Börsianer sind so optimistisch gestimmt wie schon lange nicht mehr. Trotz der jüngsten Kursaufschläge und der bevorstehenden Zahlenflut in Frankfurt prognostizieren die meisten Aktienexperten weitere Kursgewinne.
Frankfurt am Main - Die anstehende Börsenwoche ist gespickt mit Unternehmenszahlen und wichtigen Konjunkturdaten. Marktexperten sehen dennoch kaum Gefahren für den aktuellen Aufwärtstrend.
"Der Dax hat mittelfristig noch Luft", analysiert Stratege Stefan Mitropoulos von der Bankgesellschaft Berlin. Sein Kollege Carsten Klude von MM Warburg prognostiziert: "In dieser Woche dürfte sich der Dax über der Marke von 3800 Punkten stabilisieren." Als Ziel für das Jahresende hat das Frankfurter Börsenbarometer nach Einschätzung beider Strategen die Marke von 4000 Zählern im Blick. Am Freitag erreichte der Dax sein höchstes Niveau in diesem Jahr und notierte kurzfristig über der Marke von 3800 Zählern.
Wichtigstes Argument der Strategen ist bei ihren Prognosen ist die verbesserte konjunkturelle Situation in den USA - aber auch in Deutschland. "Die Konjunkturlage ist ausgesprochen gut", sagt Mitropoulos. "Ich kann mir im jetzigen Umfeld nicht vorstellen, dass die Pessimisten im Markt wieder die Oberhand gewinnen." Angesichts der jüngsten Konjunkturentwicklung hält er die Marke von 4000 Punkten für den Dax in diesem Jahr für erreichbar.
Klude schätzt die Situation genauso ein: "Die Konjunkturdaten waren zuletzt sehr positiv. Es gibt eine reelle Chance, das Jahresendziel von 4000 Punkten beim Dax zu erreichen."
Mitropoulos weist darauf hin, dass zuletzt nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland bessere Daten veröffentlicht wurden als zuvor. "Wir werden im kommenden Jahr von der Weltkonjunkturlokomotive USA, aber auch von Asien profitieren. Aber jetzt beginnen auch bei uns die ersten harten Indikatoren eine Erholung anzuzeigen." Die deutsche Industrie erhielt etwa im September wegen stärkerer Nachfrage aus dem Inland überraschend viele Neuaufträge. Andererseits produzierte das Verarbeitende Gewerbe auch überraschend weniger und enttäuschte die Analystenerwartungen. Doch nach Einschätzung von Börsianern ändert dies nichts an der Erwartung einer Konjunkturerholung.
Jahresendrallye hat bereits begonnen
Die Experten der Bankgesellschaft Berlin sehen trotz der beachtlichen Kursgewinne im Dax noch keine Übertreibungen. Die Aufwärtsbewegung verlaufe vorwiegend in ruhigen Bahnen und werde immer wieder durch Gewinnmitnahmen unterbrochen. "Dies ist ein gutes Zeichen für die innere Stärke des Marktes. Es scheint, als habe die erhoffte Jahresendrallye bereits begonnen." Das Fundament für eine Fortsetzung dieser Aufwärtstendenz werde von Tag zu Tag fester.
Spannend werden die in den kommenden Tagen erwarteten Quartalszahlen: Infineon berichtet am Montag. Am Dienstag geht es weiter mit Zahlen von Beiersdorf , Bayer , T-Online . Am Mittwoch berichten Deutsche Lufthansa , Commerzbank , Heidelberger Druck , MAN , Mobilcom , ProSiebenSat1 , Wella und Applied Materials . Weiter geht es am Donnerstag mit BASF , Deutsche Telekom , Fraport , Linde , RWE , Siemens , Mitsubishi , Dell und Wal-Mart . Die Woche schließt die Allianz mit Zahlen ab.
"Bei Unternehmensergebnissen ist man vor negativen Überraschungen nie gefeit", stellt Klude fest. "Aber solche Überraschungen reichen zurzeit nicht aus, um den Gesamtmarkt negativ zu beeinflussen. Wenn das Konjunkturszenario so gut bleibt, dann wird sich das in Zukunft auch in Unternehmensergebnissen niederschlagen."
