Gestern abend wurde mir ja seitens AL vorgeworfen, ich würde in
#99 behaupten, "Aktien seinen um den Faktor 4 unterbewertet". Das ist natürlich wieder eine typische AL-Unterstellung: Eine dreiste Lüge, verpackt mit einem Fünkchen Wahrheit. In Posting
#99 schrieb ich nämlich lediglich, "Aktien seien um den Faktor 4 billiger als Renten".
Der konkrete Hintergund ist meine Überlegung, wie ich zur Zeit eine gewisse Summe X anlege, die mir durch einen Zufall überraschend zur Verfügung steht. Infrage kommen aus persönlichen Gründen nur Aktien oder Anleihen. Zeithorizont sind 5-10 Jahre.
Anleihen rentieren um die 1% p.a. mit einem KGV von rund 40, dh ich muss 40 Jahre warten, um mein Geld incl. Zinsen zu verdoppeln. Gründe für diese fast unverschämte Bewertung sind natürlich die Flucht in (vermeintliche) Sicherheit und die Erwartung einer Deflation.
Aktien besitzen ein KGV von rund 10, dh ich muss 10 Jahre warten, um mein Geld incl. Dividenden zu verdoppeln. Historisch sieht man ein KGV von 15 als angemessen an, Aktien sind daher um ca. 50% unterbewertet, unterstellt man einen normalen Konjunkturzyklus. Hintergrund für diese günstige Bewertung ist die Angst, die Gewinnschätzungen können deutlich zu hoch sein.
Wo soll ich also anlegen?
Antwort: Anleihen sind selbst unter der Annahme eines Deflationsszenarions schon sehr teuer. Kommt Inflation, sind sie gar sehr deutlich überbewertet und können sich im Kurs stark nachgeben (Dh. der Zinssatz steigt auf 3-4%, wie stark der Kursabschlag sein wird hängt von der Restlaufzeit ab).
Aktien dagegen würden aufgrund des Risikopuffers nur in einem Double-Dip deutlich verlieren, auf Sicht von 5 Jahren aber sicher nicht, zumindest ist das noch nie passiert. Selbst in einer Deflation können Unternehmen Gewinne machen; in einer Inflation sowieso. Eine Hyperinflation können die Notenbanken aufgrund des niedrigen Zinsniveaus verhindern, sofern sie nicht das Geld selbst drucken.
(Im Westen gibt es allerdings noch keine Erfahrung mit Deflation. Japan zählt nicht, weil damals zur Beginn der Deflation das Aktien-KGV bei 60 lag, insofern braucht man keine Angst vor ähnlichen Kursentwicklungen zu haben)
Fazit: Das CRV spricht klar für Aktien, sofern man zwischzeitliche Dips aussitzen kann und will. Da diese Überlegungen nicht nur ich anstelle sondern sehr viele Leute tagtäglich rund um den Globus wird sie die Aktienmärkte von unten her stützen.
„Der einzige Mist, auf dem nichts wächst, ist der Pessimist.“
- Theodor Heuss