ist mMn ein "risk-off"-Trade.
Bei Wirtschaftproblemen aller Art wird die Sicherheit des US-Dollars gesucht. Das galt sogar 2008, obwohl die Bankenkrise von USA ausging. Im von der Lehman-Pleite geprägten zweiten Halbjahr 2008 fiel EUR/USD von 1,60 im Sommer auf 1,25 im Herbst. US-Öl fiel von 145 auf 30 Dollar. Und der SP-500 hat sich fast halbiert.
Es gab viele Analysten und "Marktversteher", die die unverkennbare Korrelation zwischen diesen synchronen Abwärtsbewegungen in Kausalitäten umzudichten versuchten. Sprich: die sich der Wörtchens "weil" bedienten. In der Rohstoffblase der ersten Jahreshälfte 2008 hieß es ja landauf landab, der US-Dollar "wird wertlos" Und "deshalb" würden Anleger scharenweise in die "Sicherheit von Rohstoffen" flüchten. Rohstoffe seien "abwertungssicher". Ergänzend wurde beim Öl ein riesiger zukünftiger Bedarf kombiniert mit Knappheit durch Quellenversiegen ("Oil peak") herbeifabuliert. Faktisch gab und gibt es weder das eine noch das andere.
Hier im Forum war die ID biomuell der penetranteste Verfechter dieser wortwörtlich kruden (crude = Öl) "Peak-Oil"-These, die übrigens bereits im Jahr 1956 vom US-Geologen Marion King Hubbert ersonnen wurde. Ich hatte die Peak-Oil-These 2008 als Wall-Street-Hütchentrick zum Erzeugen einer Rohstoffblase kritisiert:
https://www.ariva.de/forum/lemmings-anti-rohstoff-thread-340852
Die Marktversteher in den Börsenbriefen dichteten damals, unterstützt von Wall Street, dass Öl und Rohstoffe Anfang 2008 gestiegen seien, "weil" der Dollar wertlos wurde. Und als dann im zweiten Halbjahr eigentlich ALLES fiel (Vorläufer der Everything-Blase platzte - ex US-Staatsanleihen), wurde immer noch weiter argumentiert, der Dollar würde stärker, "weil" die Ölnachfrage krisenbedingt nachgelassen hätte. Denn wenn jemand erst mal eine Spin-Story bzw. ein "Schema F" in die Welt gesetzt hat, beißt er sich gern darin fest. Passende "Gründe" lassen sich immer zusammenklauben.
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Tatsache bleibt, dass der US-Dollar auch unter Trump die Weltleitwährung bleibt, und die US-Märkte sind und bleiben wegen ihres großen Volumens die liquidesten. Das ist in Krisen aller Art ein großer Vorteil. Andernorts kann dann nämlich die Liquidität eintrocknen, was zu riesigen Spreads führt (d.h. wer verkaufen will, macht durch den großen Spread noch Extraverluste).
Gestern hat die Fed nicht wie von Wall Street und Trump erwartet "geliefert". Beim Leitzins gab es nur -25 Basispunkte statt der erhofften -50. Dass die Börsen daraufhin fielen, lag (man verzeihe mir diese Kausalitätsbehauptung) in erste Linie an der Tatsache, dass die Everything-Blase weniger stark aufgepumpt werden kann, wenn die US-Zinsen hoch bleiben. Im Vorfeld der Fed-Sitzung hatten sich viele Akteure aber bereits für -0,5 % positioniert.
Der gestrige Abverkauf an der Börsen (s. u.) und beim Euro (nahe 1,10) dürfte in erster Linie, wie eingangs formuliert, eine "risk-off"-Reaktion gewesen sein. Deshalb fiel auch der Euro mit, er ist eine Weichwährung in spe. Mit Zinsgefälle etc. hat das weniger zu tun als mit Markttechnik und Risikovermeidungs-Strategien.
(Verkleinert auf 93%)

