Jedes erfolgreiche Vorhaben braucht einen Plan. Und am Anfang eines jeden Planes steht die Suche nach einem Ziel. Auch wenn sich dieser Schritt nach einer einfachen Übung anhört, wird er oft gewaltig unterschätzt. Eine Floskel wie: "Ich will mit möglichst wenig Aufwand möglichst viel Geld mit Aktienhandel verdienen", klingt zwar äußerst motivationsfördernd, ist aber bei genauerer Betrachtung kaum als Ziel geeignet. Allein die Frage, was man unter wenig Aufwand oder viel Geld versteht, wird sich wohl objektiv kaum beantworten lassen. Es ist also nötig, Anlageziele zu konkretisieren.
Wie viel Zeit kann man für das eigene Börsenengagement opfern? Dabei sollte stets bedacht werden, dass die anfängliche Begeisterung womöglich abflaut und man zeitaufwändige Aufgaben später als lästig empfindet. Unmittelbar mit der verfügbaren Zeit verbunden ist auch der Anlagestil. Wenn man sein Portfolio nur einmal im Monat verändern möchte, wird man einen wesentlich geringeren Zeitaufwand haben als jemand, der jeden Tag seine Entscheidungen überdenkt. Ich bin an dieser Stelle sicher nicht repräsentativ, denn mich hat das Börsenfieber gepackt und ich verbringe seit Jahren mehrere Stunden mit der Beobachtung der Märkte. Für einen sehr aktiven Handelsstil, bei dem die Entscheidungen täglich nach Handelsschluss getroffen werden, sollte jedoch ein Zeitpensum von acht Stunden pro Woche ausreichen. Davon ließe sich während der Wochentage je eine Stunde für das tägliche Research verwenden. Die restlichen drei Stunden könnten am Wochenende für umfangreichere Recherchen verwendet werden.
Nachdem der erste Teil des Ziels definiert ist, sollten man sich schnell dem zweiten Teil zuwenden. Schließlich ging es ja ursprünglich darum, hohe Börsengewinne zu erzielen. Auch hier sollten die eigenen Vorstellungen genau spezifiziert werden. Da "so viel wie möglich" wieder ein Ziel ist, das zwar die Phantasie positiv stimuliert aber nicht überprüfbar ist, sollte man sich auf eine Zahl festlegen.
Da selbst mit durchschnittlichen Investmentfonds langfristig 10 bis 15 Prozent Rendite erreichbar sind, sollte man sich vielleicht schon ein wenig mehr als diese Marke vornehmen. Immerhin gilt zu bedenken, dass man Gewinne im Falle von Investmentfonds völlig stressfrei einfährt. Dort trifft schließlich der Fondsmanager die Handelsentscheidungen. Will man allerdings für den Erfolg selbst etwas tun, sollten die Ansprüche an den Erfolg auch deutlich höher sein. Oder arbeiten Sie gern umsonst?
Sollten man daran zweifeln, dass man in der Lage ist, die Anlageprofis eines Investmentfonds in punkto Performance zu schlagen, kann ich Sie beruhigen. Die Arbeit eines Fondsmanagers ist um ein Vielfaches schwerer. Viele Fonds sind auf Grund ihrer Anlagepolitik verpflichtet, immer zu einem hohen Teil des Kapitals investiert zu sein. Man selbst hingegen kann das eigene Depot nach Belieben leeren und füllen. Auch das Verhalten der Fondsanleger zwingt die Fonds oft zu unwirtschaftlichen Aktionen. Gerade in Euphoriephasen der Börsen sind die Mittelzuflüsse zu Aktienfonds überdurchschnittlich hoch. In Phasen tiefer Depression hingegen sind oft Mittelabflüsse zu verzeichnen. Um Liquidität für Rückzahlungen zu schaffen, ist der Fondsmanager in dieser Situation zu Verkäufen gezwungen. Auch das große Anlagevolumen macht dem Fondsmanager zu schaffen. Während man selbst kleine Positionen innerhalb weniger Sekunden sowohl aufbauen als auch liquidieren kann, braucht ein Manager eines millardenschweren Fonds oft Tage oder Wochen dafür. Es wird also deutlich: Der eigene Vorteil liegt vor allem in der absoluten Entscheidungsfreiheit, Schnelligkeit und Beweglichkeit.
Was wäre das Leben ohne Träume? Es ist an der Zeit, die Phantasie schweifen zu lassen und sich vor Augen zu führen, wie das Ergebnis des Planes aussieht. Und da Menschen im Allgemeinen furchtbar vergesslich sind, sollte man die Gedanken zu Papier bringen, um auch später noch nachprüfen zu können, ob Ziele erreicht oder wichtige Teilziele bewältigt wurden. Solch eine Zielvorstellung kann man recht anschaulich in einer Tabelle darstellen. Anhand dieser Aufstellung kann man später auf einen Blick den Erfolg oder Misserfolg nachvollziehen. Wir gehen an dieser Stelle vom Beispielanleger Herrn Werdreich aus. Herr Werdreich hat sich als Ziel gesetzt, mit einem Zeitaufwand von rund 360 Stunden im Jahr eine Rendite von 30 Prozent zu erzielen. Dieses Ziel ist zwar recht ambitioniert, aber Herr Werdreich will seine kostbare Freizeit nur unter der Bedingung opfern, dass er solch hohe Renditen erzielen kann. Andernfalls würde er seine Anlageentscheidungen einem Investmentfonds anvertrauen. Sein Startkapital beträgt 10.000 Euro. Das sollte genug sein, um ihm einen ansehnlichen Gewinn zu erwirtschaften, aber glücklicherweise zu wenig, um ihm dem wohl verdienten Nachtschlaf zu rauben:
Plan Herr Werdreich
Anfangskapital: 10.000 Euro
Rendite: 30 Prozent pro Jahr
Aufwand: 360 Stunden pro Jahr
Jahr Gewinn Verdienst pro Stunde Kapital
1 3000 8,3 13.000
2 3900 10,8 16.900
3 5070 14,1 21.970
4 6591 18,3 28.561
5 8568 23,8 37.129
6 11139 30,9 48.268
7 14480 40,2 62.748
8 18825 52,3 81.573
9 24471 67,9 106.044
10 31814 88,3 137.858
Während Herr Werdreich anfangs für den Lohn eines lausigen Schülerjobs arbeitet, kann sich seine Aufwand-Nutzen-Relation auf lange Sicht durchaus sehen lassen. Man sollte sich also ein klares Ziel setzen. Man sollte festlegen, innerhalb welches Zeitraumes und mit welchem Zeitaufwand man welchen Wertzuwachs erzielen möchte. Nur so lässt sich später nachprüfen, ob eine Strategie erfolgreich ist und sich der Zeitaufwand rentiert.
Greetz