(und der Gegenpol zum Paradies des Herrn Gegenpol)
Es stimmt, mit QE und ZIRP lässt sich im Zeitalter der Unterauslastung der Volkswirtschaften jede beliebige Asset-Blase aufpumpen. Dies wird sogar mit Gewinnsteigerungen hinterlegt - trotz steigender Kurse.
Das Paradies klingt wie Zauberei. Hatte ich schon im Beitrag
http://www.ariva.de/forum/...ilungsfrage-472111?page=306#jump15779418thematisiert bzw. ironisiert. Doch wo liegt die Grundlage des (scheinbaren) Erfolges und was ist die Konsequenz? Die Konsequenz ist der Stillstand. Dieser kündigt sich mit Marktaustrocknung an.
"Zu alter Zeit", also zu der Zeit, in der "noch nicht alles anders" war, musste ein Unternehmen einen Brutto-Mindestertrag von 12% - 20% auf das Gesamtkapital schaffen, um bestehen zu können. Die Abschreibungen (inklusive Instandhaltungen und ständiger Anpassung mit Teilmodernisierung) können mit 8% pro Jahr angesetzt werden, ebenso wird bei 50% Fremdkapital und absolut üblichen (eher niedrigen) 8% Zins auf das Fremdkapital ein Bruttoertrag von 12% komplett aufgebraucht. M.a.W: Das Unternehmen, 1000 Mio. wert, brauchte 120 p.a., um überhaupt den Kapitalerhalt zu erreichen. Angenommen, Bruttoertrag läge bei 15% , also 150 Mio. - das würde in 3% Nettogewinn also 30 Mio p.a. (vor Steuern) resultieren. Wir wissen aber, dass Unternehmen i.d.R. wesentlich höhere Gewinne erzielten - also muss der Bruttoertrag noch wesentlich höher gewesen sein.
"Im New Normal" sei das Unternehmen nun dank Bernanke, Gegenpol & Co. auf 10.000 Mio hochgezockt worden und würde auf diesen "Asset-Wert" ein 8% 'Ergebnis erzielen. Ein schöner Traum, und er rechnet sich auch, denn: Die Abschreibung beliefe sich weiter auf die ursprüngliche Situation, ebenso die Kosten für Fremdkapital. 120 Mio Kosten inkl. Abschreibung stehen nun 800 Mio Einnahmen gegenüber. Es winken 680 Mio Gewinn und 6,8% Rendite auf das "neue" Kapital. Zudem stünde bei Umschuldung Fremdkapital nun für 2% zur Verfügung. Das würde die Bilanz um weitere 40 Mio steigern. Schon sind wir bei 720 Mio - also 7,2 % vor Steuern
Die Verhältnisse - dem Bernank sei Dank - sind nun so wunderbar geworden, dass das Unternehmen seinen Betrieb weitgehend einstellen wird. Denn die Refinanzierung, d.h. Wiederbeschaffung, muss nun genauso auf den aktuellen Börsenwert bezogen werden. Wenn die Altanlage aufgebraucht ist, muss sie ersetzt werden - für den Wert, den der "Asset'" darstellt. Das sind 10.000 Mio. Bei 8% Rendite und 1,5% Finanzierung ( für 90% des Assets) sind das 9,35% . Mit Bruttorendite vor AFA , Erhaltungsaufwendung und Steuern 8% schafft das Unternehmen somit keine Neuinvestition mehr - trotz genial guter Zahlen! Es ist sinnvoller, die Altinvestition zu strecken - Minderauslastung bei Verlängerung der Gesamtbetriebszeit und damit Reduktion der Abschreibungen p.anno . Auch bei nur noch 2% Bruttoertrag bleibt das Unternehmen profitabel - Hauptsache die Kostenseite bleibt im Griff.
Der Verzicht auf Neuinvestition verbunden mit Aufrechterhaltung einer minimalen Produktion ist ein ökonomisches Modell, das lange Zeit Bestand hatte : Im COMECON nämlich. Die (staatlichen) Unternehmen gingen nicht pleite, die kreditierenden Banken auch nicht . Dennoch schafften die Unternehmen nie den Kapitalerhalt. Als bei der "Wende" die ostdeutschen Sparkassen ihre Bücher sichteten, fanden sich reichlich Kredite zu Lasten der VEB und LPG - Gelder, die also an diese Firmen geflossen waren - doch ein realer Gegenwert bestand bei den Firmen nicht: Kaum eine VEB oder LPG hatte ein Gesamtkapital von mehr als 0 Euro.
Die Bilanzen heil, die Wirtschaft tot. Das ist das sichere Endergebnis von QE.