Donnerstag, 22.08.2002, 00:00 · von FOCUS-MONEY-Redakteur Johannes Heinritzi
Makaber: Spekulanten treiben die deutschen Bau-Aktien nach oben. Platz eins und Platz zwei nehmen in dieser Woche im MDax die Branchenvertreter Bilfinger Berger und Hochtief ein. Der Wiederaufbau nach der Jahrhundertflut im Osten Deutschlands soll der Bau-Industrie Aufträge bringen.
19.08.2002
Bauwerte
Gewinner der Krise
Auf das Hochwasser folgt der Wiederaufbau. Bilfinger & Berger, Hochtief und Vossloh profitieren. Nach dem Kurssprung am Vortag steigt jedoch das Risiko von Gewinnmitnahmen.
Frankfurt am Main – Die Flutkatastrophe im Osten Deutschlands sorgt auch an der Börse für Bewegung. Die vornehmlich im MDax notierten Bauwerte sind von Spekulationen auf eine Wiederbelebung der Baukonjunktur kräftig in die Höhe getrieben worden. So stiegen die Titel von Bilfinger und Berger Chart zeigen um über 16 Prozent, Hochtief-Papiere Chart zeigen verteuerten sich um annähernd zehn Prozent.
Krisengewinnler: Die Bauwerte profitieren von der erwarteten Auftragsflut
Bereits am Donnerstag und Freitag vergangener Woche hatten beide Titel deutliche Kursgewinne verbucht. Allerdings warnten Händler vor einer Übertreibung. Nicht repräsentative, weil umsatzschwache Ausschläge nach oben verbuchten auch die Aktien der beiden insolventen Firmen Holzmann Chart zeigen und Mühl Chart zeigen.
"Nach den massiven Kursaufschlägen insbesondere bei Bilfinger werden wir mit Sicherheit bald wieder fallende Kurse sehen," sagte ein Marktteilnehmer. Das hohe Handelsvolumen der Aktien spreche für institutionelle Käufer. Einen nachhaltigen Kursanstieg der Bautitel sah er nicht.
Händler erwarten weitere Aufwärtsbewegung
Ein zweiter Händler zeigte sich dagegen zuversichtlicher: "Zwar schreit der massive Kursanstieg nach einer Korrektur, aber warum soll es danach nicht noch weiter nach oben gehen?"
Zu teuer seien die Aktien derzeit jedenfalls noch nicht. Einzig die Dynamik der Aufwärtsbewegung lasse momentan nach; eine Entwicklung, die er jedoch als normal bezeichnete.
Positiv seien nach wie vor die im Vergleich zum Gesamtmarkt hohen Umsätze in den Werten, denn nach den Unwettern an Elbe, Mulde und Donau entstanden Schäden in Milliardenhöhe, die nun beseitigt werden müssen. Gustav Horn, Konjunktur-Experte vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) rechnet mit einem "Impuls" für einige Wirtschaftsbereiche, darunter die Bauwirtschaft.
Heizungsspezialist Buderus im Aufwind
Aufwärtspotenzial sehen Börsianer auch in der Aktie von Buderus Chart zeigen. Im Gespräch mit manager-magazin.de verwies ein Analyst auf die massiven Schäden der Heizungssysteme, die viele Heimeigentümer erlitten hätten. Diese müssten kurzfristig repariert werden. Schon kurzfristig sollten deshalb die Auftragseingänge des Heizungsspezialisten deutlich steigen.
Der Wetzlarer Konzern verbucht rund 64 Prozent seiner Umsätze im Bereich Heizungsprodukte. Zudem hat das Unternehmen nach Angaben der Helaba Trust durch konsequentes Kostenmanagement die Umsatzrendite in den vergangenen Jahren auf zweistellige Werte geschraubt.
Vossloh profitiert von Reparatur des Bahnnetzes
Stark gefragt sind derzeit auch die Papiere des Bodenbelags-Herstellers Tarkett Sommer Chart zeigen und des Fassadenspezialisten Sto Chart zeigen. Ebenfalls gesucht: Die Aktie von Vossloh Chart zeigen. "Vossloh dürfte erheblich von der Reparatur des Schienennetzes der Deutschen Bahn profitieren", sagte Klaus Kränzle, der für die Bremer Sparkasse die Verkehrstechnikbranche analysiert.
Der Analyst verweist zur Begründung auf die sehr moderate Bewertung des Titels und rät zum Kauf. Die Deutsche Bahn, die zu den am schlimmsten von der Flut betroffenen Unternehmen zählt, rechnet nach den Angaben eines Sprechers mit Schäden im hohen dreistelligen Millionenbereich.
Nach einem Hochwasser profitiert eine Branche besonders: das Bauhandwerk. Millionenschäden müssen beseitigt werden - und das sorgt mittelfristig für gute Wirtschaftsdaten. Nach Katastrophen wächst deshalb häufig das Bruttosozialprodukt: "Ich habe mir die Situation noch einmal vor Augen geführt, die es im Jahr 2002 gab. Und da sieht man ganz eindeutig am Zahlenwerk, dass - während Deutschland in der konjunkturellen Flaute war - die Bundesländer, die damals von der Flutkatastrophe am stärksten betroffen waren - also Sachsen, Sachsen-Anhalt und Bayern - dass dort die Produktion deutlich gestiegen ist."