Ex-Staatspräsident Irans: Land will nicht mit USA verhandeln
Abdolhassan Bani Sadr: Moderater Kurs Obamas destabilisiert iranische Führung
Abdolhassan Bani Sadr im Gespräch mit Christoph Heinemann
Der frühere iranische Staatspräsident Abdolhassan Bani Sadr spricht der iranischen Führung deren gesamte Legitimation ab. Das Volk stehe ihr feindlich gegenüber. US-Präsident Obamas jüngstes Angebot zum Dialog kann die Führung destabilisieren, glaubt Bani Sadr: "Wenn das iranische Volk erkennt, dass es von außen nicht bedroht wird."
Heinemann: Zum Handschlag gehören bekanntlich zwei. Also wie geht der Iran mit Präsident Obamas Botschaft um? Der Iran, der in diesen Tagen den 30. Jahrestag der islamischen Revolution feiert. Vor dieser Sendung habe ich diese Frage Abdolhassan Bani Sadr gestellt. Er war von Februar 1980 bis Juni 1981 Staatspräsident des Iran, bevor er in Ungnade fiel und fliehen musste. Bani Sadr lebt seither im Exil. Also: Wie reagiert die iranische Führung?
Abdolhassan Bani Sadr: Die Regierung befindet sich nun in einer unangenehmen Lage: mit Bush in den Vereinigten Staaten und mit Olmert in Israel konnte das Regime einfach Krisen inszenieren. Aber mit Obama, der von Verhandlungen ohne Bedingungen spricht, ist das nicht mehr möglich. Wenn die Regierung dies dennoch täte, bliebe sie isoliert und verabscheut von der öffentlichen Meinung weltweit. Deshalb hat Herr Ahmadinedschad sofort seinerseits Bedingungen gestellt. Er und der geistliche Führer, Khamenei, haben immer bedingungslose Gespräche gefordert. Und kaum sind die Vereinigten Staaten einverstanden, da stellen sie Bedingungen.
Heinemann: Sie erwarten also keine Annäherung zwischen den USA und Iran?
Bani Sadr: Die gegenwärtige iranische Führung, die Herren Khamenei und Ahmadinedschad, verfügen über Mittel, Hürden aufzubauen und zu rechtfertigen, dass Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten nicht stattfinden.
Heinemann: Welche Mittel könnten das sein?
Bani Sadr: Ein Terroranschlag irgendwo reichte aus, um Verhandlungen zu verhindern.
Heinemann: Was bedeutet dies für die iranische Politik gegenüber dem Irak, Afghanistan und einer Unterstützung der Hamas in Gaza?
Bani Sadr: Man muss sich ihre Politik anschauen, die auf einer Realität beruht: Von Indien bis zum Mittelmeer gibt es keine Staaten und Regierungen, die anständig funktionieren. Es gibt eine Leere. Und sie wollen diese Leere mit Öl-Geld und mit Waffen füllen, mit denen die entsprechenden Gruppen bewaffnet werden. Diese Methode hat das Regime bislang gewählt.
Heinemann: Herr Bani Sadr, ist die iranischen Führung bereit, Atomwaffen herzustellen?
Bani Sadr: Sicherlich wollen sie das. Wie gesagt, sie wollen die Leere mit Geld und Waffen füllen. Die Atomwaffe wäre ein starkes Mittel, um eine Regionalmacht zu werden.
Heinemann: Ist der Iran Ihren Informationen zufolge in der Lage, kurzfristig eine Atomwaffe herzustellen?
Bani Sadr: In einigen Monaten, so wie es die Israelis behaupten, glaube ich das nicht. Meinen Informationen zufolge sind sie nicht so nah dran. Der Iran benötigt noch etwa fünf Jahre, um eine Atombombe herstellen zu können und über die nötigen finanziellen Mittel zu verfügen, die gegenwärtig fehlen.
Heinemann: Herr Bani Sadr, glauben Sie, dass die Radikalen bereit wären, eine solche Waffe gegebenenfalls einzusetzen?
Bani Sadr: Das glaube ich nicht, das ist unmöglich. Wo denn?
Heinemann: Gegen Israel zum Beispiel?
