Bundeswehreinsatz gegen Krawalle in Kabul
Vor einem Freundschaftsspiel zwischen einer Auswahl der internationalen Streitkräfte und einer afghanischen Auswahl ist es zu Ausschreitungen gekommen. Zuvor war Tourismusminister Rahman erschlagen worden: Von gezieltem Terrormord ist die Rede
Von Collin F. Kaemmer
Kabul – In der afghanischen Hauptstadt Kabul ist während eines Fußballspiels zwischen der Mannschaft der internationalen Schutztruppe ISAF und einer Kabuler Mannschaft zu Ausschreitungen gekommen. Das berichtete der US-Sender CNN. Beobachter sagten aus, dass es wahrscheinlich nicht genug Platz für alle Besucher in dem Stadion gegeben habe.
Die aufgebrachten Fans warfen nach Medienberichten Steine auf die Ordnungskräfte. Mitglieder der Stadion-Security, unter denen sich auch Bundeswehrsoldaten zum Schutz der Veranstaltung befanden, schlugen den Angaben zufolge daraufhin auf Fußballfans ein. Die Ordner setzten dabei gegen die anstürmenden Fußballfreunde Tränengas und Schlagstöcke ein.
Vor dem Spiel hatten sich rund 30.000 Afghanen ungeduldig vor dem Olympia-Stadion der Hauptstadt gedrängt. Soldaten des deutschen ISAF-Kontingents hatten den Eingang mit umgehängten Sturmgewehren gesichert, andere filzten die Fans. Dann eskalierte die Lage beim ersten Fußballmatch seit sieben Jahren in der Hauptstadt.
Das Spiel war unter dem Motto „Spiel der Einheit“ angekündigt worden und sollte die Beziehungen zwischen Schutztruppe und Einheimischen fördern. Trotz der Gewalt brach der Schiedsrichter das Spiel nicht ab: Die Auswahlmannschaft der ISAF siegte gegen Kabul United mit 3:1.
Die recht hochtrabend als „Olympia-Stadion“ bezeichnete Sportstätte, die während des Taliban-Regimes für Exekutionen und nicht für Sportveranstaltungen genutzt wurde, liegt im Zuständigkeitsbereich der Einheit, der neben der Bundeswehrtruppe auch Soldaten aus den Niederlanden, Österreich und Dänemark angehören.
Vor dem Spiel hatte ein Sprecher des Presse- und Informationsstabs der Bundeswehr gegenüber der WELT online die Lage in Kabul als „relativ sicher“ bezeichnet. Ihre Teilnahme als Zuschauer im Stadion hatten zu diesem Zeitpunkt sowohl der afghanische Interimspräsident Hamid Karzai als auch der der britische Außenminister Jack Straw - zurzeit auf Staatsbesuch in Afghanistan - wieder abgesagt.
Am Donnerstag war der afghanische Transportminister Abdul Rahman während eines Massenaufruhrs von Pilgern am Flughafen von Kabul erschlagen worden. Der Tod Rahmans gibt unterdessen Sicherheitseexperten Rätsel auf. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa halten die Fachleute es für möglich, dass sich unter den Pilgern auch Taliban-Anhänger oder Terroristen befanden, die den Minister gezielt ermordeten.
www.welt.de/daten/2002/02/15/0215vm314596.htx
Vor einem Freundschaftsspiel zwischen einer Auswahl der internationalen Streitkräfte und einer afghanischen Auswahl ist es zu Ausschreitungen gekommen. Zuvor war Tourismusminister Rahman erschlagen worden: Von gezieltem Terrormord ist die Rede
Von Collin F. Kaemmer
Kabul – In der afghanischen Hauptstadt Kabul ist während eines Fußballspiels zwischen der Mannschaft der internationalen Schutztruppe ISAF und einer Kabuler Mannschaft zu Ausschreitungen gekommen. Das berichtete der US-Sender CNN. Beobachter sagten aus, dass es wahrscheinlich nicht genug Platz für alle Besucher in dem Stadion gegeben habe.
Die aufgebrachten Fans warfen nach Medienberichten Steine auf die Ordnungskräfte. Mitglieder der Stadion-Security, unter denen sich auch Bundeswehrsoldaten zum Schutz der Veranstaltung befanden, schlugen den Angaben zufolge daraufhin auf Fußballfans ein. Die Ordner setzten dabei gegen die anstürmenden Fußballfreunde Tränengas und Schlagstöcke ein.
Vor dem Spiel hatten sich rund 30.000 Afghanen ungeduldig vor dem Olympia-Stadion der Hauptstadt gedrängt. Soldaten des deutschen ISAF-Kontingents hatten den Eingang mit umgehängten Sturmgewehren gesichert, andere filzten die Fans. Dann eskalierte die Lage beim ersten Fußballmatch seit sieben Jahren in der Hauptstadt.
Das Spiel war unter dem Motto „Spiel der Einheit“ angekündigt worden und sollte die Beziehungen zwischen Schutztruppe und Einheimischen fördern. Trotz der Gewalt brach der Schiedsrichter das Spiel nicht ab: Die Auswahlmannschaft der ISAF siegte gegen Kabul United mit 3:1.
Die recht hochtrabend als „Olympia-Stadion“ bezeichnete Sportstätte, die während des Taliban-Regimes für Exekutionen und nicht für Sportveranstaltungen genutzt wurde, liegt im Zuständigkeitsbereich der Einheit, der neben der Bundeswehrtruppe auch Soldaten aus den Niederlanden, Österreich und Dänemark angehören.
Vor dem Spiel hatte ein Sprecher des Presse- und Informationsstabs der Bundeswehr gegenüber der WELT online die Lage in Kabul als „relativ sicher“ bezeichnet. Ihre Teilnahme als Zuschauer im Stadion hatten zu diesem Zeitpunkt sowohl der afghanische Interimspräsident Hamid Karzai als auch der der britische Außenminister Jack Straw - zurzeit auf Staatsbesuch in Afghanistan - wieder abgesagt.
Am Donnerstag war der afghanische Transportminister Abdul Rahman während eines Massenaufruhrs von Pilgern am Flughafen von Kabul erschlagen worden. Der Tod Rahmans gibt unterdessen Sicherheitseexperten Rätsel auf. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa halten die Fachleute es für möglich, dass sich unter den Pilgern auch Taliban-Anhänger oder Terroristen befanden, die den Minister gezielt ermordeten.
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