellte die Anbieter lange Zeit vor erhebliche technische Probleme und verzögerte sogar die Einführung solcher netzübergreifenden Gespräche. Mittlerweile ist das Problem zwar gelöst, aber auf die Branche wartet bereits die nächste Herausforderung: der neue Mobilfunkstandard UMTS.
Wenn nämlich mit dem Handy zukünftig nicht mehr nur telefoniert, sondern auch im Internet gesurft wird, dann müssen die Anbieter von Billing-Software ihre Programme auf noch kompliziertere Rechenvorgänge einstellen. Daten, Filme und Musik aus dem Internet werden dabei nicht nach Zeittakten abgerechnet, sondern nach der übertragenen Datenmenge oder sogar der Qualität der jeweiligen Datenübertragung - eine Chance für Billing-Anbieter.
Marktbereinigung durch UMTS
Doch nur für die, die gut gerüstet sind. Denn die Software auf den neuen Stand zu bringen kostet viel Geld. Gerade kleine Firmen werden bei der Umstellung auf die UMTS-Dienste auf der Strecke bleiben. "Der Markt ist jung. Es gibt sehr viele Firmen, von denen nur die wenigsten überleben werden. Die Konsolidierung ist bereits in vollem Gange", beschreibt Meta-Group-Berater Frank Naujoks die Situation der Branche.
Moritz Gerke, Chef der Kölner Telesens KSCL geht davon aus, "dass vielleicht zwei oder drei Große übrig bleiben". Der Rest werde geschluckt, gehe Bankrott oder könnte vielleicht als kleiner Nischenanbieter überleben. Auch sein eigenes Unternehmen, das nach Gerkes Angaben weltweit einen Marktanteil von etwa zwei Prozent hat, sieht der Telesens-Chef als Übernahmekandidaten: "Wenn jemand mit dem richtigen Angebot kommt, werden wir das prüfen." Konkrete Angaben machte er nicht, doch fügt Gerke süffisant hinzu: "Zurzeit spricht in der Branche sowieso jeder mit jedem."
Am Ende bleiben wohl die Großen der Branche wie Amdocs mit einem Jahresumsatz von 1,53 Mrd. $ oder Convergys mit 2,16 Mrd. $ Umsatz übrig. Amdocs-Software ist beispielsweise bei Talkline, D2 Vodafone, E-Plus oder T-Mobil im Einsatz. Convergys hat nach eigenen Angaben am US-Markt einen Anteil von 41 Prozent und Kunden wie AT&T Wireless, Sprint oder Verizon Wireless.
© 2001 Financial Times Deutschland