-schaft bedroht!
Britischer Finanzaufseher für Tobin-Steuer
Britischer Finanzaufseher für Tobin-Steuer
von George Parker (London) und Christine Mai (Frankfurt)
Ein Moloch, der die Gesellschaft bedroht: So sieht der Chairman der FSA den Bankensektor. Als Mittel für eine Schrumpfkur zieht Adair Turner auch globale Steuern auf Finanztransaktionen in Betracht - und belebt so eine alte Debatte wieder.
Der Chairman der britischen Finanzaufsicht FSA, Adair Turner, hat sich für die Einführung einer globalen Steuer auf Finanzgeschäfte ausgesprochen. Der Bankensektor mit seinen enormen Salären sei so stark gewachsen, dass er für die Gesellschaft zu groß sei - deshalb brauche es drastische Schritte, um ihn zurückzustutzen.
"Wenn man exzessive Gehälter in einem aufgeblähten Finanzsektor unterbinden will, muss man die Größe dieses Sektors verringern oder seine Gewinne besonderen Steuern unterwerfen", sagte Turner in einem Interview mit dem britischen Magazin "Prospect". Die derzeitige öffentliche Debatte um Boni bezeichnete er hingegen als "populistische Ablenkung".
Explizit nannte der FSA-Chef die Tobin-Steuer als Option - ein überraschender Schritt, da Großbritannien zu den entschiedensten Gegnern zählt. Der US-Ökonom und Nobelpreisträger James Tobin hatte 1972 eine Steuer auf sämtliche internationalen Devisentransaktionen vorgeschlagen. Eine solche Abgabe wird immer wieder diskutiert, auch als Finanzierungsmöglichkeit für Entwicklungshilfe.
Ungeachtet der Milliarden an Steuergeld, mit denen der Bankensektor gestützt wird, bilden Institute weltweit wieder enorme Rückstellungen für Prämien und zahlen hohe Gehälter. Politiker und andere Kritiker sehen das zunehmend als Zeichen dafür, dass die Branche in alte Gewohnheiten zurückfällt und keine Lehren aus der Krise zieht.
Die FSA selbst war vor kurzem bei Regelungen für Boni zurückgerudert. Entgegen ursprünglicher Pläne enthalten neue Vorgaben keine spezifischen Regelungen für die umstrittenen Prämien.
Turner sagte, seine Behörde werde vor allem schärfere Eigenkapitalvorschriften einsetzen, um zu verhindern, dass die Finanzbranche sehr hohe Risiken eingeht und exzessive Vergütungen zahlt. "Und wenn höhere Kapitalvorgaben nicht ausreichen, bin ich gern bereit, Steuern auf Finanztransaktionen in Betracht zu ziehen, Tobin-Steuern."
Wachsende Skepsis über Rolle der Londoner City
Mitarbeiter von Schatzkanzler Alistair Darling sagten, über derartige Steuern werde nicht nachgedacht. Angela Knight, die Vorsitzende der britischen Bankenvereinigung, sagte, der Finanzsektor sei ein wichtiger Arbeitgeber und Steuerzahler. Neue Steuern könnten dies untergraben.
Turner sagte außerdem, es gehöre nicht mehr zu seinen obersten Zielen, die Rolle Londons als führendem Finanzplatz zu stützen. Die FSA "sollte da sehr, sehr vorsichtig sein", sagte er. Die Äußerungen deuten darauf hin, dass die vermeintlichen Vorteile, die mit einem wichtigen Finanzzentrum verbunden sind, in Großbritannien zunehmend skeptisch betrachtet werden.
FTD.de, 10:31 Uhr