"Auch wenn jetzt noch viele Zahlen anstehen, so ist die Hauptsaison zumindest in den USA zu Ende", sagte Aktienstratege Günter Senftleben von der Bankgesellschaft Berlin. "In den USA wurden die Erwartungen der Analysten im dritten Quartal mehr als getroffen. Was jetzt noch aus Deutschland kommt, wird sich vorrangig auf die einzelnen Werte und weniger auf den Gesamtmarkt stark auswirken." Vielmehr dürfte der Dax noch von den guten Makrodaten in der abgelaufenen Börsenwoche profitieren.
Blick der Anleger richtet sich auf Wirtschaftsdaten
In den USA stehen am Donnerstag die Arbeitslosenanträge und am Freitag die Industrieproduktion für Oktober an. Für Deutschland sind die Zahlen für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal (Donnerstag) und die ZEW-Konjunkturerwartung (Dienstag) entscheidend. Ausruhen können sich die US-Anleger am Feiertag "Veterans Day" (Dienstag) nur an den Rentenmärkten; die Börsen bleiben geöffnet.
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Stärker in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit wird in den kommenden Wochen auch die Reformdebatte in Deutschland rücken. "Ein Unsicherheitsfaktor bleibt, wie der Reformprozess in Deutschland vorankommt", sagt Klude. "Dieses Thema rückt nun wieder stärker in den Mittelpunkt." Nach Einschätzung von Mitropoulos könnten die deutsche Konjunktur sowie die Aktienmärkte davon profitieren, wenn die Steuern gesenkt, Subventionen abgebaut und Anreize für den Arbeitsmarkt geschaffen werden. Einige Analysten sehen allein in der Tatsache, dass über Reformen diskutiert wird, einen positiven Impuls für die deutschen Aktien. Bisher zurückhaltende ausländische Investoren würden zunehmend ihre Scheu ablegen, in deutsche Titel zu investieren.
Der Handelsverlauf an den europäischen Rentenmärkten dürfte nach Einschätzung der Commerzbank nervös bleiben. Viele Marktteilnehmer seien verunsichert, weil die Bank of England mit einer leichten Zinserhöhung sehr frühzeitig auf die sich bessernde wirtschaftliche Entwicklung reagierte. "Es wird nun vielfach befürchtet, dass damit eine weltweite Zinserhöhungs-Runde eingeläutet wurde." In diesem unruhigen Umfeld rät die Commerzbank daher privaten Anlegern, bei Neuanlagen Papiere mit kürzeren bis mittleren Laufzeiten zwischen drei und fünf Jahren zu bevorzugen.
www.manager-magazin.de/geld/artikel/0,2828,273274,00.html
Frankfurt am Main - Die anstehende Börsenwoche ist gespickt mit Unternehmenszahlen und wichtigen Konjunkturdaten. Marktexperten sehen dennoch kaum Gefahren für den aktuellen Aufwärtstrend.
"Der Dax hat mittelfristig noch Luft", analysiert Stratege Stefan Mitropoulos von der Bankgesellschaft Berlin. Sein Kollege Carsten Klude von MM Warburg prognostiziert: "In dieser Woche dürfte sich der Dax über der Marke von 3800 Punkten stabilisieren." Als Ziel für das Jahresende hat das Frankfurter Börsenbarometer nach Einschätzung beider Strategen die Marke von 4000 Zählern im Blick. Am Freitag erreichte der Dax sein höchstes Niveau in diesem Jahr und notierte kurzfristig über der Marke von 3800 Zählern.
Wichtigstes Argument der Strategen ist bei ihren Prognosen ist die verbesserte konjunkturelle Situation in den USA - aber auch in Deutschland. "Die Konjunkturlage ist ausgesprochen gut", sagt Mitropoulos. "Ich kann mir im jetzigen Umfeld nicht vorstellen, dass die Pessimisten im Markt wieder die Oberhand gewinnen." Angesichts der jüngsten Konjunkturentwicklung hält er die Marke von 4000 Punkten für den Dax in diesem Jahr für erreichbar.
Klude schätzt die Situation genauso ein: "Die Konjunkturdaten waren zuletzt sehr positiv. Es gibt eine reelle Chance, das Jahresendziel von 4000 Punkten beim Dax zu erreichen."
Mitropoulos weist darauf hin, dass zuletzt nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland bessere Daten veröffentlicht wurden als zuvor. "Wir werden im kommenden Jahr von der Weltkonjunkturlokomotive USA, aber auch von Asien profitieren. Aber jetzt beginnen auch bei uns die ersten harten Indikatoren eine Erholung anzuzeigen." Die deutsche Industrie erhielt etwa im September wegen stärkerer Nachfrage aus dem Inland überraschend viele Neuaufträge. Andererseits produzierte das Verarbeitende Gewerbe auch überraschend weniger und enttäuschte die Analystenerwartungen. Doch nach Einschätzung von Börsianern ändert dies nichts an der Erwartung einer Konjunkturerholung.
