Concept! wäre Schnäppchen für OgilvyOne
- Von vwd Redakteur Torsten Wolf -
Frankfurt (vwd) - Das Übernahmeangebot von OgilvyOne für Concept! scheint
auf den ersten Blick einen großzügigen Aufpreis für die freien Aktionäre zu
enthalten. So weist die OgilvyOne worldwide GmbH & Co KG, Frankfurt, bei
ihrer Offerte für 6,80 EUR je Concept!-Aktie darauf hin, dass dieser Preis
einen Aufschlag von mehr als 40 Prozent zum durchschnittlichen Börsenkurs
der drei Vormonate bedeutet. Auf den zweiten Blick zeigt sich jedoch, dass
OgilvyOne die Concept! AG, Wiesbaden, zum Schnäppchenpreis erwerben würde.
Denn die liquiden Mittel von Concept! betrugen zum Ende des dritten
Quartals 2001 noch rund 89 Mio EUR, etwa zwei Mio EUR mehr, als Ogilvy für
die Concept!-Gruppe insgesamt zahlen möchte. Und angesichts eines minimalen
Kapitalabflusses von nur etwa 0,6 Mio EUR im Vorquartal dürfte der
Barbestand zum jetzigen Zeitpunkt kaum verändert sein. Diese Mittel, die den
Kauf für Ogilvy quasi selbstfinanzierend machen würden, stammen aus dem
Börsengang an den Neuen Markt vom 27. März 2000. Seinerzeit wurde ein
Emissionspreis von 49 EUR je Aktie festgesetzt. Zwar schreibt Concept! im
operativen Geschäft noch rote Zahlen, doch die Verluste haben im Verlauf des
vergangenen Jahres stetig abgenommen, sodass der Breakeven in Sicht gerät.
Umso erstaunlicherer scheint es, dass der Vorstand der Concept! AG nun
den angebotenen Übernahmepreis von 6,80 EUR je Aktie in einer
Ad-hoc-Mitteilung als "fair und angemessen" beurteilt. Wie der jetzige
Vorstandsvorsitzende, Sven Bornemann, sagt, empfindet er das Angebot deshalb
als fair, weil es eben eine deutliche Prämie zum Börsenkurs enthalte.
Außerdem glaube er nicht, dass es noch viele Aktionäre gibt, die zu
damaligen Kursen ihre Aktien gekauft haben.
Bornemann hebt zudem hervor, dass der ehemalige Vorstandsvorsitzende und
Großaktionär, Volker Tietgens, die Verhandlungen mit Ogilvy für alle
Aktionäre, also auch die Kleinaktionäre, geführt habe. "Das ist keine
Selbstverständlichkeit", ergänzt er. Tietgens hat sich mit Ogilvy darauf
geeinigt, seinen fast 50-prozentigen Anteil an Concept! für 6,80 EUR je
Aktie bzw rund 42 Mio EUR abzutreten. Tietgens war seinerzeit in die Kritik
der Kleinanleger geraten, als er sich nach dem Börsengang überraschend aus
dem operativen Geschäft in den Aufsichtsrat zurückgezogen hatte.
Analyst Rainer Raschdorf von der DZ Bank bezeichnet das Übernahmeangebot
als "Minimalangebot". So würde das Unternehmen quasi Ogilvy übereignet,
statt verkauft. Denn durch den geringen Kaufpreis in Höhe der liquiden
Mittel würde kein Euro für die Marktstellung, das Know-How und die
Mitarbeiter bezahlt. Auch sei natürlich keinerlei Ertragsperspektive in dem
Angebot enthalten, wenngleich diese sicherlich vorhanden sei. "Als Aktionär
würde ich mich damit nicht zufrieden geben", sagt Raschdorf. Zumal es klar
sei, dass der Kaufpreis von 42 Mio EUR, den Tietgens erhält, auf Grund der
mit dem Börsengang erlösten Barmittel erzielt werden konnte.
Die als Aktionäre treu gebliebenen Zeichner der Aktien des Wiesbadener
Internetdienstleisters verschaffen mittlerweile ihrem Frust in
Internet-Diskussionsforen Luft. So wird etwa bei "wallstreet-online"
vermehrt das Wort "Anlegerabzocke" gebraucht, wobei dies noch zu den
harmlosesten Formulierungen zählt. Besorgt zeigen sich die Kleinaktionäre
dort auch, dass Ogilvy wegen des geringen Free-Floats von nur knapp 20
Prozent bald die für eine Zwangsabfindung ("Squeeze Out") notwendigen 95
Prozent in Händen halten könnte.
vwd/18.1.2002/tw/mim