Commerzbank mit EU einig - Eurohypo wird abgewickelt
Mittwoch, 21. März 2012, 15:15 Uhr
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Frankfurt (Reuters) - Commerzbank-Chef Martin Blessing kann aufatmen.
Die EU-Kommission winkt die Abwicklung der ungeliebten Tochter Eurohypo durch, die seit der Finanzkrise wie ein Klotz am Bein von Deutschlands zweitgrößtem Geldhaus hängt. Der Restrukturierungsplan sei unter Dach und Fach, sagte EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia in einem Interview der "Süddeutschen Zeitung" (Mittwochausgabe). "Die letzten Hürden sind genommen, sie betrafen die Eurohypo, bei der wir die Vorgaben modifiziert haben. Ich hoffe, dass wir den Beschluss bald verkünden können." Das könnte schon in der kommenden Woche der Fall sein, sagten mehrere mit der Sache vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Am nächsten Mittwoch kommt der Aufsichtsrat der Commerzbank zusammen, der die Pläne abnicken muss.
Als Gegenleistung wird Blessing bis auf Weiteres auf Zukäufe verzichten, berichteten die Insider. Eigentlich wäre das von der EU verhängte Akquisitionsverbot im April ausgelaufen. Doch ist Blessing in den nächsten Monaten ohnehin mit dem Stopfen eines milliardenschweren Kapitallochs beschäftigt. Offen ist, ob die Commerzbank noch weitere Konzessionen machen muss. Die Bank äußerte sich zu dem Thema unter Verweis auf das laufende Verfahren nicht.
Die EU-Wettbewerbshüter hatten der Commerzbank im Gegenzug für die milliardenschweren Hilfen des Staates in der Finanzkrise eigentlich einen Verkauf der Eurohypo bis 2014 auferlegt. Doch der verlustreiche Immobilien- und Staatsfinanzierer erweist sich für die Commerzbank als unverkäuflich. Allein 2011 hatte die Eurohypo hauptsächlich wegen Abschreibungen auf Griechenland-Anleihen einen Verlust von fast vier Milliarden Euro angehäuft - den größten in ihrer zehnjährigen Geschichte. Nun dürfte das Spezialinstitut mit einst weltweiten Ambitionen bald Geschichte sein.
Blessing will nur einen kleinen, gesunden Kern behalten und in die Commerzbank integrieren. Das dürfte das pfandbrieffähige gewerbliche Immobilienfinanzierungs-Geschäft in einem Volumen von 25 bis 30 Milliarden Euro in den vier Kernmärkten Deutschland, Polen, Großbritannien und Frankreich umfassen - ein Zehntel der früheren Eurohypo-Bilanzsumme. Neugeschäft in der Immobilienfinanzierung macht die Eurohypo derzeit nicht. Die Staatsfinanzierung, die zuletzt noch ein Volumen von knapp 90 Milliarden Euro hatte, ist bereits eingestellt. Die Papiere laufen über die Zeit aus oder werden, etwa im Falle der Euro-Schuldenländer, auch mit Verlust verkauft.
Die Eurohypo bildet zusammen mit der Schiffsfinanzierung die Sparte Asset Backed Finance (ABF) der Commerzbank - die von der Bank derzeit aber nicht zum Kerngeschäft gezählt wird. Über den künftigen Status der Eurohypo werde intern noch diskutiert, sagten Insider. Banker halten es auch für möglich, dass Blessing die gewerbliche Immobilienfinanzierung in die Investmentbank (Corporates & Markets) eingliedert, wo auch andere Großkunden betreut werden.
Doch wo soll dann der große Rest der Eurohypo - Staatsanleihen und risikobehaftete Immobilienpapiere etwa aus Spanien und den USA - geparkt werden? Grundsätzlich käme dafür die interne Abwicklungseinheit der Commerzbank (PRU) infrage. Dort werden derzeit andere toxische Papiere aus der Zeit vor der Finanzkrise möglichst ohne große Verluste verkauft. Einen großen Teil davon ist die Commerzbank schon losgeworden. Blessing hatte auf der Bilanzpressekonferenz im Februar angedeutet, dass die PRU in die Investmentbank eingegliedert werden könnte, wenn sie als eigene Einheit zu klein würde. Doch mit den Eurohypo-Teilen würde sie erst einmal wieder deutlich wachsen.
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