Erachtens nicht zu, denn bis vor zwei Jahren haben die Ratingagenturen, obwohl die Verschuldung von Griechenland sich von der momentanen kaum unterschied, in der Annahme bestärkt, dass sie sich Geld für 3% oder 4% oder 5% leihen könnten. Würde das stimmen, wäre die momentane Krise nicht eingetreten.
Hinzu kommt natürlich die ökonomische Krise der letzten drei Jahre, die die griechischen Steuereinnahmen rasiert hat. Verursacht haben diese Krise auch nicht die Griechen, sondern Finanzterroristen rund um die Welt und mitten unter ihnen die doofen, faulen und korrupten Ratingfritze.
Nichtsdestotrotz müssen die Griechen auch ihr Scherflein dazu beitragen und tun das wohl auch. Aber entscheidend für ihre momentane Situation waren insbesondere die jahrenlangen Fehlsignale der Märkte und Ratingagenturen, dass sich die Griechen ihre Politik leisten könnten, neben der Wirtschaftskrise natürlich. Und was wir nicht vergessen dürfen: So wie die Griechen, die sich bei ihren Lohnsteigerungen nicht an die in einer Währungsunion implizit enthaltene langfristige Leitlinie "Zielinflationsrate plus Produktivitätssteigerung" gehalten haben, haben das die Tarifparteien in Deutschland in die andere Richtung auch nicht getan, wo wir in den letzten sieben Jahren im Durchschnitt nur Lohnsteigerungen um 1% hatten, sodass die IG Metall ebenfalls eine Mitschuld trifft, denn man kann von dem anderen Tarifpartner wohl kaum verlangen, dass er freiwillig mehr zahlt. Bezeichnenderweise musste hier sogar ein FDP-Wirtschaftsminister die IG Metall an ihre Aufgabe erinnern.