Hat Cathie Wood zu früh verkauft? - AMD landet Coup mit Microsoft – beginnt jetzt Nvidias größter Albtraum?
Markus Weingran
Markus Weingran
Markus Weingran ist seit mehr als 20 Jahren als Kapitalmarkt-Stratege und Aktien-Experte aktiv. Geprägt durch die langjährige Zusammenarbeit mit dem Finanzexperten Hans A. Bernecker verfolgt er einen klaren Anspruch: in jeder Börsenphase das Beste für Anleger herauszuholen. Weitere Einschätzungen und Trading-Ideen teilt er auch täglich in der wallstreetONLINE Börsenlounge auf YouTube.
Microsoft setzt auf AMDs neues KI-System Helios. Der nächste Angriff auf Nvidia ist damit perfekt. Vor dieser Nachricht hatte Cathie Wood ihren Anteil an AMD reduziert. War die Starinvestorin zu voreilig?
Für dich zusammengefasst:
AMD bietet mit Helios eine Alternative zu Nvidias Systemen.
Microsoft wird einer der ersten Kunden für das System.
AMD plant, noch in diesem Jahr mit der Auslieferung zu beginnen.
Advanced Micro Devices macht Ernst im Wettlauf um die Vorherrschaft bei Chips für künstliche Intelligenz. Mit dem neuen Rack-Scale-System Helios will der Konzern erstmals eine direkte Alternative zu Nvidias Grace-Blackwell- und Vera-Rubin-Systemen anbieten.
Microsoft gehört zu den ersten Großkunden des neuen Systems. Der Softwarekonzern kündigte an, Helios künftig in seinen Azure-Rechenzentren einzusetzen. Zuvor hatten bereits Meta, OpenAI, Oracle und Tata Consultancy Services ihre Unterstützung für die neue Plattform signalisiert. AMD will noch in diesem Jahr mit den Auslieferungen beginnen.
Microsoft-Chef Satya Nadella erklärte in einer Pressemitteilung: "Wir erweitern das Azure-Infrastrukturportfolio mit AMD Helios, um unseren Kunden die Leistung, Skalierbarkeit und Auswahl zu bieten, die sie für die Entwicklung und den Betrieb der nächsten Generation von KI-Anwendungen benötigen."
Helios kombiniert Grafikprozessoren, Serverprozessoren, Netzwerktechnik und die hauseigene Softwareplattform ROCm zu einem vollständigen KI-System. Damit verfolgt AMD dieselbe Strategie, die Nvidia in den vergangenen Jahren zum dominierenden Anbieter im Markt gemacht hat.
Laut AMD setzen inzwischen acht der zehn größten Entwickler von KI-Modellen auf Instinct-Grafikprozessoren des Unternehmens. Gleichzeitig baut der Konzern sein Software-Ökosystem weiter aus, um den Vorsprung von Nvidias CUDA-Plattform zu verkleinern.
"Wir konzentrieren uns sehr darauf, die besten Gesamtbetriebskosten und die niedrigsten Kosten pro Token zu bieten", sagte AMDs Rechenzentrumschef Forrest Norrod im Gespräch mit CNBC.
Nach Einschätzung der Futurum Group könnte AMD seinen Marktanteil bei KI-Beschleunigern durch diesen Vorstoß langfristig auf 20 bis 25 Prozent steigern. Der Markt wächst inzwischen auf ein Volumen von mehreren hundert Milliarden US-Dollar.
Der Verkauf erfolgte nach einer schwachen Börsenwoche für Halbleiterwerte. Belastet wurde die Branche unter anderem durch Gewinnmitnahmen nach der starken KI-Rally sowie Sorgen über zunehmenden Wettbewerb aus China. Der Speicherchip-Hersteller ChangXin Memory Technologies bereitet laut Barron's einen milliardenschweren Börsengang vor.
Ob Woods Ausstieg ein gutes Timing war, dürfte sich schon bald zeigen. Gelingt AMD mit Helios der Durchbruch bei den großen Cloud-Anbietern, könnte der Konzern Nvidia erstmals seit Jahren ernsthaft Marktanteile streitig machen. Scheitert der Angriff dagegen an Software, Lieferkapazitäten oder der Dominanz des CUDA-Ökosystems, dürfte Nvidia seine Vormachtstellung weiter ausbauen.
AMD stellt sich immer besser auf
AMD steht vor der größten Chance seit dem Comeback im Servergeschäft. Mit Microsoft, Meta, OpenAI und Oracle gewinnt Helios bereits vor dem Marktstart namhafte Unterstützer. Gleichzeitig bleibt Nvidia mit seinem Software-Ökosystem und einem Marktanteil von deutlich über 90 Prozent der klare Branchenführer.
Für Anleger dürfte deshalb vor allem entscheidend sein, ob AMD die großen KI-Kunden dauerhaft überzeugen kann oder ob Cathie Wood mit ihrem jüngsten Verkauf erneut den richtigen Riecher bewiesen hat.
Die KI-Verkaufswelle hat AMD nicht so stark erwischt, wie die Produzenten von Speicherchips, die teilweise deutlich über 20 Prozent nachgegeben haben. Jetzt entfacht der Nvidia-Konkurrent neue Fantasie mit seinem neuen KI-Rack und hat direkt Microsoft als ersten Referenz-Kunden an seiner Seite.
Geht der Plan auf, dann dürfte sich die Aktie von AMD schnell wieder von seinem Rücksetzer erholen. Anleger, die den Rückschlag ausnutzen wollen, gehen unterm Strich ein geringeres Risiko ein, als bei Micron, SK hynix oder Samsung jetzt dagegenzuhalten.
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