Nachdem ich speziell D i r in meinem Posting # 3031 eine Interpretationshilfe nachgereicht habe, bleibt die Aussage über die beiden Kategorien von Missverstehern: solche, die nicht verstehen wollen und solche die nicht verstehen können. Ich lasse es Dir frei auszusuchen, zu welcher Gruppe Du gehörst.
Ansonsten kann ich Deinen Ausführungen nichts abgewinnen. Das ist ausschließlich „Meinung“. Etwas "Handfestes" hingegen, was mehr Aufklärung zur Sache bringen könnte, hast Du nicht oder hältst DU zurück. Insbesondere lieferst Du keine Hinweise auf derzeit schon vorhandene Anzeichen, dass sich 1929 in der Tat wiederholen könnte.
Sorry, das ist für mich uninteressant. Insoweit auch keine Replik mehr von mir.
Für alle diejenigen, die es interessiert, hier noch nochmals das Interview der FAZ mit Peter Homburg in voller Länge.
11. Januar 2009 Stefan Homburg zählt für viele zu den herausragenden Ökonomen in Deutschland. In der Krise steht er mit seinen Ansichten bisweilen einsam da. Den Vergleich mit der Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre hält er für unverantwortlich.Die Lage sei keineswegs dramatisch, sie werde von interessierten Kreisen dramatisiert.
Herr Homburg, der Staat ist bei der Commerzbank eingestiegen. War das ein notwendiger Schritt?
Nein, der Staat hat lediglich der Commerzbank die Übernahme der Dresdner Bank mitfinanziert.
... was nicht per se schlecht ist.
Ich habe in meinem Studium noch gelernt, dass man in einer Wettbewerbsgesellschaft eher eine staatliche Fusionskontrolle benötigt. Insofern ist es seltsam, dass hier mit Steuergeldern künstlich eine Großbank gezimmert wird.
Was wäre die Alternative? Die Banken wären in eine extreme finanzielle Schieflage gekommen.
Einspruch: Weder bei der Commerzbank noch bei der Dresdner Bank gab es Anzeichen für drohende Insolvenz. Es ging allein darum, dass die Commerzbank bei einer Übernahme der Dresdner Bank die notwendige Eigenkapitalquote ohne staatliche Hilfe nicht erreicht hätte.
Dass die Banken von der Finanzkrise nicht betroffen sind, ist eine gewagte Aussage. Die Verluste, die sie abschreiben müssen, sind doch gewaltig.
Gewaltige Abschreibungen sind im Konjunkturabschwung normal und haben mit einer Existenzbedrohung nichts zu tun. Commerzbank und Dresdner Bank könnten als unabhängige Institute überleben. Eine zweite Großbank, für die dann ebenfalls der Grundsatz "Too big to fail" gilt, liegt jedenfalls nicht im öffentlichen Interesse. Warum also sollte der Steuerzahler einen Teil der Risiken tragen?
Weil ausländische Großbanken schon bereitstehen und nur große Banken im internationalen Geschäft mitmachen können.
Das wird allgemein behauptet. Es gibt aber keine Befunde, wonach nur Großbanken überleben könnten - ganz im Gegenteil. Die vergleichsweise kleinen Sparkassen und Volksbanken stehen gut da, und sie sind es, die den Mittelstand primär mit Krediten versorgen. Versagt haben die großen, vor allem die Investmentbanken. Der staatliche Rettungsschirm für sie war ein Fehler. Die Gesellschaft braucht kein selbstreferentielles System, das sich gegenseitig hochschaukelt, dauerhafte Renditen von 25 Prozent verspricht und dieses unhaltbare Versprechen vom Steuerzahler einlösen lässt.
Mit dieser Einschätzung stehen Sie ziemlich allein da. Wie begründen Sie Ihre gewagte These?
Der Rettungsschirm setzt enorme Fehlanreize. Bankmanager wissen jetzt, dass letztlich der Steuerzahler haftet, und werden daher noch größere Risiken eingehen. Insofern legt der Rettungsschirm den Keim für die nächste Krise. Für sinnvoll halte ich hingegen die Maßnahmen der Europäischen Zentralbank: Weil sich die Banken gegenseitig misstrauen, nimmt die EZB von den Banken Einlagen entgegen und leiht sie an andere Banken aus. Der nur beschränkt funktionsfähige Interbankenmarkt wird gleichsam simuliert. Weil das gut klappt, gibt es keinen Grund für darüber hinausgehende steuerfinanzierte Maßnahmen.
Wenn alles so gut läuft, wie Sie behaupten, warum ist dann von Kreditverknappung die Rede? Warum soll wegen der dramatischen Lage nun auch die Industrie staatliche Garantien bekommen?
Die Lage ist keineswegs dramatisch, sie wird nur dramatisiert, vor allem durch interessierte Kreise. Betrachten wir den Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers im letzten September. Damals sagte Finanzminister Steinbrück nach einem Gespräch mit Herrn Ackermann von der Deutschen Bank: Wir haben heute in einen Abgrund geblickt. Ich sehe es anders: Herr Ackermann hat dem Bundesfinanzminister einen Abgrund vorgespielt, um den für seine Bank nützlichen Rettungsschirm durchzusetzen.
Moment mal, gerade die Deutsche Bank nutzt den Schirm nicht.
Richtig, der Rettungsschirm rettet nicht das Überleben der Deutschen Bank, das genau ist meine These. Der Schirm schützt vielmehr die Forderungen und damit die Gewinne und Boni der Deutschbanker. Aber ist das wirklich Aufgabe des Steuerzahlers?
