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Die Katastrophe in Japan wirkt sich immer stärker auf die Autobranche aus - und ist nun auch in Eisenach bei Opel angekommen. Die Produktion liegt still. Teile fehlen. So geht es auch General Motors, Toyota und Honda.
Detroit/Stuttgart/Offenbach/RüsselsheimDie erste deutsche Autofabrik steht wegen der Katastrophe in Japan bald still: Bei Opel fallen am Montag und Dienstag im Werk Eisenach jeweils zwei Schichten aus, wie ein Firmensprecher am Freitag der Nachrichtenagentur dpa sagte. Das spanische Werk Saragossa wird sogar den ganzen Montag angehalten, womit drei Schichten verloren gehen. Am darauffolgenden Freitag fällt hier überdies eine der Acht-Stunden-Schicht aus.
In den beiden Werken wird der Kleinwagen Corsa produziert. Dafür fehlt ein Elektronikbauteil eines japanischen Zulieferers. Welche Komponente genau betroffen ist, blieb unklar. Japan ist eine Hochburg der Chipindustrie. „Von derart kurzen Ausfällen bekommen die Kunden aber nichts mit“, sagte der Sprecher. „Weitere Unterbrechungen sind für kommende Woche nicht geplant.“ Was danach geschehe, müsse kurzfristig entschieden werden.
Wellenreiter-Kolumne vom 19. März 2011
Saudi-Arabien als Schlüsselstaat
Saudi-Arabien galt bis vor kurzem als Musterländle der arabischen Welt. König Abdullah herrscht als absoluter Monarch, etwa 7.000 bis 8.000 Prinzen bekommen fürstliche Zuwendungen aus der Staatskasse. Die Petrodollars fließen in Strömen. Der Anteil Saudi-Arabiens an der Weltölförderung beträgt 12 Prozent (2009). Der Öl-Sektor finanziert 80 Prozent des Staatshaushalts. 90% der Exporterlöse kommen laut CIA Factbook aus dem Verkauf von Erdöl.
Die Bevölkerung Saudi-Arabiens wird in den kommenden Jahrzehnten kräftig wachsen. Nach den Schätzungen der US-Census-Behörde wird die saudische Bevölkerung von aktuell etwa 26 Mio. auf 30 Mio. im Jahr 2020 und 40 Mio. im Jahr 2050 ansteigen. Von den 26 Mio. Einwohnern kommen 5,5 Mio. aus dem Ausland.
82 Prozent der saudischen Bevölkerung lebt in Städten. Riad ist mit 4,6 Mio. Einwohnern größer als Berlin. Djidda, Mekka und Medina sind ebenfalls Millionenstädte. Von den 26 Mio. Einwohnern werden offiziell 7,3 Mio. als arbeitende Bevölkerung angegeben. Etwa 80% dieser 7,3 Mio. kommen aus dem Ausland (entspricht dem Anteil der ausländischen Bevölkerung). Von den etwa 21 Mio. Saudis zählen etwa 1,4 Mio. zur arbeitenden Bevölkerung. Der Rest – wenn man den Zahlen des CIA-Factbooks glauben darf - arbeitet nicht.
Wie der nächste Chart zeigt, ist der Ölkonsum in den vergangenen Jahren überproportional zur Bevölkerung gestiegen.
Daraus lässt sich ein gestiegener Pro-Kopf-Konsum ablesen. Betrug dieser bis etwa zum Jahr 2003 recht konstant zwischen 9 und 12 Litern pro Tag, so stieg er im Jahr 2009 auf mehr als 16 Liter pro Tag an.
Zum Vergleich: Der Pro-Kopf-Ölverbrauch notiert in den USA bei etwa 9 Liter, in Deutschland bei etwa 5 Liter und in China etwa einem Liter pro Tag.
Der Anteil Saudi-Arabiens am Welt-Öl-Konsum beträgt gemäß dem BP-Welt-Energie-Report 2010 etwa 3,1 Prozent. Noch vor 10 Jahren waren es 2 Prozent. Es ist anzunehmen, dass sich dieser Anteil angesichts der Bevölkerungsentwicklung und des zunehmenden Pro-Kopf-Verbrauchs weiter erhöhen wird. Möglicherweise beträgt er in zehn Jahren vier Prozent, vielleicht auch mehr.
Betrachtet man den Anteil des Öl-Konsums an der Gesamt-Öl-Förderung Saudi-Arabiens, so ist dieser in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Er beträgt etwa 27 Prozent.
Bliebe der Produktionsanteil konstant, stiege jedoch der Konsumanteil weiter (was anzunehmen ist), so dürfte der Eigenverbrauchsanteil weiter steigen. Stünden in den kommenden Jahren nicht mehr 73 Prozent, sondern nur noch 60 oder gar 50 Prozent der Fördermenge für den Export zur Verfügung, so hätte dies negative Auswirkungen auf das saudische Staatsbudget.