Jahresendrallye hat bereits begonnen
Die Experten der Bankgesellschaft Berlin sehen trotz der beachtlichen Kursgewinne im Dax noch keine Übertreibungen. Die Aufwärtsbewegung verlaufe vorwiegend in ruhigen Bahnen und werde immer wieder durch Gewinnmitnahmen unterbrochen. "Dies ist ein gutes Zeichen für die innere Stärke des Marktes. Es scheint, als habe die erhoffte Jahresendrallye bereits begonnen." Das Fundament für eine Fortsetzung dieser Aufwärtstendenz werde von Tag zu Tag fester.
Spannend werden die in den kommenden Tagen erwarteten Quartalszahlen: Infineon berichtet am Montag. Am Dienstag geht es weiter mit Zahlen von Beiersdorf , Bayer , T-Online . Am Mittwoch berichten Deutsche Lufthansa , Commerzbank , Heidelberger Druck , MAN , Mobilcom , ProSiebenSat1 , Wella und Applied Materials . Weiter geht es am Donnerstag mit BASF , Deutsche Telekom , Fraport , Linde , RWE , Siemens , Mitsubishi , Dell und Wal-Mart . Die Woche schließt die Allianz mit Zahlen ab.
"Bei Unternehmensergebnissen ist man vor negativen Überraschungen nie gefeit", stellt Klude fest. "Aber solche Überraschungen reichen zurzeit nicht aus, um den Gesamtmarkt negativ zu beeinflussen. Wenn das Konjunkturszenario so gut bleibt, dann wird sich das in Zukunft auch in Unternehmensergebnissen niederschlagen."
"Auch wenn jetzt noch viele Zahlen anstehen, so ist die Hauptsaison zumindest in den USA zu Ende", sagte Aktienstratege Günter Senftleben von der Bankgesellschaft Berlin. "In den USA wurden die Erwartungen der Analysten im dritten Quartal mehr als getroffen. Was jetzt noch aus Deutschland kommt, wird sich vorrangig auf die einzelnen Werte und weniger auf den Gesamtmarkt stark auswirken." Vielmehr dürfte der Dax noch von den guten Makrodaten in der abgelaufenen Börsenwoche profitieren.
Blick der Anleger richtet sich auf Wirtschaftsdaten
In den USA stehen am Donnerstag die Arbeitslosenanträge und am Freitag die Industrieproduktion für Oktober an. Für Deutschland sind die Zahlen für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal (Donnerstag) und die ZEW-Konjunkturerwartung (Dienstag) entscheidend. Ausruhen können sich die US-Anleger am Feiertag "Veterans Day" (Dienstag) nur an den Rentenmärkten; die Börsen bleiben geöffnet.
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Stärker in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit wird in den kommenden Wochen auch die Reformdebatte in Deutschland rücken. "Ein Unsicherheitsfaktor bleibt, wie der Reformprozess in Deutschland vorankommt", sagt Klude. "Dieses Thema rückt nun wieder stärker in den Mittelpunkt." Nach Einschätzung von Mitropoulos könnten die deutsche Konjunktur sowie die Aktienmärkte davon profitieren, wenn die Steuern gesenkt, Subventionen abgebaut und Anreize für den Arbeitsmarkt geschaffen werden. Einige Analysten sehen allein in der Tatsache, dass über Reformen diskutiert wird, einen positiven Impuls für die deutschen Aktien. Bisher zurückhaltende ausländische Investoren würden zunehmend ihre Scheu ablegen, in deutsche Titel zu investieren.
Der Handelsverlauf an den europäischen Rentenmärkten dürfte nach Einschätzung der Commerzbank nervös bleiben. Viele Marktteilnehmer seien verunsichert, weil die Bank of England mit einer leichten Zinserhöhung sehr frühzeitig auf die sich bessernde wirtschaftliche Entwicklung reagierte. "Es wird nun vielfach befürchtet, dass damit eine weltweite Zinserhöhungs-Runde eingeläutet wurde." In diesem unruhigen Umfeld rät die Commerzbank daher privaten Anlegern, bei Neuanlagen Papiere mit kürzeren bis mittleren Laufzeiten zwischen drei und fünf Jahren zu bevorzugen.
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