Das hilft doch nicht nur der Deutschen Bank. Der Staat hält so den Geldkreislauf am Leben, der für die Wirtschaft lebensnotwendig ist. Die Alternative wäre eine Kreditklemme.
Eine Legende. Die normale Kreditversorgung war und ist nicht gefährdet. Ich bin Steuerberater mit eigener Praxis und merke bei meiner Mandantschaft nichts von einer Klemme. Gelegentlich werden Kredite abgelehnt, aber das war immer so. Ohnehin ist die Mittelstandsfinanzierung durch Sparkassen und Volksbanken in keiner Weise betroffen. Deshalb eine Gegenfrage: Worin besteht das öffentliche Interesse daran, dass die Commerzbank die Dresdner übernimmt oder die Schaeffler-Gruppe den Reifenhersteller Continental? Hier sind die Finanzierungen in der Tat eng geworden, was aber keine allgemeine Kreditklemme bedeutet. Der Steuerzahler steht jetzt ungewollt für die Finanzierung privatnütziger Übernahmen ein, die man einfach hätte absagen können.
Weltweit sprechen Wissenschaftler, Banker und Unternehmer von der schlimmsten Krise seit 1929 und Sie tun so, als sei das eine ganz normale Rezession?
Ob Ölkrise 1973, Wiedervereinigung 1990 oder IT-Krise 2001: Bisher war jede Rezession angeblich einmalig. In Tat und Wahrheit ist das Bruttoinlandsprodukt im zweiten und dritten Quartal 2008 um jeweils rund einen halben Punkt gesunken, also kaum messbar. Insofern halte ich den Vergleich mit der Weltwirtschaftskrise Anfang der 1930er Jahre für unverantwortlich. Damals hat sich die Industrieproduktion annähernd halbiert und ist die Arbeitslosenquote auf über 30 Prozent gestiegen. Für etwas Vergleichbares gibt es bisher keinerlei Anzeichen.
Da klingt aus Unternehmermund ganz anders.
Nicht generell. Viele bleiben realistisch. Aber für jede unternehmerische Fehlentscheidung steht jetzt eine blendende Ausrede zur Verfügung, nämlich die angeblich einmalige Finanz- und Wirtschaftskrise. Davon wird man auf mancher Hauptversammlung hören. Objektiv ist die Zahl der Arbeitslosen im Dezember zwar ein wenig stärker gestiegen als in den Vorjahren, doch liegt sie bei drei Millionen und nicht wie vor wenigen Jahren bei fünf Millionen.
Der Arbeitsmarkt reagiert immer zeitverzögert.
Richtig, aber der leichte Abschwung hat ja auch schon im zweiten Quartal 2008 eingesetzt. Somit konnte man mit einer Arbeitsmarktreaktion Ende des Jahres rechnen.
Also alles halb so wild? Sie wollen keine Schutzschirme. Lehnen Sie auch die Konjunkturprogramme ab?
Aller Erfahrung nach kann man die Konjunktur mit Programmen nicht steuern. In erster Linie verschleudert man Geld, das sinnvoller eingesetzt werden könnte.
Es kann doch nicht schaden, jetzt die Sanierung von Schulgebäuden vorzuziehen.
Wir müssten die Schüler einmal fragen, ob sie ein Vorziehen der Renovierungsarbeiten auch dann befürworteten, wenn sie wüssten, dass die deutsche Bauindustrie momentan recht gut ausgelastet ist.
Na und?
Wenn ein großes Konjunkturprogramm jetzt schlagartig die Baunachfrage erhöht, geht das in die Preise. Und die Bauindustrie wird ihre Kapazitäten nicht erweitern, weil sie weiß, dass die Maßnahmen befristet sind. Folglich erhalten die Schüler quantitativ und qualitativ weniger als bei sorgfältiger Planung und stetiger Umsetzung.
Können Sie denn wenigstens dem Vorschlag etwas abgewinnen, die Steuern zu senken?
Diese Frage hat einen ökonomischen und einen politischen Aspekt. Aus ökonomischer Sicht sollten die Steuern erst bei annähernd ausgeglichenem Haushalt gesenkt werden. Das war bislang auch die Position der Bundesregierung.
Also keine Steuersenkung?
Politisch besteht die Alternative zu Steuersenkungen derzeit nicht im Haushaltsausgleich, sondern darin, das Geld in übereilten Projekten zu verschwenden. Wenn die Staatsverschuldung in der aktuellen Hysterie also unbedingt erhöht werden muss, mögen Steuersenkungen besser sein als Ausgabenerhöhungen.
Der Staat sollte jetzt am liebsten gar nichts machen? Damit stehen Sie sehr einsam da.
Meine Position mag dem Zeitgeist widersprechen, aber der ändert sich schnell. Sobald sich zeigt, dass der Vergleich mit der Weltwirtschaftskrise eine Fehleinschätzung war, wird der Kater folgen und die öffentliche Meinung umschwenken. Die politisch Verantwortlichen werden sich dann fragen lassen müssen, warum sie den Steuerzahler so unverantwortlich in Haftung für einige Großbetriebe genommen haben.
Sind Sie sich sicher, dass in einem Jahr alles Krisengerede vergessen sein wird?
Lassen Sie mich so antworten: Ich habe in den letzten Wochen ordentlich Aktien gekauft und schlafe ausgezeichnet.