Weniger Deviseneinnahmen bei einer wachsenden Bevölkerung. Das ist die Herausforderung, vor der Saudi-Arabien zukünftig stehen wird, unabhängig von der Staatsform. Wie lange kann unter diesen Umständen ein Staatsgebilde aufrecht erhalten werden, in dem der allergrößte Teil der einheimischen Bevölkerung nicht arbeitet, sondern lediglich konsumiert?
In jüngerer Zeit wurden die Forderungen nach einer konstitutionellen Monarchie mit demokratischem Unterbau zahlreicher. Allein mit Petrodollars ist die Bevölkerung nicht ruhig zu halten, auch wenn König Abdullah den Bürgern heute erneut Finanzzusagen in Milliardenhöhe gemacht hat. Unter anderem will er den Bau von 500.000 Wohnungen (Volumen: 67 Mrd. US-Dollar) finanzieren.
Fazit: Unabhängig davon, wer Saudi-Arabien regiert: Das Bevölkerungswachstum in Verbindung mit dem steigenden Öl-Konsum zwingt das Land zu weitreichenden Veränderungen. Würde die Ölproduktion auch nur teilweise ausfallen (durch Unruhen und Aufstände), wäre ein weiteres Funktionieren des Staates kaum möglich, was zu weiterer Unzufriedenheit führen würde.
Ob allein das derzeitige, wiederholte Abwerfen von Petrodollars aus dem Hubschrauber die Unzufriedenheit der saudischen Bevölkerung lindert? Dies mag für kurze Zeit der Fall sein. Man kann zwar mit der Chipstüte vor dem Fernseher sitzen und sich die Zeit vertreiben, aber so richtig befriedigend ist dies auf Dauer nicht. Eine intakte „Work-Life-Balance“ erscheint erstrebenswert. Wenn man die Möglichkeit hat, ein auskömmliches Leben mit selbst verdientem Geld zu führen, steigert dies das Selbstwertgefühl. Die Saudis konsumieren viel, arbeiten aber vergleichsweise wenig. Unzufriedenheit ist da nur eine Frage der Zeit. Nicht umsonst fordert der Saudische Arbeitsminister Adel Faqih die Schaffung von Arbeitsplätzen für 5 Millionen Saudis bis 2030. http://tinyurl.com/66er6ju
Wir hoffen, mit dieser Hintergrundrecherche dazu beizutragen, die Situation im Öl-Schlüssel-Staat Saudi-Arabien für den Leser zu erhellen. Denn wir nehmen an, dass sich die Unruhen in der arabischen Welt auf Saudi-Arabien ausweiten werden. Über den Trigger-Punkt Bahrain könnte auch der Iran seine Rolle erhalten. Dann bestünde die Gefahr, dass sich der Westen dazu gezwungen sieht, nach Afghanistan, Irak und Libyen eine vierte Front aufmachen zu müssen. Verfolgen Sie die Entwicklung der Finanzmärkte in unserer handelstäglichen Frühausgabe.
Robert Rethfeld
Wellenreiter-Invest
Trotz des Waffenstillstands lässt Libyens Machthaber Gaddafi seine Truppen auf die Rebellen-Hochburg Bengasi vorrücken. Die USA rügen die Missachtung der UN-Resolution scharf. Frankreichs UN-Botschafter geht davon aus, dass eine militärische Intervention "binnen Stunden" nach dem am Samstag in Paris stattfindenden Sondergipfel zu Libyen beginnen wird. Bislang gibt es noch kein NATO-Mandat. Deutschland will die geplanten Luftangriffe nicht unterstützen, aber die Verbündeten in Afghanistan entlasten.
Eine ganze Reihe schwerer Naturkatastrophen belasten den US-Versicherungsriesen AIG schwer. Allein im ersten Quartal rechnet die staatlich gestützte Assekuranz mit einer Belastung in Milliardenhöhe. Den größten Anteil daran haben die Folgen des verheerenden Bebens in Japan.
Einer Forsa-Umfrage zufolge glaubt der Großteil der Deutschen daran, dass Immobilien im Falle einer Inflation das Vermögen vor Wertverlust schützen. Tatsächlich aber geht diese Rechnung in der Regel nicht auf.
DüsseldorfMehr als die Hälfte der Deutschen glaubt: Immobilieneigentum schütze am besten vor dem inflationsbedingten Wertverlust von Vermögen. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag des Immobilienmaklerverbandes IVD durchgeführt hat. Zwischen Glauben und Realität können aber bekanntlich Welten liegen. So verweisen zum Beispiel die Marktanalysten des Immobilienberaters Bulwien Gesa darauf, dass das Gros der Immobilienanlagen in Deutschland keineswegs Schutz bietet vor Inflation.
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