Bani Sadr: Wie sollte man Atomwaffen gegen Israel einsetzen, ohne die Palästinenser zu töten. Iran hat außerdem nicht die finanziellen Mittel, um eine Armee auszurüsten, die zu einer solchen Waffe passt.
Heinemann: "Informationen am Morgen" im Deutschlandfunk, ein Gespräch mit dem ehemaligen iranischen Staatspräsidenten Abdolhassan Bani Sadr. - 30 Jahre nach der Revolution, wie stabil ist die Regierung in Teheran?
Bani Sadr: Das Regime ist nicht sehr stabil: Sie verfügen über die Erdöl-Gelder und die Armee. Das ist alles. Das Volk steht ihm feindlich gegenüber, auch der Klerus ist gegen dieses Regime, das seine gesamte Legitimation verloren hat. Aber neben Geld und Gewalt gibt es einen dritte Säule: die Angst. Mit der Politik der Regierung Bush und Israels stand die Bevölkerung innen- und außenpolitisch unter Druck und konnte nichts tun.
Heinemann: Herr Bani Sadr, das könnte sich unter Präsident Obama ändern. Würde eine moderatere US-Politik im Iran für Instabilität sorgen?
Bani Sadr: Ja, wenn das iranische Volk erkennt, dass es von außen nicht bedroht wird, weder militärisch noch wirtschaftlich.
Heinemann: Herr Bani Sadr, was denken Sie heute über Ayatollah Khomeini?
Bani Sadr: Das war ein Mann, der sich anpassen konnte. Als er sich in Frankreich in Neauphle-le-Chateau aufhielt, hat er die Idee der Freiheit übernommen. Kaum in Teheran, hat er sich den Gedanken der absoluten Macht zu eigen gemacht. Er war Anhänger des Totalitarismus im Namen der Religion. Er hat nicht einmal die islamischen Grundsätze respektiert. Er ist verantwortlich für die Gewalt in der moslemischen Welt. Er hat der Gewalt im Namen der Religion einen heiligen Charakter verliehen.
Heinemann: Der frühere iranische Staatspräsident Abdolhassan Bani Sadr in den "Informationen am Morgen".
Abdolhassan Bani Sadr: Moderater Kurs Obamas destabilisiert iranische Führung
Abdolhassan Bani Sadr im Gespräch mit Christoph Heinemann
Der frühere iranische Staatspräsident Abdolhassan Bani Sadr spricht der iranischen Führung deren gesamte Legitimation ab. Das Volk stehe ihr feindlich gegenüber. US-Präsident Obamas jüngstes Angebot zum Dialog kann die Führung destabilisieren, glaubt Bani Sadr: "Wenn das iranische Volk erkennt, dass es von außen nicht bedroht wird."
Heinemann: Zum Handschlag gehören bekanntlich zwei. Also wie geht der Iran mit Präsident Obamas Botschaft um? Der Iran, der in diesen Tagen den 30. Jahrestag der islamischen Revolution feiert. Vor dieser Sendung habe ich diese Frage Abdolhassan Bani Sadr gestellt. Er war von Februar 1980 bis Juni 1981 Staatspräsident des Iran, bevor er in Ungnade fiel und fliehen musste. Bani Sadr lebt seither im Exil. Also: Wie reagiert die iranische Führung?
Abdolhassan Bani Sadr: Die Regierung befindet sich nun in einer unangenehmen Lage: mit Bush in den Vereinigten Staaten und mit Olmert in Israel konnte das Regime einfach Krisen inszenieren. Aber mit Obama, der von Verhandlungen ohne Bedingungen spricht, ist das nicht mehr möglich. Wenn die Regierung dies dennoch täte, bliebe sie isoliert und verabscheut von der öffentlichen Meinung weltweit. Deshalb hat Herr Ahmadinedschad sofort seinerseits Bedingungen gestellt. Er und der geistliche Führer, Khamenei, haben immer bedingungslose Gespräche gefordert. Und kaum sind die Vereinigten Staaten einverstanden, da stellen sie Bedingungen.
Heinemann: Sie erwarten also keine Annäherung zwischen den USA und Iran?
