Wir befinden uns am Anfang einer Rezession der wahrscheinlich schwereren Art, die allem Anschein nach wesentlich länger andauern dürfte, als es vielfach aktuell bereits wieder von den einschlägigen Berufs-Optimisten dargestellt wird, sprich V-förmige Erholung und dergleichen. Es besteht die akute Gefahr einer deflationären Spirale und eines Abgleitens in eine Depression. Die tiefgreifende Unsicherheit über die weitere Entwicklung und die Furcht vor großen strukturellen Umbrüchen auf wirtschaftlicher und politischer Ebene dürften für anhaltende, erhebliche Volatilität an den meisten Segmenten der Finanzmärkte sorgen.
Auch blauäugig auf die kommende Präsidentschaft Obamas zu setzen, zeugt von einer gewissen Naivität.
Der neue US-Präsident Obama muss alle unpopulären Maßnahmen auf die beiden ersten Jahre einer Amtszeit konzentrieren, also auf 2009 und 2010, falls er auch bei der nächsten Präsidentschaftswahl punkten will. Gleichzeitig muss er ein gigantisches Konjunkturprogramm auf den Weg bringen, damit aus der Rezession keine Depression wird.
Als unmittelbare Folge wird eine weiter überbordende Staatsverschuldung zu attestieren sein.
Die Verniedlichungen zu der mittlerweile massiv in die Realwirtschaft ausgeuferten Finanz-/Kreditkrise schaue ich mir ja schon seit geraumer Zeit an und die allermeisten Prognosen sind und waren, gelinde gesagt, mit äußerster Vorsicht zu genießen, jedoch fast durchgehend schlichtweg für die Tonne. Larry Kudlow, US-Marktschreier, hatte z.B. die Rezession für beendet erklärt, bevor diese überhaupt von offizieller Seite bestätigt wurde. Ich habe hier Board-Member posten sehen, welche uns noch zu Beginn 2008 ernsthaft erklärt haben, dass die Banken aufgrund ihrer stillen Reserven bald gigantische Gewinne heben und bilanzieren werden, also Kauffi-Kauffi bitteschön. Da könnte man noch eine Reihe unzähliger Long-Pumper aufführen, selbstverständlich auch recht bekannte Namen dabei, die alle mit ihren Analysen komplett neben dem Gleis standen.
Und exakt die gleichen Einflüsterungen einschlägiger Talking Heads sind u.a. wieder aktuell bei CNBC zu vernehmen: SPX will be 1100's during 1st half of 2009, stock valuation is cheap, expecting a massive rally...usw, usf.
Frage daher niemals einen Friseur, ob du einen neuen Haarschnitt brauchst ;-))
Das Aufbauen von Long-Positionen, die sich gegen den übergeordneten Trend richten, sind nach wie vor mit erhöhten Risiken behaftet, denn bekanntlich ist an den Börsen die Wahrscheinlichkeit höher, dass ein etablierter Trend erhalten bleibt.
Übrigens, eine Kakerlake kommt selten allein ;-))
SPON aktuell: Britischen Großbanken drohen im Jahr 2009 Schätzungen zufolge neue Verluste in Höhe von bis zu 70 Milliarden Pfund, berichtet die Zeitung "Daily Telegraph" am Montag unter Berufung auf eine Untersuchung der Investmentbank Close Brothers. Der Grund seien Darlehen für Gewerbeimmobilien, die im kommenden Jahr weiter dramatisch an Wert verlieren dürften, schreibt die Zeitung.
Empfehle auch ergänzend aus dem Blog von Barry Ritholtz
Worst Calls of 2008
http://www.ritholtz.com/blog/2008/11/worst-calls-of-2008/und JesseLs „Ponzi Nation“
http://jessescrossroadscafe.blogspot.com/2008/12/ponzi-nation.htmlDisclosure: Die vorgenannte Polemik richtet sich klarerweise gegen Long-Einstiege, welche als Invests auf Sicht von ca. 3-4 Jahren gehalten werden sollen.
Sie richtet sich nicht gegen kurzfristige Long-Positionierungen, welche z.B. im Zuge von Aufwärtskorrekturen getradet werden.
Ich mag falsch liegen, die Geschichte wird mich richten.
"Wenn Sie nicht wissen, wer Sie sind, ist die Börse ein verdammt kostspieliger Ort, es herauszufinden." (David Dreman)