Zunächst der Artikel (Auszug), unten mein Kommentar:
www.welt.de/finanzen/article212506543/...n-Dollar-fallen.html
...Zwar ließ Fed-Chef Jerome Powell wie erwartet die Zinsen unverändert im Band zwischen null und 0,25 Prozent. Doch eine andere Maßnahme ließ aufhorchen. Die Fed kündigte an, ihre Fazilitäten für die Dollar-Liquidität von ausländischen und internationalen Notenbanken bis zum 31. März 2021 zu verlängern.
Diese Rettungsmaßnahme war im März 2020 eingerichtet worden, um den globalen Hunger nach Dollar zu stillen. Ausländische Notenbanken wie die Europäische Zentralbank (EZB), die selber keine Dollars drucken können, sollten sich problemlos über sogenannte Swap-Geschäfte „Greenback“ besorgen können, um diese dann unkompliziert an die heimischen Geschäftsbanken weiterzureichen.
Eigentlich sollte diese Maßnahme im September auslaufen, und es gab auch keinen Anlass, diese Liquiditätshilfen zu verlängern. Zuletzt hatten EZB & Co. die Swap-Kredite deutlich reduziert. Experten werteten das als versteckten Hinweis an die Märkte, durch eine üppige Versorgung der Finanzmärkte mit Dollar die eigene Währung weiter abzuwerten.
„Die Entscheidung der Fed, ihre befristeten Dollar-Kreditlinien bis zum 31. März 2021 zu verlängern, war eine kleine Überraschung. Obwohl sich der Devisenmarkt vollständig normalisiert hat, ist die Fed bereit, die Dollar-Liquidität für einen längeren Zeitraum reichlich zu halten“, hieß es in einer Analyse der amerikanischen Großbank Citi.
„Die heutige Aktion der Fed untermauert unsere Auffassung, dass die Zentralbank weiterhin bereit ist, in Zeiten wirtschaftlicher Nöte der globale Kreditgeber von Dollar zu sein. Das bestärkt uns in unserer negativen Prognose für den Dollar.“ Die Citi erwartet, dass der Euro zur US-Devise auf 1,20 Dollar aufwerten wird.
(Für mich ist diese Aussage der Citi-Analysten ein schreiender Widerspruch! A.L.)
Die Fed-Aktion kommt zu einem kritischen Zeitpunkt für den Dollar. Die Weltleitwährung gilt als angeschlagen. Das politische Missmanagement der Corona-Krise, der kalte Krieg mit China sowie die Unsicherheit vor den anstehenden Präsidentschaftswahlen haben der US-Devise zugesetzt.
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A.L.: Der Dollar ist die unangefochtene Weltleitwährung. Viele Banken außerhalb USA haben Kredite in Dollar vergeben. Als im März das Corona-Chaos losbrach, gerieten diese Banken durch Liquiditätsengpässe, Kreditausfälle und Margin Calls unter Druck. Die EZB aber kann z. B. der Deutschen Bank normalerweise keine Dollars als Nothilfen bereitstellen, nur Euros. Deshalb sprang die Fed ein und lieferte o.g. "Fazilitäten für die Dollar-Liquidität von ausländischen und internationalen Notenbanken".
Diese Fazilitäten wurden gestern von der Fed bis zum 31. März verlängert. Ich interpretiere dies so, dass die Fed auch weiterhin liquiditätsbedingte Probleme im außeramerikanischen Bankensystem vermeiden will. Für den Dollar ist das mMn eher bullisch als bärisch. Es ist ein Bekenntnis der Fed zum starken Dollar und dient dem Erhalt seines Status als Weltleitwährung.
Für die Aktienmärkte könnte es hingegen ein bärisches Indiz sein, eben weil die Fed offenbar damit rechnet, dass es krisenbedingt zu weiteren Dollarengpässen im internationalen Finanzsystem kommen könnte. 80 % aller Handelsverträge auf der Welt werden in US-Dollar abgeschlossen.
Was Citi sich im obigen Welt-Artikel zusammenspinnt, hat die übliche kontraindikative Qualität. Es ist Kraftfutter für Trendfolge-Deppen.