Bani Sadr: Die gegenwärtige iranische Führung, die Herren Khamenei und Ahmadinedschad, verfügen über Mittel, Hürden aufzubauen und zu rechtfertigen, dass Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten nicht stattfinden.
Heinemann: Welche Mittel könnten das sein?
Bani Sadr: Ein Terroranschlag irgendwo reichte aus, um Verhandlungen zu verhindern.
Heinemann: Was bedeutet dies für die iranische Politik gegenüber dem Irak, Afghanistan und einer Unterstützung der Hamas in Gaza?
Bani Sadr: Man muss sich ihre Politik anschauen, die auf einer Realität beruht: Von Indien bis zum Mittelmeer gibt es keine Staaten und Regierungen, die anständig funktionieren. Es gibt eine Leere. Und sie wollen diese Leere mit Öl-Geld und mit Waffen füllen, mit denen die entsprechenden Gruppen bewaffnet werden. Diese Methode hat das Regime bislang gewählt.
Heinemann: Herr Bani Sadr, ist die iranischen Führung bereit, Atomwaffen herzustellen?
Bani Sadr: Sicherlich wollen sie das. Wie gesagt, sie wollen die Leere mit Geld und Waffen füllen. Die Atomwaffe wäre ein starkes Mittel, um eine Regionalmacht zu werden.
Heinemann: Ist der Iran Ihren Informationen zufolge in der Lage, kurzfristig eine Atomwaffe herzustellen?
Bani Sadr: In einigen Monaten, so wie es die Israelis behaupten, glaube ich das nicht. Meinen Informationen zufolge sind sie nicht so nah dran. Der Iran benötigt noch etwa fünf Jahre, um eine Atombombe herstellen zu können und über die nötigen finanziellen Mittel zu verfügen, die gegenwärtig fehlen.
Heinemann: Herr Bani Sadr, glauben Sie, dass die Radikalen bereit wären, eine solche Waffe gegebenenfalls einzusetzen?
Bani Sadr: Das glaube ich nicht, das ist unmöglich. Wo denn?
Heinemann: Gegen Israel zum Beispiel?
Bani Sadr: Wie sollte man Atomwaffen gegen Israel einsetzen, ohne die Palästinenser zu töten. Iran hat außerdem nicht die finanziellen Mittel, um eine Armee auszurüsten, die zu einer solchen Waffe passt.
Heinemann: "Informationen am Morgen" im Deutschlandfunk, ein Gespräch mit dem ehemaligen iranischen Staatspräsidenten Abdolhassan Bani Sadr. - 30 Jahre nach der Revolution, wie stabil ist die Regierung in Teheran?
Bani Sadr: Das Regime ist nicht sehr stabil: Sie verfügen über die Erdöl-Gelder und die Armee. Das ist alles. Das Volk steht ihm feindlich gegenüber, auch der Klerus ist gegen dieses Regime, das seine gesamte Legitimation verloren hat. Aber neben Geld und Gewalt gibt es einen dritte Säule: die Angst. Mit der Politik der Regierung Bush und Israels stand die Bevölkerung innen- und außenpolitisch unter Druck und konnte nichts tun.
Heinemann: Herr Bani Sadr, das könnte sich unter Präsident Obama ändern. Würde eine moderatere US-Politik im Iran für Instabilität sorgen?
Bani Sadr: Ja, wenn das iranische Volk erkennt, dass es von außen nicht bedroht wird, weder militärisch noch wirtschaftlich.
Heinemann: Herr Bani Sadr, was denken Sie heute über Ayatollah Khomeini?
Bani Sadr: Das war ein Mann, der sich anpassen konnte. Als er sich in Frankreich in Neauphle-le-Chateau aufhielt, hat er die Idee der Freiheit übernommen. Kaum in Teheran, hat er sich den Gedanken der absoluten Macht zu eigen gemacht. Er war Anhänger des Totalitarismus im Namen der Religion. Er hat nicht einmal die islamischen Grundsätze respektiert. Er ist verantwortlich für die Gewalt in der moslemischen Welt. Er hat der Gewalt im Namen der Religion einen heiligen Charakter verliehen.
Heinemann: Der frühere iranische Staatspräsident Abdolhassan Bani Sadr in den "Informationen am Morgen".
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